„Wir hören Vinyl!“ – Für Generationen von Musikliebhabern ist es ein bekanntes Ritual: das Öffnen der Hülle, das vorsichtige Herausziehen der Platte, diese kurz wenden, eventuell Staubpartikel wegpusten, die Platte auf den Plattenteller legen, die Nadelspitze des Tonabnehmers vorsichtig in der ersten Rille platzieren – und dann purer Hörgenuss.
Als die Compact Disc kam, schien Vinyl erledigt. Doch die schwarze Scheibe überlebt bis heute, gilt vielen Puristen als der wahre Musikträger, der einzig wahre.

Gesichter der Zeit

Cover gaben und geben den Platten ihr individuelles Gesicht. Sie erzählen von Moden, Design und Haltungen. Sie sind „visuelle Kommentare zur Musik und ihrer Zeit“, wie die Ausstellung „Wir hören Vinyl. Das Schöne an der schwarzen Scheibe“ zeigt.

Manche Plattencover sind zu Ikonen geworden, untrennbar verbunden mit der Musik, den Musikern.

Zusammengestellt wurde sie vom Haller Musikexperten Manfred Lackmaier in Kooperation mit dem Audioversum. Die Schau bietet eine Zeitreise von der Entstehung über den Niedergang bis zum Revival der schwarzen Scheibe.
Besonders praktisch, zur Eintrittskarte gibt es einen Audioguide to go, eine Karte mit QR-Code. Dieser wird mit dem Smartphone gescannt. So lassen sich die Begleittexte zu den einzelnen Kapiteln der Ausstellung mit dem eigenen Smartphone „hören“.

Mit der Eintrittskarte gibt’s einen Audioguide to go. Mit dem Smartphone den QR-Code scannen und los geht’s.

Puristen schwören auf Vinyl

Ursprünglich bestanden Schallplatten aus Schellack, 1931 kam die erste Platte aus Vinyl auf den Markt. Es sollte aber noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis die Langspielplatte zum großen kommerziellen Erfolg avancierte.
Zunächst ließen sich nämlich nur kurze Stücke auf einer Platte „speichern“. Längere mussten auf mehrere Platten aufgeteilt werden und kamen in einer buchartigen Verpackung auf den Markt. Aus dieser Zeit hat sich der Begriff Album erhalten.

Covergestaltungen spiegeln Moden, Zeitgeist, Haltung und geben dem Inhalt ein individuelles Gesicht.

Mit den Langspielplatten änderte sich das radikal. Dem Erfolg dieses langlebigen und klangintensiven Wiedergabemediums stand nichts mehr im Wege. Erst die CD sollte diesen ausbremsen. Mitte der 1990er-Jahre waren bereits doppelt so viele CD auf dem Markt, wie LP verkauft wurden. Mit der DJ-Kultur erlebten Schallplatten ein Comeback. Zahlreiche Musiker und Musikpuristen schwören bis heute auf Vinyl.

Das Cover wird Kunst

Auf den Covers spiegeln sich Moden und Zeitgeist. Die Hüllen visualisieren den Inhalt, sind Blickfang, oft Kunstwerk. Manche gelten als echte Ikonen. Quer durch die Jahrzehnte lässt sich das in der Ausstellung ablesen – Blicke in die persönliche Musikgeschichte eingeschlossen.

Für Columbia Records designte Alex Steinweiss die erste Plattenhülle – mit stilisierten Rillen (oben links).

Mit Alex Steinweiss beginnt 1939 die Coverkunst. Bis dahin waren Platten in farblosen „Grabsteinen“, in grauen Pappdeckeln verkauft worden. Der junge Grafiker hat die Idee, diese zu gestalten und löst damit eine Revolution aus. Er arbeitet mit Grafiken, kaum Fotos und lässt sich von Künstlern wie Mondrian und Klee inspirieren. Händische Schriftzeichen sind sein Markenzeichen.

Der Siegeszug der LP

Mit dem Siegeszug der Langspielplatte rückt die Covergestaltung immer stärker in den Mittelpunkt der Vermarktung, zumal nun auch Singleauskoppelungen den Absatz ankurbeln. Zur Legende werden etwa das zweite Studioalbum von Elvis Presley, das einen geklonten Elvis in Gold zeigt, oder das White Album der Beatles. Die halluzinogenen Drogen, die in den 1960er-Jahren in Mode kommen, spiegeln sich auf Plattencovern etwa bei Jimi Hendrix oder den Rolling Stones. In den 1970er bestimmen Glitterrock und erotische Fotografien zahlreiche Musikwerke, zeigt sich die zunehmende Vielfalt in der Szene auch im Design der Hüllen.

Thematisiert auch Musiker, die Hüllen selbst künstlerisch gestalteten und Beispiele aus dem Bereich „Worst Covers“.

Von Punkrock bis Sternchen

1981 startet der Musiksender MTV und sorgt für enorme Breitenwirkung. Die Musikbranche wird zum Milliardengeschäft. Stars werden geboren, gepusht und verglühen oft sehr schnell wieder. Von Rock bis Punkrock, die Musik klingt eingängiger, massenkompatibler.

Im Bildvordergrund der Vinylograph der Wiener Künstler Natascha Muhic und Christoph Freidhöfer

Bands wie Talking Heads oder The Police, Solokünstler wie Prince oder Grace Jones erreichen ein Millionenpublikum. Die 1982 entwickelte CD verändert den Markt nachhaltig. Doch die Covergestaltung bleibt ein wesentliches Instrumentarium, um den Inhalt sichtbar zu machen.

Ikonen und Kunst

Musikalische Ikonen kommen auf den Markt, untrennbar verwoben mit dem Cover: 1991 etwa Nirvanas „Nevermind“ oder „Metallica“ der gleichnamigen Band, auch als Black Album bezeichnet. Für das Cover von „Load“ verwenden letztere ein Kunstwerk von Andres Serrano: „Blood and Semen III“, Rinderblut mit dem Ejakulat des Künstlers unter Glas gepresst.

Künstler als Gestalter heranzuziehen, Kunstwerke auf Hüllen zu reproduzieren ist in allen musikalischen Genres zu finden. In der Ausstellung werden wichtige Künstler und ihre Cover-Designs gezeigt, Andy Warhol zum Beispiel oder Banksy, Gerhard Richter oder Stefan Sagmeister. Einige Musiker verwendeten auch eigene künstlerische Arbeiten.

Nicht fehlen darf natürlich eine Jukebox. Die Rockola 24 „Princess Royal“ stammt aus dem Jahr 1964.

Worst case und Workshop

Nicht fehlen dürfen in einer Ausstellung über Vinyl natürlich die „Worst Album Covers“ – sehr amüsant. Nicht fehlen darf natürlich auch ein Wurlitzer – Nostalgie pur. Wer noch an einem DJ-Workshop teilnehmen möchte: Am 15. Jänner 2021 bietet sich die Gelegenheit, Infos hier.

Wir hören Vinyl. Das Schöne an der schwarzen Scheibe
Sonderausstellung bis Juli 2021
Audioversum Science Center
Wilhelm-Greil-Straße 23
6020 Innsbruck
Tel. +43 5 778899
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www.audioversum.at
Aktuelle Öffnungszeiten sowie die Vorsichtsmaßnahmen zur Corona-Prävention gibt es unter www.audioversum.at
Sämtliche Ausstellungstermine in Innsbruck finden sich unter www.innsbruck.info

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler