Innsbruck besitzt einen magischen Schatz: Riesige Instrumente machen unsere Stadt zu einem hell leuchtenden Stern am europäischen Musikhimmel. Denn Innsbruck ist eine Stadt der Orgeln. Wenig bekannt ist auch, dass es heuer wieder eine Vielzahl von Konzerten in den diversen Kirchen unserer Stadt gibt.

„Die Orgel ist ohne Zweifel das größte, das kühnste und das herrlichste aller von menschlichem Geist erschaffenen Instrumente. Sie ist ein ganzes Orchester, von dem eine geschickte Hand alles verlangen, auf dem sie alles ausführen kann”. So enthusiastisch feierte der französische Poet Honoré de Balzac die Orgel. Das ist nicht überraschend wenn man weiß, dass  er solche Konzerte jederzeit in den gotischen Kathedralen seines Landes hören konnte. Im vergangenen Herbst war es auch mir vergönnt, ein Konzert in der gotischen Kathedrale von Clermont-Ferrand, zu hören. Grandios, unvergesslich, mystisch. 

Die Erkenntnis einer Pilgerfahrt

Ich war ja ursprünglich kein ausgewiesener Orgelfan. Was ich kannte war eine Inschrift auf einem der Grabkreuze am Museumsfriedhof von Kramsach mit Orgelbezug. Sie verheißt wenig Gutes: „Hier ruht Martin Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug“. Zum Orgelschlagen komme ich weiter unten.

Als ich aber 2003 den französischen Jakobsweg bei Le Puy entlang spazierte hatte ich die seltene Möglichkeit, in einem der faszinierendsten romanischen Dome Frankreichs ein Orgelkonzert zu hören. Es war eine Stunde göttlicher Musik. Seither liebe ich die Vielfalt, das Volumen und die bisweilen monumentale Wirkung der ,Königin der Instrumente’.

Was mir damals so imponierte war der Umstand, dass Orgelmusik körperlich spürbar wird. Sie versetzt die Zuhörer quasi in Schwingungen. Wenn der Klang von tausenden von Orgelpfeifen Kathedralen, Kirchen und Kapellen flutet, sitzen diese inmitten des Resonazkastens. Selbst auf Tonträgern ist noch einiges vom Zauber dieser Musik zu hören und zu spüren.

Um meine Behauptung zu belegen empfehle ich den Lesern dieses Blogposts, kurz in die Symphonie Nr. 3, der ‚Orgelsymphonie’ von Camille Saint-Saëns hineinzuhören, wenn die Orgel bei 28:16 einsetzt. Das fährt schon ein…

Das OrgelSPIEL des Osterfestivals

Was ist eigentlich an Orgelmusik attraktiv? Da muss man sich in unseren Breiten doch in Kirchen bemühen. Vielleicht sind Orgelkonzerte deshalb selten überlaufen oder gar ‚ausverkauft? Es muss aber doch an etwas Besonderem liegen, weshalb diese Art von Konzerten immer ihre Zuhörerschaft hat. Ich wollte das am eigenen Leib erkunden und fand mich zu einem Konzert anlässlich der heurigen Fastenzeit im Dom ein. Im Rahmen des Osterfestival Tirol bespielen in der Passionszeit fünf Tiroler Organisten samstags jeweils eine halbe Stunde die Pirchner-Orgel im Dom zu St. Jakob. Eine Konzertreihe, die man zumindest einmal gehört haben sollte. (Die Termine für die heurigen Orgel-Konzerte sind unten eingefügt.)

Am 7. März war Elisabeth Hubmann als Solistin an der Pirchner-Orgel im Dom zu St. Jakob angekündigt. Ich wollte nah am Geschehen sein und habe die rückwärtige Empore des Doms erklommen. Eine zierliche junge Frau trat mir entgegen, ich hatte eigentlich eine eher ältere Dame als Solistin erwartet.

