Im Zuge der Recherchen für die 2020 präsentierte Ausstellung „Widerstand und Wandel. Über die 1970er-Jahre in Tirol“ stieß die aut-Mitarbeiterin Claudia Wedekind auf den Designer und Innenarchitekten Egon Rainer (1938–2019). Er hatte in den 1960er Jahren unter anderem ein Steckmöbelsystem entwickelt. Ihre Neugier war geweckt.

Die Ausstellung „Egon Rainer – Ordnung und Lebendigkeit“ läuft bis 19. Juni im aut. architektur und tirol.

Robustheit und Eleganz

Das System ermöglichte es Laien, mit wenigen Handgriffen Stühle und andere Möbelstücke selbst zusammenbauen. Zu einer Zeit, als der heute global vertretene schwedische Möbelkonzern hierzulande noch unbekannt war.
Zudem bestachen die Möbel Rainers durch zeitlose Eleganz und Robustheit. Auch häufiges Zusammen- und Auseinanderbauen überstanden sie ohne Einbußen. Was man beim Schweden schwerlich behaupten kann. Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht…
Als auch noch herauskam, dass Rainer den legendären Ski Kneissl Super Star entworfen hatte, war endgültig klar: Das aut würde ihm gerne eine Ausstellung widmen.

Rainer entwarf den legendären Kneissl Super Star. Er wurde 1970 auf der ispo in München vorgestellt.

Innenarchitekt und Designer

Gleich zu Beginn von „Egon Rainer – Ordnung und Lebendigkeit“ sind die Lebensstationen Rainers angeführt. Der 1938 in Innsbruck geborene Designer und Künstler absolvierte eine Tischlerlehre. Er machte eine Ausbildung zum Innenarchitekten an der Werkschule Hildesheim in Deutschland und besuchte die Staatliche Hochschule für bildende Künste in Hamburg (Klasse Innenarchitektur). 1974 schloss er das Royal College of Arts in London mit einem Master ab.

Hochwertige Materialien und Verarbeitung zeichneten die Möbel von Egon Rainer aus.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rainer längst Preise und internationale Anerkennungen für seine Designmöbel erhalten, die er in seinem Atelier in der Egger-Lienz-Straße in Innsbruck entwarf. Seit 1966 unterrichtete Rainer zudem an der HTL Innsbruck in der Abteilung für Kunsthandwerk, Möbelbau und Raumgestaltung. Einen Beruf, den er zusehends als Berufung empfand. In den folgenden Jahrzehnten bis zu seiner Pensionierung floss Rainers ganze Energie in die Ausbildung junger Menschen.

1967/68 entwickelte Rainer ein Anbaumöbelprogramm, das auf dem Quadrat als Grundform basierte.

Kreative Hochphase

„Warum er ab Mitte der 1970er Jahre nicht mehr als Designer auftrat, ist eine Frage, die wir trotz intensiver Recherchen, letztlich nicht befriedigend beantworten können“, so Arno Ritter, Leiter des aut. Tatsache ist: Als Designer und Innenarchitekt erlebte Rainer seine Hochphase zwischen Mitte der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre. In dieser Zeit entstanden jene Werkstücke, die im aut zu sehen sind. Sie zeigen ihn als überaus kreativen und konsequenten Innenarchitekten.
Da sind zum einen die eingangs schon erwähnten Steckmöbel, die in ihre Einzelteile zerlegt, in kompakten Kartons Platz finden. Und zusammengebaut einladen, sich sofort reinzusetzen. 1969 erhielt Rainer dafür den österreichischen Staatspreis für gute Form. Produziert wurden die Möbel von der Kufsteiner Firma Pirmoser.

Leider nie in Produktion gingen die stylischen Freischwinger mit und ohne Armlehne.

Einige der modularen Anbaumöbel würde ich sofort mit nach Hause nehmen. Auszüge aus alten Katalogen und Prospekten zeigen die Palette der Elemente und der Möglichkeiten, sie zu kombinieren. Die leider nie produzierten stapelbaren Freischwinger (entworfen 1966) wirken so modern und leger, als seien sie gestern entwickelt worden.

Internationale Wahrnehmung

Mit seinen Arbeiten nahm Rainer an internationalen Messen wie etwa in Köln oder München teil. Fotografieren ließ er sie vom Mailänder Fotografen Giorgio Casali, einem der bedeutendsten Architektur- und Designfotografen der damaligen Zeit.

Die von Rainer gestalteten Innenräume der Wohnung Prior blieben weitgehend erhalten.

Rainers Objekte illustrierten einschlägige Fachmagazine wie der italienischen Architektur- und Designzeitschrift domus. Eine Fotoreportage seines perfekt an seine Bedürfnisse angepassten Studios in der Egger-Lienz-Straße findet sich 1973 im britischen Designjahrbuch „decorative art in modern interiors“.

Ordnung und Lebendigkeit

Das Atelier gibt es zwar nicht mehr, doch erhielten die Ausstellungsmacher Gelegenheit, die Wohnung des ehemaligen Tiroler Kulturlandesrats Fritz Prior zu besichtigen und zu fotografieren. Rainer hatte sie komplett ausgestattet, das Interieur ist großteils erhalten.
Die Bilder zeigen: Auch im Bereich Innenarchitektur setzte Rainer auf klare Linien, zeitlose Eleganz und nutzergerechte Raumlösungen.

Leitsätze des Designers und Innenarchitekten begleiten die Besucher durch die Ausstellung.

„Ich glaube nicht länger an das Möbel im herkömmlichen Sinne, an die starre, dominierende, unveränderliche Konstruktion, sondern viel mehr an frei in den Raum gestellte, bewegliche, variierbare Elemente verschiedenster Struktur“, ist nur einer von Leitsätze Rainers, die in der Ausstellung zu lesen sind.
Sein kompromissloser Zugang zum Design wird in der Ausstellung sicht- und erlebbar. Egon Rainers Möbel und Einrichtungsgegenstände erweisen sich als echte Entdeckung! Richtig lässig wäre, wenn seine Möbel wieder produziert würden.

Egon Rainer – Ordnung und Lebendigkeit
Ausstellung im aut. architektur und tirol
Bis 19. Juni 2021

aut. architektur und tirol
Lois-Welzenbacher-Platz 1
6020 Innsbruck
Tel. +43 512 571567
Mail: info@aut.cc
www.aut.cc

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen mit Beiträgen der Journalistin Ivona Jelčić und des Künstlers Ernst J. Fuchs, der Schüler von Egon Rainer an der HTL war.

Informationen über die aktuell geltenden Sicherheitsmaßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie, Öffnungszeiten und Ausstellungsdauer finden sich unter www.aut.cc

Der Veranstaltungskalender von Innsbruck Tourismus gibt einen Überblick über alle Termine in Innsbruck und Umgebung.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler