Künstlern setzt die Corona-Pandemie besonders zu: Sie dürfen nicht spielen, nicht auftreten. Konzertsäle, Bühnen, Kinos bleiben geschlossen. Theaterhäuser verschieben Produktionen. Müssen aber gerüstet zu sein, wenn der Vorhang sich wieder hebt, sie wieder vor Publikum spielen können. Wann es so weit ist, ändert sich immer wieder, meist kurzfristig. Auch Bühnen- und Kostümbildnerin Esther Frommann braucht gute Nerven.

Seit 17 Jahren lebt Esther Frommann in Tirol. In ihrer Innsbrucker Werkstatt tüftelt die Bühnen- und Kostümbildernerin an ihren Ideen.

„Wir sind maximal gefordert, agieren flexibel und umsichtig und müssen dann doch Schließungen hinnehmen“, so Esther Frommann. Die Bühnen- und Kostümbildnerin ist Freelancerin, also doppelt gefordert in Zeiten wie diesen. Sie versucht es mit Humor und Tatkraft: Einfach weitermachen! Dabei helfen ihr die langjährige Erfahrung und ein gutes Netzwerk.

Von der Bühnengestaltung zum Kostüm

Esther Frommann studierte Bühnengestaltung an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Entwurf, Gestaltung und Realisation von Szenenräumen, wie es im Ausbildungsprofil heißt, sollten künftig ihre Welt sein.

„Durch den Himmel durch die Welt zur Hölle“, Staatstheater 2019; im Bild: Daniela Bjelobradic, Carmen Gratl, Frank Röder, Maurizio Nardo; Regie: Mona Kraushaar; Ausstattung: Esther Frommann; Foto © Iris und Alois Krug

Zum Kostümbilden kam sie durch Zufall. Irgendwann fragte ein Kollege, ob sie nicht auch die Kostüme für das Stück machen wolle. Zupackend, wie sie ist, probierte es Esther Frommann einfach aus. Und sie zeigte auch hier große Kreativität, Gespür für Charaktere, für Farbkombinationen – und den nötigen Biss, die entwickelten Ideen auch umzusetzen.
Nach mehreren Jahren als Assistentin an verschiedenen Bühnen in Deutschland und Österreich, vom Staatstheater Stuttgart bis zum Burgtheater in Wien, machte Esther Frommann sich selbstständig. Vor 17 Jahren zog sie nach Innsbruck. Seit 2007 leitet sie zusammen mit den Schauspielerinnen Carmen Gratl und Ute Heidorn das Staatstheater, das seine Stücke bevorzugt im Innsbrucker Treibhaus auf die Bühne bringt.

Auch bei „Mutter Courage und ihre Kinder“, Tiroler Landestheater Spielzeit 2009/10, gestaltete die Freelancerin die Kostüme. Zeichnung und Foto © Esther Frommann

Ein überbordender Fundus

Frommann ist Profi durch und durch, arbeitet für Film und Fernsehen, gestaltet Szenenbilder für TV- und Kinoproduktionen, für Dokumentationen, Musikvideos, Image- und Werbefilme. Sie erschafft Bühnenwelten für große und kleine Theater, kreiert Kostüme für Dramen und Komödien, für Musicals und Operetten. Ihr Fundus ist über die Jahre enorm gewachsen, füllt mehrere Räume. Gern streift Frommann durch Flohmärkte. Sie kauft Kleider und Hüte, Schuhe und andere Ausstattungselemente – von der Echthaarperücke bis zum Emaillekrug.

Frommann arbeitet für Film und Fernsehen, stattet Imagefilme ebenso aus wie Dokumentationen. Und sie schafft Bühnenwelten für große und kleine Theater.

Das Chaos in ihrem Fundus ist natürlich nur ein scheinbares. Es sei nicht zuletzt der wenigen Zeit und immer dem zu wenigen Platz geschuldet. „Dort wohnen auch Dinge, die für Projekte angeschafft wurden, übrigblieben und die dann irgendwann und irgendwo mal wieder und ganz anders vorkommen”, sagt Esther Frommann. Stoffe, gesammelte Materialien und Accessoires sind für sie wichtig beim Gestalten.

Mit Fantasie ausgestattet

Ob großes oder kleines Budget – für Esther Frommann steht Kreativität an oberster Stelle. „Natürlich lassen sich mit viel Geld Ideen leichter umsetzen. Gerade wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, ist ein Höchstmaß an Kreativität gefordert, um etwas Tolles zu erschaffen“, so Frommann.

„Verbrennungen“, Tiroler Landestheater Spielzeit 2008/09; im Bild: Elli Wissmüller, Bernhard Wolf, Sinnika Schubert, Ute Heidorn; Regie: Susi Weber; Kostüme: Esther Frommann; Foto © Rupert Larl

Als die bekannte Tiroler Schauspielerin Lisa Hörtnagl letzten Sommer den Verein Volkskantine gründete, um das „Pandemie-Projekt“ Dreigroschenoper umzusetzen, war Esther Frommann natürlich sofort dabei. Im August 2020 fand die Premiere bei Schloss Mentlberg in Innsbruck statt. Gespielt wurde bei jedem Wetter. Da war auch die Ausstatterin maximal gefordert. Aber Frommann liebt solche Herausforderungen.

Vom Hut bis zu den Stiefeln, von den Ohrringen bis zu den Netzhandschuhen – jede Bühnenfigur erhält ihr individuelles Kostüm. Zeichnung und Foto © Esther Frommann

Werkeln in der Zollerstraße

In ihrer Werkstatt in der Zollerstraße werkt und tüftelt sie derzeit an aktuellen Produktionen. Die musikalische Komödie „Das Feuerwerk“, die im Jänner 2021 im TLT hätte Premiere feiern sollen, musste Corona-bedingt verschoben werden. Das Stück würde durch eine pointenreiche Farce ersetzt. „Suite surrender“ spielt in den 1930-er Jahren.
Für Frommann heißt das: Alles über den Haufen werfen und dem Stück entsprechend neue Kostüme entwerfen. Auch das Staatstheater, das die bereits für Frühjahr 2020 geplanten „Alltagsgeschichten“ von Elisabeth T. Spira auf dem Spielplan hält, will ausgestattet sein. Damit alles bereit ist, wenn sich der Theatervorhang wieder hebt.

Tiroler Landestheater
Rennweg 2
Tel. +43 512 52074
Mail tiroler@landestheater.at
www.landestheater.at

Staatstheater
info@staatstheater.at
www.staatstheater.at

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Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler