Auf der „Hohen Birga“ kann man sich ein Bild davon machen, wie die Menschen in Tirol vor 2.000 Jahren gelebt haben. Neue Audioguides liefern jetzt auch den richtigen Ton.

Student Jonas war im Sommer bei den Grabungsarbeiten mit dabei.

Student Jonas war im Sommer bei den Grabungsarbeiten mit dabei.

Die Ausgrabungen und das Rätermuseum im gemütlichen Dörfchen Birgitz bereiten ein hochinteressantes Stück Tiroler Geschichte auf. Das aber ganz und gar nicht trocken ist, wie man vielleicht vermuten könnte. Auch ich bin überrascht, wie lebendig die einstige Kultur der Räter hier dargestellt ist.

Zeitreise

Museumsleiterin Annegret nimmt mich beim Rätermuseum im Dorfzentrum in Empfang. „Auf einen Besuch hier sollte man keinesfalls verzichten“, sagt die promovierte Ethnologin. Sie weiß, dass viele nur die Ausgrabungen auf dem nahen Hügel in Augenschein nehmen.

Superfunde

Dabei sind es eigentlich erst die im Museum ausgestellten Stücke, die das Bild abrunden, das wir später vor Ort bekommen werden. Größere und teils auch winzig kleine Exponate reihen sich in Vitrinen fein sortiert aneinander. Werkzeuge, Schmuck, Gefäße aller Art und anderes mehr sind zu sehen.

Isabella beseitigt das Erdreich.

Isabella beseitigt das Erdreich.

Hochkultur

Beeindruckend, was in der Eisenzeit schon alles angefertigt wurde! Wie geschickt und clever die Menschen damals schon waren. Sie haben sogar Glas hergestellt! „Die Räter waren ja auch am Rande einer Hochzivilisation mit Sprache und Schrift“, erklärt Annegret.

Ideal auch für Kinder

Damit es für Kinder und Erwachsene nicht langweilig wird, kann man im Museum zudem einen Film ansehen. Sogar ein Mühlstein aus der damaligen Zeit lädt dazu ein, Hand anzulegen und es kann auf 2.000 Jahre alte Weise gerechnet werden.

Für Museumsleiterin Annegret ist ihre Aufgabe ein Traum. Die promovierte Ethnologin hat im Nebenfach Ur- und Frühgeschichte studiert und freut sich, ihr Wissen jetzt im Verein und für die Gemeinde einbringen zu können.

Für Museumsleiterin Annegret ist ihre Aufgabe ein Traum. Die promovierte Ethnologin hat im Nebenfach Ur- und Frühgeschichte studiert und freut sich, ihr Wissen jetzt im Verein und für die Gemeinde einbringen zu können.

Gegraben wird laufend. Die Funde werden auf der Uni Innsbruck erfasst und kommen später ins Rätermuseum in Birgitz.

Gegraben wird laufend. Die Funde werden an der Uni Innsbruck erfasst und kommen später ins Rätermuseum in Birgitz.

Im Museum gibt es viele Details zu entdecken. Annegret und ihre Kollegen vom Verein „Archäotop Hohe Birga“ bieten auf Anfrage auch Führungen an.

Im Museum gibt es viele Details zu entdecken. Annegret und ihre Kollegen vom Verein „Archäotop Hohe Birga“ bieten auf Anfrage auch Führungen an.

Einen kurzen Fußmarsch entfernt stehen wir dann vor dem Hügel, der das Herz von Archäologen höher schlagen lässt. Auf der Hohen Birga sind inzwischen zahlreiche Gebäude freigelegt. Einige wurden mittlerweile sogar teilweise rekonstruiert. Perfekt also, um in den Alltag der Menschen der Eisenzeit einzutauchen.

Zwölf Häuser sind bisher ausgegraben. Einige weitere schlummern noch am bzw. im Hügel.

Zwölf Häuser sind bisher ausgegraben. Einige weitere schlummern noch am und im Hügel.

Bei Haus Nummer sechs wurde ein eisenzeitliches Schloss rekonstruiert. Ich konnte es kaum öffnen, so ausgefeilt war die Technik schon damals.

Bei Haus Nummer sechs wurde ein eisenzeitliches Schloss rekonstruiert. Ich konnte es kaum öffnen, so ausgefeilt war die Technik schon damals.

