„Mamaaa, wie lange muss ich noch schlafen, bis das Christkind kommt?“ Diesen Satz kennen alle Eltern. Ich finde zwar, die Tage bis Weihnachten vergehen wie im Flug. War nicht gerade erst Martinsumzug? Und schon stecken wir mitten im Advent. Aber ich glaube, wir Eltern haben da ein anderes Zeitgefühl als unsere Kinder. Es gibt noch so viel zu erledigen bis Heiligabend, da fliegen die Tage nur so an mir vorbei. Im Gegensatz zu meinem Sohn, dem kann es nicht schnell genug gehen. Um ihm das Warten zu erleichtern, fahren wir natürlich das klassische Advent-Programm auf: Besuche auf dem Christkindlmarkt (in Innsbruck hat man da viel Auswahl), gemeinsames Kekse backen und Basteln.

Dieses Jahr habe ich aber noch ein besonderes Ass im Ärmel, denn mein Großer zählt nun schon vier Jahre und ist somit alt genug fürs Theater. In Innsbruck gibt es in der Vorweihnachtszeit ein paar entzückende Stücke für die ganze Familie und ich möchte euch im Folgenden zwei meiner liebsten vorstellen.

Murr im Landesjugendtheater

Wer kennt ihn nicht, den gestiefelten Kater? Auch wenn mir meine Mama das Märchen ganz bestimmt schon als kleines Kind vorgelesen hatte, konnte ich mich an die Geschichte kaum noch erinnern. Vor Augen hatte ich nur den gestiefelten Kater aus dem Film Shrek. Seit mein Sohn und ich im Landesjugendtheater gewesen sind und dort das Stück „Der gestiefelte Kater“ angesehen haben, kenne ich zum einen die Geschichte wieder und zum anderen bin ich nun ein großer Fan des Katers Murr. An Keckheit steht der seinem Filmkollegen nämlich um gar nichts nach.

Der gestiefelte Kater

Murr, der gestiefelte Kater, kommt mit List und Tücke zum Ziel ©Landesjugendtheater

Die Geschichte vom gestiefeltem Kater

Als der Vater des Müllerburschen Jean Pierre stirbt, hinterlässt er ihm nur den Kater Murr. Jean Pierre ist enttäuscht. Seine Brüder steigen um einiges besser aus. Zumindest dem ersten Anschein nach, denn Murr entpuppt sich als echter Glücksgriff. Er hilft seinem Herrn, die wunderschöne Prinzessin Madeleine zur Frau zu gewinnen und ganz nebenbei besiegt er auch noch den bösen Zauberer mit einer List. All das erledigt Murr natürlich gut gekleidet in seinen schicken Stiefeln, die er ebenfalls nur durch einen Trick ergaunert hat.

Mein Großer ist zwar ein vorwitziges Kerlchen, bekommt aber doch recht schnell Angst. Ich war also schon darauf eingestellt, vielleicht nicht das ganze Stück anschauen zu können und bei der einen oder anderen Szene vor die Tür zu flitzen. Aber nichts da, er war ganz mutig und hat sich nur ab und zu auf meinen Schoß gekuschelt. Selbst vor dem Zauberer hatte er keine allzu große Angst und der war schon ziemlich imposant.

böser Zauberer aus "der gestiefelte Kater"

Wer fürchtet sich vorm bösen Zauberer? ©Landesjugendtheater

Ich hätte durchaus verstanden, wenn er sich da gefürchtet hätte. Allen Kindern, die Märchen und das Theater mögen, die es toll finden, wenn gesungen und getanzt wird, kann ich das Stück „Der gestiefelte Kater“ am Landesjugendtheater wärmstens empfehlen.

Aufführung von "der gestiefelte Kater" im Landesjugendtheaters

Es wird auch richtig viel gesungen und getanzt. ©Landesjugendtheaters

Über ein Vierteljahrhundert Unterhaltung

Ich persönlich war heuer das erste Mal im Landesjugendtheater. Allerdings hätte ich bereits in meiner eigenen Kindheit die Gelegenheit dazu gehabt, denn über ein Vierteljahrhundert ist das Landesjugendtheater schon alt. Gegründet wurde es 1993 von Prof. Volkmar Seeböck und seinem Team. Bis 2008 war die Galerie in der Messehalle Austragungsort. Heute dürfen sich große und kleine Theaterliebhaber in der Josef-Wilberger-Straße über viele tolle, spannende und lustige Stücke freuen. Was einst eine leere Fabrikhalle war, ist nun ein wunderbares Theater mit ganz eigenem Charme.