Elisabeth Hubmann an der Pirchnerorgel des Innsbrucker Domes

Elisabeth Hubmann an der Pirchnerorgel des Innsbrucker Domes

 

Eine junge Frau am Weg zu einer großen Karriere

Elisabeth Hubmann stammt aus Hall in Tirol und ist ganze 26 Jahre alt. Die zierliche junge Frau hat bereits drei Studien (!)  absolviert, was an sich schon äußerst bemerkenswert ist. Neben Bachelorstudien in Musik- und Altertumswissenschaft auch ein Orgel-Klavier-Studium am Mozarteum Innsbruck. Studienlehrgänge im Ausland, Publikationen und vor allem Konzertauftritte runden den Ausbildungsweg dieser jungen Frau ab. Höchst interessant ist ihre persönliche “Soundcloud” im Web. Von ihrem jüngsten Auftritt habe ich ein Kurzvideo erstellt, das im Aufmacherbalken dieses Postings zu sehen ist. Es zeigt, dass Orgelspieler durchaus körperlichen Einsatz beim Vortrag an den Tag legen müssen.

Innsbruck, eine ‚Stadt der Orgeln‘

Weshalb aber ist Innsbruck in Fachkreisen eine ‚Stadt der Orgeln‘? Das versuchte ich in einem Gespräch mit Dr. Franz Gratl, dem Kustos der Musiksammlung unseres Landesmuseums Ferdinandeums zu erkunden. Der Herr über 450 antike Musikinstrumente erklärte mir das ganz einfach: „Innsbruck besitzt historische Orgeln wie die Ebert-Orgel in der Hofkirche. Sie ist das drittälteste, bespielbare Instrument der Welt. Eine Vielzahl weiterer Orgeln macht uns für die Fachwelt zu einer Orgelstadt.“ 1558 vollendet und erstmals 1561 im Einsatz ist die Ebert-Orgel, (so benannt nach ihrem Erbauer, dem Ravensburger Orgelmeister Jörg Ebert) allein schon durch ihr Aussehen ein Solitär. Zudem verfügt sie über Flügeltüren, die im Advent und Fastenzeit geschlossen blieben. Damit hörte sich das Instrument leiser an und gemahnte zur Andacht.

Die Ebert Orgel Innsbruck

Die Ebert-Orgel in der Hofkirche. Ihre Restaurierung löste den Knoten. Spätestens seither ist Innsbruck eine europaweit respektierte ‘Orgelstadt’. Bild: wikipeia/Rebecca Müller, Tiroler Landesmuseum

Aber es war vor allem die Restauration der Ebert-Orgel die 1976 ein Fanal dafür war, auch andere historische Orgeln wieder herzustellen. Gratl: „Nun war es klar, dass selbst eine alte Orgel, die über hundert Jahre lang nicht bespielt worden war, aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden kann.“ Zahlreiche Restaurationen folgten. Nicht umsonst ist Innsbruck seit langem ein wichtiges Mitglied der „European Cities of Historic Organ ECHO“. Gemeinsam mit Lissabon, Alkmaar, Fribourg oder Treviso pflegt man in diesen Städten das Musizieren auf der ‚Königin der Instrumente’.

Wenngleich Innsbruck weder über Kathedralen noch über riesige Konzertsäle verfügt, so ist die Stadt seit Jahrhunderten ein Zentrum der Orgelmusik. Neben der Ebert-Orgel sind es die Silberne Orgel in der Hofkirche und vor allem die Orgel des Doms zu St. Jakob und die vielen Orgeln des Stiftes Wilten, die gerne von in- und ausländischen Meistern bespielt werden.

Ebert Orgel, Dom zu St. Jakob in Innsbruck

Die Ebert Orgel im Dom zu St. Jakob in Innsbruck

 

Ein Instrument mit 3.729 Pfeifen und 57 Registern

Erst wenn man direkt unter der Orgel des Innsbrucker Domes steht begreift man die wahren Dimensionen dieses Instrumentes. Sie erscheint – wie viele Orgeln der Barockzeit – in sehr aufwändiger Aufmachung und wird damit zum Teil der barocken Inszenierung des Domes. Unglaublich ist die Zahl der Pfeifen dieser Orgel: Es sind abgezählte 3.729 Pfeifen und 57 Register, mit denen die Tonnuancen verändert werden.

Auch das Alter der Orgel ist nicht ohne. 295 Jahre hat sie auf dem ‘Buckel’. Wobei gesagt werden muss, dass im Jahr 2000 von der Firma Pirchner aus Steinach in Tirol eine rein mechanische Orgel neu eingebaut worden war. Dennoch ist sie eine typische Barockorgel geblieben. Wenn deren tiefe Töne angeschlagen werden kann’s einem schon kalt über den Rücken laufen.