Wie haben sie gelebt? Wo haben sie gelebt? Was wissen wir über die damalige Landwirtschaft und Viehzucht sowie den Handel? Auf solche Fragen gibt es Antworten über einen neuen, kostenlosen Audioguide.

Audioguide liefert Antworten

Die Ausgrabungsstätte selbst ist ebenfalls frei zugänglich. Daher entschied sich der engagierte Verein „Archäotop Hohe Birga“ für diese moderne Variante der Wissensvermittlung.

Kopfhörersymbole, Zahlen, Kapitel – der Audioguide ist kostenlos, einfach zu bedienen und vermittelt jede Menge wissenswerte Details.

Kopfhörersymbole, Zahlen, Kapitel – der Audioguide ist kostenlos, einfach zu bedienen und vermittelt viele wissenswerte Details.

Dank App auf dem Smartphone top informiert. So einfach ist besichtigen heute auch auf der Hohen Birga.

Dank App auf dem Smartphone top informiert. So einfach ist besichtigen mittlerweile auch auf der Hohen Birga.

Über einen einfachen Pfad geht es in den Wald hinein. Gleich zu Beginn unseres Rundgangs stoßen wir auf eine Gruppe vom Institut für Archäologien an der Uni Innsbruck.

Forschungen, Grabungen, Rekonstruktion

Ausgrabungsleiter Florian Müller ist wie jeden Sommer mit Studenten vor Ort, um die Grabungen fortzuführen. „Eisenzeitliche Siedlungen in der Größe sind in Tirol selten“, unterstreicht er die Bedeutung der Hohen Birga. Dass er auch nach vielen Jahren noch begeistert am Werk ist, ist ihm anzumerken.

Pickeln, schaufeln, Schubkarren fahren und zu guter Letzt natürlich pinseln. Die Studenten des Instituts für Archäologien der Uni Innsbruck unter der Leitung von Florian Müller (Bild) haben viel zu tun.

Pickeln, schaufeln, Schubkarren fahren und zu guter Letzt natürlich pinseln. Die Studenten des Instituts für Archäologien der Uni Innsbruck unter der Leitung von Florian Müller (im Bild) haben viel zu tun.

Lucia bei der Feinarbeit.

Lucia bei der Feinarbeit.

Die freigelegten Mauern der Häuser sind klar zu erkennen. Freilich musste dafür erst so manche Tonne Erdreich weichen. Im Laufe der Zeit war das Areal nahe Innsbruck natürlich wild zugewuchert.

Jahrzehntelange Arbeit

Seit der Wiederentdeckung der Rätersiedlung in den 1930ern hat sich aber allerhand getan. Was bisher zum Vorschein kam, lässt mich staunen. Mehrere Gebäude geben Einblick in längst vergangene Tage. Der Audioguide vermittelt die dazugehörigen Infos. Und zwar in Dialogform, sodass das Ganze pfiffiger daherkommt.

Tolle Kooperation

Als wir unseren Spaziergang fortsetzen, berichtet mir Annegret noch, dass neben dem lokalen Verein „Archäotop Hohe Birga“ sowohl die Gemeinde Birgitz als auch Feuerwehr und etliche Freiwillige mithelfen, den „Betrieb“ am Laufen zu halten. Da spielt also auch eine ordentliche Portion Herzblut mit.

Tamara dokumentiert akribisch jedes gefundene Stück.

Tamara dokumentiert akribisch jedes gefundene Stück.

Ebenfalls im Einsatz, wenn auch auf andere Art: Die Mitarbeiter der Gemeinde Birgitz, der das Areal gehört.

Ebenfalls im Einsatz, wenn auch auf andere Art: Die Mitarbeiter der Gemeinde Birgitz, der das Areal gehört.

Mir gefällt’s! Wenn auch du einen schönen Ausflug mit spannender Tiroler Geschichte verbinden willst, kann ich dir einen Besuch auf der „Hohen Birga“ in Birgitz wärmstens empfehlen. Für die Aktiveren unter euch noch ein Tipp am Rande: Von Völs aus kann man wunderschön zum Schauplatz des Geschehens wandern.

Einen Blogbeitrag zum Thema Räter in Tirol hat auch mein lieber Kollege Werner Kräutler verfasst.

Text und Fotos: Tamara Kainz