Die Leobühne in der Vorweihnachtszeit

Auch die Leobühne ist ein wunderbarer Ort, um sich die Wartezeit auf das Christkind zu verkürzen. Seit 1. Dezember spielt man dort die  „Zwergnase“. Kinder führen in der Vorweihnachtszeit Märchen und Geschichten für Kinder auf; und das sehr erfolgreich. Wer Karten ergattern will, sollte rechtzeitig dran sein. Auch ich musste das letztes Jahr lernen. Dachte ich doch glatt, ich könnte ein paar Tage vor der Vorstellung noch welche reservieren. Ein Irrglaube: Alle Vorstellungen vor Weihnachten waren bereits ausgebucht. Rückblickend gesehen, war das sicher auch gut so, denn ich denke, mein Sohn ist erst jetzt – mit vier Jahren – bereit für einen Theaterbesuch. Komischerweise hatte er vor der Kräuterhexe im Stück „Zwergnase“ mehr Angst als vor dem Zauberer in „Der gestiefelte Kater“. Mich hat das verwundert, denn wie gesagt, die Schauspieler sind Kinder und in meinen Augen nicht sehr beängstigend. Aber das Mädchen, das die hässliche, alte, buckelige Hexe spielt, hat anscheinend einen guten Job gemacht, schließlich soll man sich vor ihr ja auch fürchten.

Jakob und die hässliche Kräuterhexe

Jakob und die hässliche Kräuterhexe © Leobühne

Kleine Schauspieler – große Leistung!

Ich war ohnehin überrascht, wie gut die Kinder spielen. Als Kind bin ich auch gerne auf der Bühne gestanden und habe mich bei Schulaufführungen freiwillig gemeldet. Aber vor so vielen komplett fremden Menschen zu spielen und noch dazu den ganzen Text auswendig zu lernen, davor habe ich großen Respekt, Hut ab!

Die jungen Schauspieler bei der Probe auf der Leobühne

Die jungen Schauspieler bei der Probe © Leobühne

„Grundsätzlich kann jedes interessierte Kind mitspielen. Wenn es schon lesen kann, ist dies ein Vorteil“, erklärt mir Lissy Lang, die Regisseurin, „Die Proben beginnen in der ersten Schulwoche, im Schnitt haben wir 16 Proben zur Verfügung.“ Die Proben haben sich auf jeden Fall gelohnt, die Premiere ist gut geglückt.

zwei aus Mäuse verkleidete Kinder

Schon die Kleinsten stehen auf der Bühne und machen ihre Sache gut © Leobühne

Die Geschichte vom Zwergnase

„Zwergnase“ ist eine nette Geschichte, die ganz nebenbei eine moralische Botschaft hat: Beurteile niemanden nur nach seinem Aussehen.
Jakob ist ein braver Junge, der seiner Mutter am Markt hilft, Gemüse zu verkaufen. Eines Tages kommt eine äußerst unsympathische, hässliche alte Frau vorbei. Sie ist sowohl zu Jakob und seiner Mutter als auch zu den anderen Marktverkäufern unfreundlich.

Zwergnase Marktplatz

Jakob ist eigentlich ein braver Junge, der seiner Mutter hilft. © Leobühne

Jakob ärgert sich über ihr Verhalten und spottet über ihr Aussehen. Das lässt sich die Kräuterhexe natürlich nicht gefallen und lockt ihn mit einer List zu sich nach Hause, wo sie ihn in einen hässlichen Zwerg mit krummer Nase und Buckel verwandelt. Außerdem hält sie ihn noch viele Jahre bei sich zuhause gefangen. Das einzig Gute an den Jahren in Gefangenschaft ist, dass er ganz hervorragend kochen lernt, was ihm später noch von großem Nutzen sein wird. Als er endlich freikommt und nach Hause zurückkehrt, erkennt ihn nicht einmal seine eigene Mutter. Er nimmt einen Job als Koch beim Herzog an, wo er auch die verzauberte Gans Mimi kennen lernt. Das Ende wird natürlich nicht verraten, nur so viel sei gesagt: Es geht gut aus!

An dieser Stelle möchte ich euch und euren Familien eine gesegnete Adventszeit und wunderschöne Weihnachten wünschen. Solltet ihr keine Theaterkarten mehr ergattern, ist das nur halb so schlimm. Erstens wisst ihr es nächstes Jahr besser und reserviert schon im Herbst und zweitens bietet Innsbruck so viele Möglichkeiten, die stille Zeit des Jahres genießen. Anregungen findet ihr hier.

Informationen:

Landesjugendtheater

Adresse: Josef-Wilberger-Straße 15, 6020 Innsbruck
Telefon: 0512 575362
Homepage: landesjugendtheater.at
Vorführung Der gestiefelter Kater:
bis 23. Dezember 2019 täglich um 15:00 Uhr
Verlängerung 9. bis 19. Jänner: Do/Fr/Sa/So

Leobühne

Adresse: Anichstraße 36, 6020 Innsbruck
Homepage: leobuehne.at
Vorführung: den Spielplan gibt’s hier