Orgelpedale

Orgelspieler haben’s nicht leicht. Sie spielen mit Händen und Füßen.

 

Apropos “die Orgel schlagen”

Ich konnte die Arbeit der Organistin Elisabeth Hubmann aus nächster Nähe betrachten und ahne jetzt, weshalb von ‚Orgel schlagen‘ die Rede ist. Allein die Betätigung der Fuß-Pedale kommt einem ‘nach unten treten’ gleich, die rhythmische Auf- und Ab-Bewegung des Körpers des Organisten vermittelt den Einruck, er oder sie würde auf die Tasten schlagen. Weit gefehlt, wie wir wissen.

Für Liebhaber des Orgelspiels hier noch einmal die Soundcloud von Elisabeth Hubmann: http://bit.ly/2yJCext 

Termine der Orgel-Konzerte in der Orgelstadt Innsbruck

Einen Überblick über das Konzertprogramm gibt die Broschüre “Orgelstadt Innsbruck”, die digital HIER zum Download bereit steht. Die gedruckte Broschüre ist im 2. Stock des Stadtturmes kostenlos erhältlich.

Konzerte im Dom zu St. Jakob

Jeweils an den Samstagen der Fastenzeit konzertieren ab 11:00 Uhr verschiedene Organisten an der Pirchnerorgel im Rahmen des Osterfestival Tirol. Termine: 14. März, 21. März, 28. März und am 4. April 2020. Eintritt: freiwillige Spende.

Orgelkonzerte in der Adventszeit, jeweils ab 11 Uhr. Termine: 5., 6., 7. und 8. Dezember, 12. Dezember, 19. Dezember 2. und 9. Jänner 2021. Eintritt frei.

Orgelmatineen gegeben von internationalen Organisten im Dom zu St. Jakob jeweils ab 12:15 Uhr. Termine: 29. Juni, 30. Juni, 1. Juli, 2. Juli, 3. Juli, 4. Juli. Eintritt: € 4,50.

Konzerte in der Georgskapelle des Landhauses,  jeweils 17:00 Uhr

Einmal monatlich geben Studierende des Tiroler Landeskonservatoriums aus der Orgelklasse von Michael Schöch in der Kapelle im Innenhof des Landhauses ab 17:00 Uhr ein Konzert. Mit entspannender Musik in den Feierabend. Die Termine: 26. März, 30. April, 28. Mai, 25. Juni, 24. September, 29. Oktober, 27. November und 4. Dezember 2020. Der Eintritt ist frei.

Orgelkonzerte auf der historischen Ebert-Orgel der Hofkirche, jeweils 17:30 Uhr:

13. August, 20. August, 10. September, 17. September, 24. September 2020. Eintritt: € 7.

Orgelmatineen in der Pfarrkirche St. Nikolaus jeweils ab 11:00 Uhr

Studierende der Orgelklasse geben am 15. März, 7. Juni, 25. Oktober und am 29. November in St. Nikolaus Konzerte. Der Eintritt ist frei.

‘Biblische Historien – Musikalische Erzählkunst um 1700’ – in der Pfarrkirche Mariahilf:

26. April, 20:00 Uhr. Eintritt € 19,00/29 ,00; Studenten und Menschen unter 26 Jahren € 7,00, 10 Prozent Ö1-Ermäßigung.

Orgelkonzerte in der Stiftskirche Wilten jeweils ab 20:00 Uhr:

14. Mai, 21. Mai, 28. Mai. Eintritt jeweils € 7.

Orgelkonzerte in der Basilika Wilten jeweils ab 20:30 Uhr:

10. August, 17. August, 24. August, 31, August, 7. September, 14. September 2020. Freiwillige Spenden.

Orgelkonzerte in der Stiftsbasilika Stams, jeweils ab 19:00 Uhr:

30. Mai, 26. Juni, 25. Juli (Eintritt), 8. August, 22. August, 5. September, 27. September,, 30. Oktober 2020. Freiwillige Spenden

Orgelkonzerte in der Pfarrkirche Igls, jeweils 20:30 Uhr:

26. Juli, 2. August 2020. Freiwillige Spenden.