Wir alle in Innsbruck schauen sie tagtäglich an. Manchmal versteckt sie sich hinter dichtem Nebel, des Öfteren zeigt sie sich im schneeweißen Kleid und immer stellt sie einen außergewöhnlichen Kontrast zum urbanen Stadtbild dar. Die Nordkette! Sie ist so nah, dass wir wortwörtlich raufspringen, für ein Feierabendbier oder eine Sonnenaufgangstour. Dabei vergessen wir Innsbrucker hie und da, dass die Nordkette nur eine (die kürzeste) von vier großen Gebirgsketten des Karwendels ist. Steht man mal ganz oben auf der Schneide, erschließt sich dem Auge plötzlich ein Meer aus Kalkgestein. Unzählige spitze Zacken und Gipfel reihen sich da aneinander und erstrecken sich ins Unterinntal und hinein bis Bayern.

Micro-Adventure vor der Haustür.

In der Stadt – und in unserer Dachgeschosswohnung – steht die brütende Hitze. Die einzige Option? Flucht nach oben! Wir beschließen am nächsten Morgen noch vor der unerbittlichen Sonne aufzustehen, um eine lang ersehnte Tour direkt vor unserer Nase zu unternehmen: Die vordere Brandjochspitze über den Südgrat. Das Vorhaben ist gar nicht so ohne, sind es doch gute 2.000 Höhenmeter von Stadt bis Gipfel. In der frühmorgendlichen Kühle schwingen wir uns auf die Mountainbikes. Die ersten 800 Höhenmeter lassen sich so auf dem Forstweg am besten bewältigen. Etwa 300 Höhenmeter unter dem Achselkopf endet der Forstweg und wir lassen unsere Bikes am Wegrand stehen.

Gipfel Nummer 1

Zu Fuß geht es weiter, vorerst durch dichten Wald. Bald haben wir die Lichtung mit der idyllischen Achselkopfalm (nicht bewirtschaftet) erreicht und können dort unsere Trinkflaschen mit frischem Quellwasser auffüllen. Unser erstes Ziel schaut bereits auf uns herab: Das Brandjochkreuz. Am steilen Wanderweg kommen wir flott voran und so haben wir unseren ersten Gipfel bald erreicht. Von dort sieht man den wunderschönen Südgrat und auch das Kreuz der vorderen Brandjochspitze blitzt schon im Sonnenlicht. Jetzt beginnt der spaßigste Teil der Tour!

Kraxln bis zum Top

Direkt hinter dem Brandjochkreuz startet der Südgrat mit dem Ziel der vorderen Brandjochspitze. Der Grat ist zwar nie sehr anspruchsvoll (3- UIAA), eine seilfreie Begehung sollte jedoch aufgrund der Absturzgefahr nur von erfahrenen Bergsteigern in Erwägung gezogen werden. Ein Gespür für die Wegfindung in alpinem Gelände ist ebenso Grundvoraussetzung, da die Wegmarkierungen am Grat im Vergleich zum Zustieg spärlich ausfallen. Ortsunkundige mit wenig Erfahrung sollten diese Tour allenfalls mit einem Bergführer machen.

Vor lauter Kraxlspaß könnte man fast vergessen sich auch mal umzublicken. Und zu staunen. Denn zu unseren Füßen – fast 2.000 Meter tiefer – liegt Innsbruck, deren Bewohner in diesen Momenten ihren Tag beginnen. Wir sehen die markanten Felsen der Kalkkögel, die immer noch schneeweißen Gipfel der Stubaier Alpen und den Inn, der sich durch die sattgrünen Felder des Inntals schlängelt. Satt sehen kann man sich da kaum, weiter müssen wir trotzdem. Das Kreuz der Brandjochspitze scheint zwar stets zum Greifen nah, aber noch haben wir ein paar Meter vor uns.

Gipfelfrühstück

Geschafft! Nach etwa zwei Stunden erreichen wir den Gipfel. Jetzt erstmal Pause… und Jause! Die Highlights der Tour waren ein schöner Kamin und eine spannende Sprungstelle – so sind wir uns einig. Auch einig sind wir uns – wiedermal – darüber, wie cool Innsbruck ist. Hoch oben über den Dächern der Stadt ist unser Ort zum runterkommen.

 

Den genauen Tourenverlauf inklusive GPS Track findet ihr auf Komoot.