Vom Alltagsstress getrieben eile ich in die Altstadt zu „Aufg‘horcht in Innsbruck“. Das Event ist Teil des 22. Alpenländischen Volksmusikwettbewerbs, den ich im Artikel über die Stubaier Freitagsmusig bereits angekündigt habe. Die Freitagsmusig ist Organisator des 4-tägigen Spektakels, an dem echte Volksmusikanten zeigen, was sie draufhaben. Die Hektik ist bald verflogen, denn ich werde in Plüsch und Samt gehüllt, als ich die altehrwürdigen Mauern der Stadt betrete, in der sich junge und alte Musiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tummeln – oder wie das Motto sagt: die Stadt erobern. Ich finde gleich wieder meine Ruhe, atme tief durch und mische mich glücklich unter das Musikantenvolk.

Es ist sehr schön, den Musikern zuzusehen, die hier aus Spaß an der Freude mit ihrer Musik gute Laune verschenken. Sie lächeln sich gegenseitig an, wollen nicht mehr aufhören zu spielen und werden getrieben von den vielen Zuschauern, die etwas nicht Alltägliches bestaunen dürfen: echte Volksmusik vor dem Golden Dachl und im Prunkerker des Dachls selbst, neben der Annasäule und in den schmalen versteckten Gassen der Altstadt. Auch das Medieninteresse ist groß: Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist mit Kameras unterwegs, der eine oder andere bekannte Journalist postet auf Facebook, dass er auch hier ist. Mit mir unterwegs ist der Fotograf Thomas Erichsen, eigentlich ein Cutter, aber er ist mit der Stubaier Freitagsmusig befreundet und fängt mit mir die schönsten Szenen ein – unter vollem Einsatz versteht sich.

Aufg‘horcht in Innsbruck

Ich sag ja: Thomas Erichsen und ich waren voll im Einsatz. Weiter unten seht ihr noch den Beweis. Foto: Vil Joda.

Zwischen Tradition + Moderne und trotzdem jung

Echte Volksmusik ist nicht gebürstet und durch die Konserve gegangen, wie die Stücke der volkstümlichen Musik. Zur genaueren Begriffsabgrenzung könnt ihr hier nachlesen. Echte Volksmusik ist auch nicht verstaubt und friedhofsblond. Sie ist jung, modern, und vereint das Alte mit dem Neuen. Bevor ich hier der Heißen-Luft-Rhetorik bezichtigt werde, darf ich das Titelbild auflösen: Die junge Dame und die zwei Herren der Fellner Tanzlmusig zeigen, was ich meine; einen wunderbaren Kontrast von alt und modern, der nicht stärker sein kann: Primark-Taschen + Tracht. Bitte keine Grundsatzdiskussionen über Primark und nein, das Foto ist nicht inszeniert, ich bin ihnen wirklich so begegnet. Die drei sind das Sinnbild für die Volksmusik von heute, die uns in der Stadt bei Aufg‘horcht in Innsbruck präsentiert wird: Sie ist schön, beruhigend, weiß, wo sie hingehört und dennoch: Sie entwickelt sich weiter, weil sie von den Jungen getragen wird.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Die GramArt Musig spielt im Erker des Goldenen Dachls. Foto: Thomas Erichsen.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Vater mit Kindern: Die Knopf-Soatn-Musi aus Obertaufkirchen (Bayern). Foto: Vil Joda.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Die Druck-, Zupf-, und Blasmusig aus Waidhofen an der Ybbs. Foto: Vil Joda.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Der Johanni Gsang aus Oberbayern. Foto: Vil Joda.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Die Andakar-Musi aus dem Wallgau bei Mittenwald. Foto: Vil Joda.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Mitten in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck haben es die drei krachen lassen. Foto: Vil Joda.

Aufg‘horcht in Innsbruck

Hier nochmal die Fellner Tanzlmusi, aber ohne Primark-Taschen 😉 Foto: Vil Joda. 

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

Ihr seht ja, Volksmusik ist Jung und Musik, die ihr mehr als nur einmal hören könnt. Foto: Vil Joda.

Aufg‘horcht in Innsbruck

Die vier beängst.. eh… beeindruckenden Herren sind D´Stommtischsänger aus Brandenberg in Tirol. Foto: Vil Joda.

Aufg‘horcht in Innsbruck

Hier noch die Revanche von Thomas Erichsen, der mich bei der Arbeit eingefangen hat. Foto: Thomas Erichsen.

Am Abend sehen uns Thomas und ich  im Congress Innsbruck wieder und machen da weiter, wo wir mittags aufgehört haben: beim Musik hören und Fotografieren. Highlight ist die Verleihung des Herma Haselsteiner-Preises, der übrigens fast nur jungen Musikern verliehen wurde.

 

Aufg‘horcht in Innsbruck

“Was machst du auf der Bühne,” fragte mich Arno Cincelli, als ich das Bild auf Facebook poste. “Natürlich Fotos für meine Leser!” Foto: Vil Joda

Aufg‘horcht in Innsbruck

Foto: Vil Joda.