Wer die Krapfenschnaggler sind, was sie mit dem Halloweenbrauch gemeinsam haben, warum das Nörggele aus dem Himmel gepurzelt ist und was es mit den bunten Nüssen auf sich hat: All das haben wir im Volkskunstmuseum erfahren.

Den Irrglauben, dass Museen nur etwas für Erwachsene sind, habe ich schon lange abgelegt. Meine Familie und ich waren bei der Handpuppenführung „Aus dem Himmel gepurzelt“ von Teresa Waas im Tiroler Volkskunstmuseum. Wir, also eigentlich die Kinder, haben dem Nörggele Ignaz Purzinigele geholfen, drei knifflige Aufgaben zu lösen. Und haben so ganz nebenbei einiges über die Tiroler Geschichte und Bräuche erfahren. Es hat uns super gut gefallen und ich kann jeden nur einladen, diese Handpuppenführung zu besuchen.

Junge im Volkskunstmuseum

Auch die Kleinen sind im Volkskunstmuseum willkommen.

Die Geschichte

Linda (alias Teresa) stammt eigentlich aus Berlin. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag als Reinigungskraft im Tiroler Volkskunstmuseum hat sie eine merkwürdige Begegnung. Als sie eine alte Uhr abstauben möchte, stößt sie auf das Nörggele Ignaz Purzinigele. Der kleine, pelzige Geselle war einst ein Engelchen. Da er es im Himmel aber zu bunt getrieben hat, wurde er zusammen mit Luzifer verstoßen und muss nun auf der Erde verweilen. Der arme Kerl ist verwirrt, er weiß selbst nicht, wo er hingehört. Ist er nun gut oder böse? Klar, er ist ein kleiner Frechdachs, der gerne Streiche spielt, aber gehört er deswegen gleich in die Hölle? Nein… aber im Himmel konnte und wollte er auch nicht bleiben. Linda möchte dem Nörggele helfen. Die beiden finden einen merkwürdigen Brief einer geheimnisvollen Kommission. In dem heißt es, es gäbe drei Aufgaben zu lösen, wenn diese geschafft sind, wird das Nörggele erfahren, ob es gut oder böse ist.

Handpuppenführung im Volkskunstmuseum

Die Kinder Kinder helfen dem Nörggele Ignaz Purzinigele herauszufinden, ob er gut oder böse ist.

Nicht nur Linda will Ignaz Purzinigele helfen, auch die Kinder sind mit von der Partie und zusammen flitzen alle von Station zu Station durchs Museum. Nach jeder Aufgabe findet das Nörggele Nüsse: blaue für den Himmel und rote für die Hölle. Am Ende kann es dann zählen, von welcher Farbe es die meisten hat und weiß so, wo es hingehört.

Die Auflösung wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: Man sollte nicht immer in Schwarz-Weiß (oder in diesem Fall: Rot-Blau) denken.

Hintergrund:

Ein Norgg, oder wie es eben im Dialekt heißt – ein Nörggele – ist eine Tiroler und Südtiroler Sagengestalt. Norgge sind Engelchen, die Anhänger Luzifers – des ehemaligen Erzengels – waren und zusammen mit ihm aus dem Himmel verstoßen wurden. Da sie aber nicht wirklich böse, sondern nur kleine Mitläufer sind, die sich aufhetzten ließen, ohne dabei viel Schlimmes zu denken, blieben sie beim Fall aus dem Himmel in den Bergen und Bäumen Tirols hängen. Dort hausen sie noch heute und treiben allerlei Schabernack, sind im Herzen jedoch gutmütige kleine Gesellen.

Die Geschichte um das Nörggele Ignaz Purzinigele hat sich die Schauspielerin Teresa Waas, die auch die Reinigungskraft Linda May mimt, ausgedacht. Sie schafft es, die Kinder zu verzaubern und taucht mit ihnen in eine andere Welt ein. Die Handpuppenführung dauert etwa eine Stunde. Genau lang genug, damit die Kinder aufmerksam bleiben und mitfiebern, sich aber nicht zu langweilen beginnen oder überfordert sind.

Der Teufel im Volkskunstmuseum

Schon am Eingang werden wir von Luzifer erwartet.

Der Schauplatz

Das Tiroler Volkskunstmuseum grenzt direkt an die Hofkirche und bietet eine umfangreiche Sammlung an Besonderheiten aus dem historischen Tirol. Neben zahlreichen Handarbeiten, Schnitzereien, Statuen und historischen Trachten findet man auch wunderschöne Krippen, getäfelte Stuben und vieles mehr.

Tiroler Brauchtum

Tiroler Brauchtum

Bei unserer Tour mit dem Nörggele durchs Museum sind mir besonders die Krapfenschnaggler in Erinnerung geblieben. Ein Brauch den ich nicht kannte, der mich aber sehr an das amerikanische Halloween erinnert. Um Allerheiligen zieht eine Gruppe Burschen von Haus zu Haus. Sie sind weiß gekleidet und führen einen sogenannten Schnapper mit sich. Es handelt sich dabei um Holzstangen auf denen ein geschnitzter Tierkopf, mit beweglichem Unterkiefer befestigt ist. Durch eine Schnur wird dieser bewegt und erzeugt ein lautes Geklapper. Die Jungs erbetteln sich dadurch Krapfen oder anderes Gebäck.

Es konnten also nicht nur die Kinder etwas lernen, sondern auch wir Erwachsenen.

Aus dem Himmel gepurzelt

Die Krapfenschnaggler

Das Volkskunstmuseum mag auf den ersten Blick für Familien nicht unbedingt wie die erste Anlaufstelle für Regentage wirken. Aber wenn man sich etwas Zeit lässt, genau hinsieht und im allerbesten Fall an einer tollen Führung wie der von Teresa Waas teilnimmt, hat wirklich jeder Spaß – auch die Allerkleinsten.

 

Infos:

Kontakt & Adresse:
Tiroler Volkskunstmuseum – Tiroler Landesmuseen
Universitätsstraße 2
6020 Innsbruck
+43 512 / 59 48 95 10
volkskunstmuseum@tiroler-landesmuseen.at
http://www.tiroler-landesmuseen.at 

Aus dem Himmel gepurzelt:
Termine 2019: 16. und 30. März sowie 13. April, jeweils 15:00 Uhr
Für Kinder ab 4 Jahren
Preis € 5,00
Kartenreservierung empfohlen: T +43 512 59489-514
Abholung der Karten bis 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung

Blog:
Den Beitrag von Ichia über das Volkskunstmuseum solltet ihr euch ansehen.
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Fotos © Elisabeth Siegl