Soeben ist Monika Maslowskas Büchlein „Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“ erschienen. Es vereint Kürzestgeschichten und zauberhafte Bilder. Wärmste vorweihnachtliche Empfehlung.

An der Atelierwand hängen einige der Original-Zeichnungen zum Buch.

Lange hatte Monika Maslowska ihr Atelier in Pradl, also jenem Stadtteil in Innsbruck, in dem ich wohne. Fast täglich spazierte ich daran vorbei. Dann zog sie um und schnell vorbeischauen ging nicht mehr. Maslowska ist Illustratorin und Grafikerin. Ich fand und finde ihre Arbeiten toll. Schon einmal habe ich einen Blogbeitrag über sie geschrieben, wäre ihr Atelier doch für meine „111 Orte in Tirol, die man gesehen haben muss“ vorgesehen gewesen.

Mittlerweile nenne ich drei ihrer Kunstdrucke mein Eigen und habe einige verschenkt. Seit kurzem bin ich Besitzerin ihres Buches „Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“, das im Innsbrucker Limbus Verlag in der Reihe Limbus Preziosen erschienen ist. Das Büchlein ist ein echtes Kleinod: Geschichten, selten länger als ein Satz, die die Fantasie beflügeln, dazu feine Illustrationen, die einen bezaubern. Grund genug, Monika Maslowska zu besuchen.

„Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“, erschienen in der Reihe Limbus Preziosen.

Eine ganze Welt

Wir sitzen in ihrem Atelier, es ist hell und freundlich. Auf dem Zeichentisch am Fenster finden sich alle Utensilien, die eine Illustratorin braucht. An den Wänden hängen Maslowskas Bilder, die Sitzecke ist gemütlich. Der frisch gebrühte Kaffee duftet himmlisch.

Kürzestprosa fasziniere sie, sagt Monika Maslowska, und erzählt von Ernest Hemingway, der eine Geschichte mit nur neun Wörtern geschrieben hat. In Hemingways Text – For sale: baby shoes, never worn. (Zu verkaufen: Babyschuhe, nie getragen) – stecke eine ganze Welt!

Plaudern über „Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“

Vier Jahre hat Maslowska Bildgedichte für ihr Buch gesammelt, manchmal war erst der Text da, dann entstand das Bild, manchmal umgekehrt. Inspiration brachten ihr zufällige Begegnungen, Aufträge, plötzliche Gedanken und Erlebnisse mit Freunden und Bekannten.

Poesie in Wort und Bild

Reduktion sei ihr wichtig, sagt sie. Nur das Notwendige sagen, alles andere weglassen: Viele Geschichten funktionieren nicht ohne Bild, aber Bilder funktionieren auch ohne Text. Es ging ihr darum, beides zu verbinden. Konsequent hat Maslowska die Bilder in schwarz-weiß gehalten. So poetisch wie ihre Text-Bild-Arbeiten ist auch der Titel des Buches – geht auf eine Idee einer Freundin zurück. Bei der Frage nach der Lieblingsgeschichte, überlegt Monika Maslowska lange. „Es sind immer wieder andere, das hängt von der Situation ab, von der Stimmung.“

Diese beiden Sekundengeschichten haben mich besonders angesprochen.

Feine Zwischentöne

Besonders wertvoll sind ihr die, in denen sie jene kleinen Momente einfängt, die uns oft gar nicht so bewusst werden: ein flüchtiger Blickkontakt, eine kurze Berührung, ein spontanes Lächeln, ein Geistesblitz. Solche feinen, zarten Momente faszinieren Monika Maslowska: 60 solcher Momente teilt sie nun mit uns. Sie sind poetisch, hintergründig und humorvoll. Sie erzählen von mutigen Schritten, von zufälligen Ereignissen und kleinen, großen Entscheidungen:
„Lila wusste immer genau, was sie wollte, aber in dem Augenblick zögerte sie.“ – Und das Bild eines Mädchens in einem schaukelnden Boot das nach einem Stern greift.

Die Illustratorin Monika Maslowska am Zeichentisch in ihrem Atelier

„Das Glück ist ein Luftballon.“ – Und ein Mädchen im Blumenkleid, das durch die Luft zu gleiten scheint. „Lotta schnitt die Zeit in dünne Scheiben – ein Carpaccio aus Erinnerungen – und schleckte den Teller ab. Molto langsam.“ – Dazu das Bild einer alten Frau im Schaukelstuhl, an der Wand Fotografien ihrer Lieben.

Geben Zitronenfalter saure Küsse? – Text/Bild: © Monika Maslowska

Bezaubernde Sekunden

Enthalten sind im Büchlein auch jene zwei Motive, die mich besonders angesprochen haben, und die ich daher als Kunstdrucke bei mir daheim habe. „Oskar sammelte Wörter, die sich im Mund gut anfühlten.“ – trifft mich als Autorin, Journalistin und Sprachverliebte. „Plötzlich spürte Anna einen Hauch von Wärme“ – geht direkt ins Herz. Immer wieder blättere ich in „Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“, entdecke eine Sekundengeschichte neu, anders.

Wer sich mit den Illustrationen von Monika Maslowska befasst, kann gar nicht anders, als ihre Sekundengeschichten ins Herz zu schließen. „Winterrot. Sechzig Sekundengeschichten für eine Minute“ kann ich daher nur wärmstens empfehlen.

Der Wecker läutete umsonst. – Text/Bild: © Monika Maslowska

Monika Maslowska – Atelier für Illustration und Gestaltung
Atelierbesuch nach Vereinbarung
www.monikamaslowska.com
Mail: illustration@monikamaslowska.com
Tel.: +43 650 862 4947

Zu den Innsbrucker Buchhandlungen gibt es weitere Infos auf www.innsbruck.info

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler