Was tun an Silvester? Bevor man sich den eigenen Neujahrsvorsätzen stellt, drängen sich alljährlich dieselben Fragen auf: Verzicht oder Völlerei, besinnlich oder besinnungslos? Manch einer sucht eine stille Einsiedelei auf, entsagt sämtlichen Feierlichkeiten und stellt sich diesen Fragen gar nicht erst. Andere trifft man nach einem freundschaftlichen Raclette-Gefecht erst zu Dreikönig wieder, sternhagelvoll im dichten Weihrauchnebel. Meine subjektive Silvesterplanung macht heuer ein bisschen was von beidem, denn Innsbruck hat sich zum Jahreswechsel zahlreiche Superlative einfallen lassen.

Von Wettergöttern empfohlen

Im Himmel hat auch beim Wetter irgendwer das Sagen. Was dort angesagt wird, hört hier unten keiner, man kann mutmaßen und Orakel befragen. Aktuelle Prognosen rechnen mit milden Temperaturen, strahlendem Sonnenschein und sternenklarer Nacht, vorher Schnee. Postkartenbedingungen. Es empfiehlt sich tagsüber also zu genießen, was Innsbruck und Umgebung so zu bieten haben: Etwa eine Runde Rodeln auf der Muttereralm (das Freizeitticket ist gültig). Weil die Rodelstrecke abends nicht beleuchtet ist, haben Bahn und Bergstation bis zwei Uhr nachts Betrieb.

Man kann oben also auch einfach in heimeliger Atmosphäre “zuakehr’n und g’miatlich verhock’n” (ankommen und entspannt sitzenbleiben). Alternativ hat auf der anderen Alpenseite über Innsbruck auch die Arzler Alm (1.067m) seit dem 29.12. wieder bis abends für einen kulinarisch besonders köstlichen Jahresausklang geöffnet. Der Aufstieg ist für Einheimische etwa eine Stunde Spaziergang und direkt ab Innsbruck mit festem Schuhwerk möglich – Stirnlampen sind ab Einbruch der Dunkelheit allerdings selbst mitzubringen.

The Final Countdown

Um das Jahr feierlich runter zu zählen, wird das Herzog Otto-Ufer am Nachmittag des letzten Tages großflächig abgesperrt. Am Vorabend wird das Silvesterspektakel sowohl auf der Seegrube  (ab 12:00 Uhr, Freizeitticket gültig) als auch am Innufer (ab 14:00 Uhr) kinderfreundlich geprobt: Zwergerlsilvester (30.12.) heißt das so schön. Vermehrt werden hier auch erwachsenere Zwerge anzutreffen sein, denn für die spektakuläre neue Inns’zenierung an der Uferpromenade werden am Silvesterabend selbst zahlreiche Zuschauer erwartet. Über Zwerge schaut man da schon vergleichsweise leichter drüber. Bevor an Silvester dann der letzte Countdown zum traditionellen Donauwalzer startet, feiern Dixie Brass in der historischen Altstadt von 11:30 bis 14:00 Uhr ein stimmungsvolles Open Air Brass-Brunch (aka Frühschoppen) mit bes(ch)wingter Blasmusik. Im Anschluss kann man dort beim 19. Innsbrucker Silvesterlauf mitfiebern, noch allerletzte Besorgungen für die Feiertage tätigen. Oder in nächster Umgebung eine zünftige Unterlage für die Abendstunden zu sich nehmen.

Patscherkofel

Blick vom Hausberg Patscherkofel auf Innsbruck.

Wer die Feierlichkeiten doch lieber abseits der beliebten Brennpunkte verbringt, fährt abends zum Hausberg, dem Patscherkofel. Im Hausberg-Restaurant an der Talstation wird (nach vorheriger Anmeldung unter +43 5702 10 500 oder office@patscherkofel-gastro.at) ab 19:00 Uhr ein 5-gängiges Wahlmenü mit eigenem Feuerwerk aufgetragen. Alternativ wählt man die Patscherkofelbahn (nur streng limitiertes Kartenkontingent bis 21:00 Uhr an der Abendkasse) zum Schutzhaus (Reservierung unter +43 512 37 71 96 oder info@schutzhaus-patscherkofel.at). Oder zum Restaurant Das Kofel (Reservierung unter +43 5702 10 501 oder office@patscherkofel-gastro.at) und genießt den Jahreswechsel à la Carte, mit Live-Musik (Cherry Bomb) und von ganz oben (1.395m).

INNS’zenierung: Es werde Licht

Molybdomantie ist ein tolles Wort für Bleigießen und mittlerweile so aus der Mode gekommen wie der Brauch selbst. Auch fossiles Feuerwerk ist in Innsbruck nun erstmals Schnee von gestern. Denn für Umwelt, Wildbestand, Haustiere und Nachhaltigkeit verzichtet die Tiroler Hauptstadt im Tal auf Sprengmittel jedweder Art. In anspruchsvoller Pionierarbeit wurde mit den Tiroler Lichtmeistern der Firma Bartenbach stattdessen ein beispielloses Lichtspektakel entwickelt, das den Inn und sein Wasser ins Zentrum rückt – Inns’zeniert eben. (Tipp: Als kleines Lichtkunst-Vorspiel setzt um 17:30 und 18:30 Uhr ein Stückchen weiter die “Lightshow Mount Magic” die Innsbrucker Hofburg in Szene. Karten gibt’s vor dem Haus der Musik.)

Ab 22:00 Uhr starten die offiziellen Feierlichkeiten am Innufer, alle Shuttlebusse sind kostenfrei, Pyrotechnik ist streng verboten. Pünktlich um Mitternacht zündet dann das Bergsilvester-Feuerwerk auf der Seegrube, direkt im Anschluss kommt das fulminante Lichtgewitter am Innufer zu seinem Höhepunkt. Im Dreivierteltakt trägt einen der Donauwalzer dann weiter in die 500 Jahre alten Arkaden der Innsbrucker Dogana – zum offiziellen “Silvester Beats” After-Clubbing. Alternativ lässt man sich  einfach von der Menge treiben, irgendwo kommt man immer an, denn in Innsbruck wird zu Silvester gern gefeiert bis die Sonne kommt.

Morgensymphonie

Am nächsten Tag trifft man sich dann mehr oder minder ausgeschlafen in der Altstadt wieder. Denn am goldenen Dachl wird das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker via Leinwand ab 11:15 Uhr live übertragen. Wer den Donauwalzer am Vorabend verpasst hat, kann ihn hier also nachholen. Wer keine*n Partner*In mitbringt, bittet elegant den/die Nachbar*In um ein Tänzchen und wünscht von Herzen “A Guats Neis!”.