Man wäre es ja gewohnt, bei der Ankunft auf einer Alm von freudigem Hundegebell begrüßt zu werden. Das ist auf der Juifenalm anders: hier meldet bisweilen Andreas Hofer die Ankunft von Fremden. Mit lautem Krähen, wie es sich für ein ‚Tirolerhuhn‘ (oder eben einen Tirolerhahn) gehört. Almhund Dojan, der stille Herrscher auf der Alm, betätigt sich inzwischen freundlich und schwanzwedelnd als Grüß-August.

Seit Jahren hatte ich vor, die auf 2.000 m Seehöhe gelegene Juifenalm im Lüsental des Bergsteigerdorfes Sellrain zu besuchen. Bisher nie geschafft, ließ ich heuer Taten folgen.  In Wahrheit hat der erneute Hinweis eines Bekannten, auf der Juifen gebe es einen ganz hervorragenden Graukäse, meine Wanderlust entfacht. Und so machte ich mich – wie immer – mit Öffis auf den Weg ins Sellrain. Und zu meinem Erstaunen fährt der Bus im Sommer sogar bis Juifenau. Hoch lebe der Verkehrsverbund Tirol!

Hinauf zur Alm

Zwischen der Juifenau und Juifenalm liegen etwa 600 m Höhenmeter, die ich denn auch langsam aber beharrlich angehe. Die aufgehende Sonne beleuchtet die Bergspitzen des Lüsentales, unter mir liegt Gries im Sellrain noch in verschlafenem Halbschatten. Der Wald duftet herb-süß nach Harz. Was gibt’s Schöneres?

Blick auf das Bergsteigerdorf Sellrain

Der Blick auf Gries im Sellrain. Bild: ©Werner Kräutler

Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten, zur Juifenalm aufzusteigen: über den Sommerweg, für den ich mich entschieden hatte oder eine Forststraße, die aber zu großen Serpentinen ausholt und vermutlich für Wanderer äußerst langweilig ist. Im Winter lass’ ich mir das gefallen, da ist nix mit der Diretissima. Denn die Strecke von der Juifenalm ist eine bekannte, um nicht zu sagen berühmte, Rodelstrecke

Sommerweg auf die Juifenalm

Langsam, aber stetig, Schritt für Schritt. Der Aufstieg zur Juifenalm. Bild: ©Werner Kräutler

Zirbenwald, Juifenalm

Zirbenwald auf der Juifenalm ©Werner Kräutler

Nach etwa einer Stunde Gehzeit geht der normale Bergwald in einen ganz wunderbaren Zirbenwald über. Am Weg liegen überall angepickte Zirbenzapfen herum, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zirbenhäher gerade bei der Ernte sind. Sie fliegen aufgeregt herum und sind dabei, ihre Vorräte in Form von Zirbennüssen für den Winter anzulegen. Die wiederum vergraben sie im Boden um sie dann im Winter – durch die tiefe Schneedecke hindurch – zielsicher wieder zu finden.

Ein Marterl, an einem Baum angebracht, weckt dann aber meine Aufmerksamkeit. Da ist in lustiger Art und Weise die Rede von zwei ‚geretteten‘ Jägern, die offenbar mit ihrem Auto abgestürzt waren:

„A Eisplattn am Weg hat ausserg’schaut

und scho hats an Franz und mi obigh’aut,

a Baam hot den Aufprall dalitten,

mia tatn uma longs Jagaleben bitten!“

Wirtschaftsgebäude Juifenalm

Die Juifenalm, hoch über dem Lüsental des Bergsteigerdorfes Sellrain ©Bild: Juifenalm

Pferde auf der Juifenalm

Die Pferde auf der Juifenalm haben eine besondere Aufgabe: Sie fressen jenes Gras, das Kühe und Gaissen nicht abgrasen. Bild: ©Juifenalm

Tirolerhuhn "Andreas Hofer" auf der Juifenalm im Sellraintal

Der Tiroler-Hahn Andreas Hofer wacht auf der Alm über seine Hühnerschar. Das Tirolerhuhn ist vor 100 Jahren ausgestorben, Andreas Hofer ist das Ergebnis einer Rückzüchtung. ©Werner Kräutler

“Einmal Graukäse bitte!”

Endlich auf der Alm angekommen kräht der kohlschwarze Tirolerhahn Andreas Hofer aus vollem Hals und treibt seine ‚Weiberschar’, 9 Federhauben tragenden Tirolerhennen und 11 Junghennen, zu einem viel versprechenden Futterplatz. Während Dojan, ein Berner Sennhund, sogleich am Tisch erscheint. Vielleicht gibt es etwas ‚abzustauben‘? Ich bestelle zuerst einmal eine „Molke mit Holundersirup“ und dazu eine Portion Graukäse.

