Innsbruck hätte sich in diesem Oktober nicht besser herausputzen können. Die Luft ist klirrend kalt, die Sicht auf die Nordkette gestochen scharf und die Sonne beleuchtet die bunten Blätter so geschickt, dass Lichttechniker vor Neid erblassen würden. Heute geht es für rund 20 Naturfilm Filmemacher jedoch nicht zu einem Drehort oder zu einer Kinopremiere – sondern direkt in die Natur am Hafelekar. Wir sind im Zuge eines kleinen B2B Events des Festivals unterwegs, bei dem ich die bunt durchgemischte Gruppe begleiten darf. Doch bevor ich euch die atemberaubend schöne Herbstlandschaft auf der Nordkette zeige erstmal noch ein paar Background Infos.

20 Jahre International Nature Festival Innsbruck

Für alle, die vom Festival noch nichts gehört haben oder gerade über den Namen rätseln, hole ich kurz aus. Das INF (International Nature Festival) ist eine Fusion des Innsbruck Nature Film Festivals und des Innsbruck Nature Festivals. Filme sind trotzdem nach wie vor der Hauptfokus des Festivals, aber das Programm geht weit über die Vorstellungen im Kinosaal hinaus. Seit 2021 finden die Vorführungen nicht mehr im zu klein gewordenen Leokino, sondern im Metropol Kino statt. Begleitet wurden die 50 Filme, die an vier Tagen gezeigt wurden, von einem Programm namens “Experiences”, welches sich in Vorträge, Workshops, geführte Touren in die Natur, Kinderprogramm und einem kulinarischen Schwerpunkt aufteilte.

Im Mittelpunkt stehen stets die Themen Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Der grüne Faden sozusagen, der sich durch alle Programmpunkte zieht.

johannes Kostenzer 20 jahre festival

Johannes Kostenzer, der Tiroler Landesumweltanwalt, hat das Festival vor 20 Jahren ins Leben gerufen und weiterentwickelt.

Inspiration & Networking

Neu in diesem Jahr ist auch die Teilnahme mehrerer, namhafter Programmmacher und Filmeinkäufer. Das Festival avanciert so vom reinen Filmfestival für Zuseher auch zum B2B Meltingpot für Kreative und Käufer. In lockerer Atmosphäre werden umgesetzte Projekte besprochen und zukünftige Kooperationen zum Leben erweckt.

Die Stimmung ist gut, das gegenseitige Interesse groß und die Spannung auf die Sieger, welche an diesem Abend verkündet werden spürbar. Vor drei Jahren war ich im Zuge des gleichen Festivals übriges ebenfalls auf der Nordkette unterwegs – damals aber mit Uni Professoren. Wer wissen möchte, wie man von Hafelekar Afrika sieht, kann den Artikel hier nachlesen.

Kurzer Fotostop auf der Hungerburg bevor es aufs Hafelekar geht.

Kurzer Fotostop auf der Hungerburg bevor es aufs Hafelekar geht.

Marta Gómez, Alborde Films Bilbao, Jury-Mitglied 2021 im Gespräch mit Mads Ellesøe. ©Lea Hajner

Simon Maurissen (Will you hear us, Belgien) und Riccardo Soriano (Filmemacher Land of Griffons, Italien) ©Lea Hajner

Simon Maurissen (Will you hear us, Belgien) und Riccardo Soriano (Filmemacher Land of Griffons, Italien) ©Lea Hajner

Mit den Karwendel Naturpark Rangern auf der Nordkette

“I’m a city girl!” stellt Juliette Gramaglia lachend fest, als sie vorsichtig über ein Schneefeld steigt. Die Frohnatur ist für Naturfilme für Naturwissenschaften beim deutsch-französischem Fernsehsender ARTE und wechselt, wie einige in der Gruppe, fließend von einer Sprache in die nächste. Die Bergwelt hier auf etwas über 2.000 Metern Seehöhe gehört nicht nur im touristischen Sinne fest zu Innsbruck. Tatsächlich befinden wir uns hier noch auf Innsbrucker Stadtgebiet, welches sich bis zur Möslalm im Karwendel erstreckt. Mit Ausnahmen der Seilbahnen und den umliegenden Flächen, gehört das gesamte Karwendel zum Naturpark Karwendel, seines Zeichens der größte in Österreich.

Die beiden Naturpark Ranger Marina und Sebastian geben uns auf einer kurzen Tour einen kleinen Einblick. Mit mitgebrachten Gegenständen wie einer Adlerkralle, Federn, Größenvergleichen und Büchern bringen sie uns die Tier- und Pflanzenwelt ein Stück näher. Tipp: Das tun die beiden übrigens auch abseits des Naturfestivals bei ihren Touren durch den Naturpark. Das jeweils aktuelle Veranstaltungsprogramm des Naturparks findet ihr online!

Mit der Seilbahn entschweben wir dem Herbst und landen im Winter. ©Lea Hajner.

Mit der Seilbahn entschweben wir dem Herbst und landen im Winter. ©Lea Hajner.

Marina Hausberger und Sebastian Pilloni sind Naturpark Ranger und leiten den Ausflug. ©Lea Hajner

Marina Hausberger und Sebastian Pilloni sind Naturpark Ranger und leiten den Ausflug. ©Lea Hajner

Gämsen Spotting im Swarovski Spektiv und Handy. ©Lea Hajner

Gämsen Spotting im Swarovski Spektiv und Handy. ©Lea Hajner

Eine Adlerfeder und neugierige Dohlenfüße, die mir vor die Kamer gehüpft sind. ©Lea Hajner

Eine Adlerfeder in Händen von Paula Iglesias von Alborde Films aus Bilbao und neugierige Dohlenfüße.

Mit dabei: Swarovski Leihferngläser zum Tiere spotten. ©Lea Hajner

Mit dabei: Swarovski Ferngläser zum Tiere spotten. ©Lea Hajner

Gewinner & Naturfilm Tipps

Am Abend darf ich zum Abschluss noch bei der Award Zeremonie dabei sein. Je mehr Trailer ich sehe, umso mehr ärgere ich mich dieses Jahr aufgrund meines Urlaubs die Filme verpasst zu haben… Wer jetzt auch Lust bekommen hat auf ein paar tolle Natur & Umwelt Filme, die Gewinnerfilme waren:

  • The Loneliest Whale – The Search for 52 Unterwasserwelten aus Hollywood mit Leonard DiCaprio & Adrian Genier als Producer
  • La Vie est dans le Pré (Life after Montsanto) Eine französische Doku über einen Bauern der nach einer Vergiftung auf Bio umstellt
  • Der Wilde Wald Über den bayrischen Nationalwald. Siegerfilm des neu eingeführten Wild Women Awards!
  • Der Wal von Lorino gewann den Christian Berger Preis

Die Filme sind teils online auch zum kostenpflichtigen Streamen auffindbar. Tipp: Den Film “The Campaign Against the Climate” könnt ihr derzeit auf ARTE kostenlos streamen unter dem Namen Klimawandel: Die Macht der Lobbyisten.

Wenn ihr nächstes Jahr auch dabei sein wollt, meldet euch am besten einfach jetzt schon für den Festival Newsletter an – dann verpasst ihr die Veranstaltungsinfos garantiert nicht! Ich jedenfalls freue mich schon auf die Fortsetzung dieses wunderbaren Festivals und vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr ja vor Ort!

Alle Fotos ©Lea Hajner