Bergbau im Wörgetal: Ein am 1. Juli 1501 erteiltes Schürfrecht im Wörgetal in der Nähe von Kühtai für vier Bürger aus Silz zeigt Kaiser Maximilians Wirken in dieser hochalpinen Gegend. Heute erinnert der liebevoll angelegte Knappenweg an diese Zeit. Aber wie kam es zum Bergbau in einem solch abgelegenen Hochtal?

Kaiser Max und sein geliebtes Tirol

Kaiser Maximilian (1459 – 1519) verbrachte sein Zeit wohl am liebsten in Innsbruck. Er hatte sein Leben einfach an Tirol verschrieben. Eines der am häufigsten besuchten Gebiete des leidenschaftlichen Jägers und Fischers war das Sellraintal und der Kühtaipass. Noch heute erinnert die Trassierung der ursprünglichen Zugänge ins Tal und die Saiblingbestände in den Kühtaier Bergseen an sein Wirken. Aber nicht nur das Jagdbuch oder das Fischereibuch von Kaiser Max sind heute wertvolle Dokumente die Aufschluss über die damalige Zeit geben.

Ursprünge der Bergarbeit im Wörgetal

Das Wörgetal bei Kühtai in herbstlicher Stimmung. Vom Stollen ganz hinten im Tal (ganz rechts am Bild) musste das schwere Gestein mit etwa drei Tonnen pro Kubikmeter an Gewicht über das hochalpine Tal hinaustransportiert werden.

Wohl zufällig dürften die damaligen Hirten im Wörgetal pyrithaltige Steine in den Bächen entdeckt haben. Sofort haben sie sich auf die Suche nach dem Ursprung gemacht. Und siehe da, eine an verschiedenen Erzen reiche Ader wurde unterhalb des Wörgetalsattels auf 2.480 Metern Seehöhe gefunden. Und so hatte auch Kaiser Max seine Finger im Spiel. Denn ohne seine Zustimmung durfte niemand sich des Schürfrechtes bemächtigen.

Der Stolleneingang auf 2.480 Metern Seehöhe

Gefährlich und hart verdient

In kürzester Zeit wurde das Wörgetal erschlossen. Und für zumindest 200 Jahre war es mit Sicherheit das am meisten bevölkerte Seitental der Sellrainer Berge. Dutzende Knappen verrichteten ihre Arbeit dort und verbrachten in zugigen und nicht isolierten Hütten ihren Alltag. Wohlgemerkt in der so genannten Kleinen Eiszeit, als es in Europa viel kälter als heute war. Regelmäßige Schneefälle im Sommer – ganz normal. Die Kälte muss die Arbeit in dieser hochalpinen Gegend zu einem der härtesten Jobs weit und breit gemacht haben. Die Nässe im Stollen Tag für Tag mit Kleidung aus Wolle zu ertragen, ohne wasserabweisende Membran. Und erst als um 1625 das Schwarzpulver erfunden wurde, wurde zumindest die Arbeit etwas erleichtert.

Im Stollen

Noch heute sind die Holzverstrebungen großteils erhalten

 

Die Grundmauern einer Berghütte der Knappen aus der Zeit um 1600

Schlackenreste am Stolleneingang

Gold, Pyrit, Kupferkies und Bleiglanz

Geschürft wurde nach verschiedenen Mineralien die später mühsam aus dem Roherz extrahiert werden mussten. In diesen war zwar auch Gold enthalten, aber in so geringen Spuren, dass es nicht weiter relevant war. Das Augenmerk lag am Pyrit – auch bekannt als Katzengold oder Narrengold – Kupfer und Blei.

Roherz mit einer ebenfalls im Stollen gefundenen Schuhsohle

Detail Roherz. Rechts oben glänz Pyrit wie Gold.

Der Knappenweg – ein tolles Erlebnis für Jung und Alt

Heute erinnert der liebevoll angelegte Knappenweg zwischen Kühtai und dem Skigebiet Hochötz an die damalige Zeit. Ein Nachbau des Pochwerks und eine Holzhütte wurden im Stil der damaligen Zeit am Pochersee errichtet. Genau dort, wo einst die Knappen das gewonnene Roherz zerkleinerten und anschließend mit Ochsen ins Tal zur weiteren Verarbeitung führten. Mehrere Schautafeln erklären die Bergbaugeschichte des Wörgetales und wie der Alltag der Knappen ausgesehen hat.

Das nachgebaute Pochwerk steht exakt auf dem Standort des Pochwerks vor hunderten Jahren.
Foto: TVB Ötztal

Die breiten Wege des Bergbaus sind heute noch auf 2.400 Metern zu sehen.

Der Unterbau eines Grubehunt im Wörgetal. Foto: TVB Ötztal

Es gibt mehrere Varianten des Knappenwegs. Wobei ich für den ambitionierten Wanderer die Variante 7 mit Ersteigung der Hinteren Karlesspitze empfehlen kann. Zunächst starten wir in Kühtai am Längentalstausee und erwandern zuerst das wunderschöne Mittertal mit seinen kühnen Felszacken. Weiter geht es über den Wörgetalsattel – mit kurzem, möglichen Abstecher auf die Hintere Karlesspitze – und hinunter durch das Wörgetal. Dabei stößt man auf einige Grundmauern der Berghütten der Knappen und auf ihren alten Karrenweg der noch heute sichtbar ist. Kurz bevor man wieder in die herrlich duftenden Zirbenwälder eintaucht, erreicht man den idyllischen Pochersee. Dieser ist durch einen gigantischen Bergsturz entstanden dessen Schutthalde den Taleingang ziert. Am See befindet sich die Knappenhütte samt vielen Informationen und Ausstellungsstücken für den interessierten Wanderer.

Hier geht es zur Wegbeschreibung des Knappenwegs und seiner Varianten.

Falls man den Stolleneingang erspäht, noch eine Warnung: Der Stollen ist einsturzgefährdet und die Zwischenböden aus Holz, auf denen man sich bewegt, sind allesamt morsch. Von einer Begehung rate ich dringend ab!

Start beim Längentalstausee mit Blick nach Kühtai

Im malerischen Mittertal beim Knappenweg, Variante 7

Ausblick von der Hinteren Karlesspitze zu den herbstlich angezuckerten Bergspitzen rund um Kühtai. Auch für Vierbeiner ein Erlebnis.