Noch bevor meine Bestellung am Tisch ist, will ich wissen, wo die Sennerei untergebracht ist. Denn deren Produkte sind der eigentliche Grund, weshalb ich mir den Aufstieg angetan hatte. Natürlich möchte ich auch die aus Innsbruck stammende Sennerin kennen lernen, von der soviel Gutes erzählt wird: Daniela Mocker-Ahrer.

Käserei auf der Juifenalm

Hier ist die Daniela Mock-Ahrer in ihrem Element: die Kleinstsennerei auf der Juifenalm. Bild: ©Juifenalm

Vor einigen Jahren habe ich erstmals von ihr gehört, als sie als Jungsennerin quasi aus dem Stand  mit ihrem Graukäse gleich einmal Bronze bei der Almkäseolympiade in Galtür gewonnen hatte. Sie ist noch in der kleinen Sennstube um die letzten Handgriffe zu erledigen. “Das hat mich schon sehr gefreut und war eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin” sagt sie bescheiden. Denn sie habe immer davon geträumt, etwas zu tun, was mit Landwirtschaft verknüpft ist. Eigentlich wollte sie Tierpflegerin werden.

Graukäse von der Juifenalm

Ich liebe Graukäse mit Zwiebeln und kalt gepresstem Olivenöl. Dazu ein herzhaftes Schwarzbrot. ©Werner Kräutler

Vor fünf Jahren begann die bäuerliche Karriere der gelernten Psychologin, die in ihrem ‚Zivilberuf’ die Weberei des Caritas-Arbeitsprojektes ‚abrakadabra‘ für Suchtkranke leitet. Sie hatte eine Woche auf der Juifenalm mitgeholfen und sofort ‚Feuer gefangen‘. „Damals bin ich in die Milchkammer gegangen und eigentlich nie wieder heausgekommen“ meint sie lachend. Ein Kurs auf der Landwirtschaftsschule bestärkt die Besitzerin von zwei Pferden nur noch darin, einst selbst einen Bauernhof zu betreiben. Und nun verbringt sie jährlich drei Sommermonate lang Käse machend auf der Juifenalm. Heuer hat sie übrigens auch noch einen toll schmeckenden Mozzarella ins Programm aufgenommen.

Ihren preisgekrönten Graukäse will ich noch ‚vor Ort‘ verkosten. Was mich überrascht: der Käse ist völlig ‚durch‘, das heißt, er hat keinen topfig-weißen Kern. Und das, obwohl er eigentlich noch ‘jung’ ist. “Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten Graukäse zu machen”, meint die Sennerin, die dann etwas von ‚von innen nach außen reifen‘ erzählt. Ihr Käse werde kaum älter als eine Woche. Wie auch immer: der handgeschöpfte Käse von der Juifenalm gehört sicher zu den Besten seiner Art in Tirol.

Pächter Juifenalm

Das Pächterehepaar Gotthard und Silvia Stern betreiben die “Ganzjahresalm”. ©Juifenalm

Bevor ich wieder ins Tal absteige will ich noch Graukäse kaufen und habe Glück. Denn die Produktion wird nahezu täglich von den Besuchern der Alm ‚weggeputzt‘, wie es Gotthard Stern ausdrückt. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia hat er sich bereits soviele ‚Fans‘ gemacht, dass die tägliche Produktion von neun Melkkühen ratz-fatz weg ist. Wozu natürlich auch die hervorragende, regionale Küche auf der Juifenalm verantwortlich ist, für die Sylvia Stern verantwortlich zeichnet.

Dass es auf der Juifenalm auch eine ‚Wintersaison‘ gibt, ist der sensationellen Rodelstrecke und der Schneeschuh-Wanderstrecke zu verdanken. Und die beginnt heuer am 15. Dezember und endet erst wieder im kommenden Jahr zu Ostern.

Informationen in Schlagworten: 

  • Auf der Juifenalm verbringen heuer 29 Pferde, 109 Rinder, 4 Schweine und 12 Ziegen den Almsommer.
  • Eine Wegbeschreibung Juifenalm gibt es HIER
  • Der Sommerbetrieb auf der Juifenalm dauert 2017 noch bis zum 29. Oktober.
  • Der Winterbetrieb beginnt am 15.12.2017 und dauert bis zum 2. April (Ostermontag).
  • Weitere Informationen über die Juifenalm: https://www.juifenalm.at