Den Smiley schon entdeckt, der über dem Eingang des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck prangt? Nein? – Dann wird’s Zeit. Im Volkskunstmuseum läuft derzeit nämlich die Sonderausstellung „Mehr als Worte. Zeichen. Symbole. Sinnbilder“. So viel vorweg: Dieser Smiley über der Eingangstür ist beileibe nicht der einzige, der den Besucher anlacht.

Die Ausstellungsarchitektur greift Symbole und Zeichen auf. Foto: © TLM/Wolfgang Lackner

Die Ausstellungsarchitektur greift Symbole und Zeichen auf. Foto: © TLM/Wolfgang Lackner

Nicht erst seit Dan Browns Bestseller „The Da Vinci Code“ (deutsch: „Sakrileg“) wissen wir: Wer Symbole und Zeichen richtig zu deuten weiß, hat die Nase vorn. Zeichen, Symbole, Sinnbilder begleiten uns, wo wir gehen, wo wir stehen. Bewusst wird uns das oft aber erst, wenn wir sie nicht verstehen. Die kleine Sonderausstellung „Mehr als Worte. Zeichen. Symbole. Sinnbilder“ im Tiroler Volkskunstmuseum geht der Geschichte und den Geschichten von Zeichen, Symbolen und Sinnbildern nach.

Die Sonderschau

Wie immer ist die Sonderausstellung im 2. Stock des Volkskunstmuseums zu finden. Das Museum ist bekanntlich auch sonst jederzeit einen Besuch wert. Denn mit dem Umbau vor einigen Jahren ging eine Neukonzeption des gesamten Ausstellungsbereiches einher. Die reiche volkskulturelle Geschichte des historischen Tirols präsentiert sich seitdem in zeitgemäßerer Art. Mit wunderbaren Objekten aus früheren Tagen – von Trachten bis Haushaltsgeräten, von religiösen Motiven bis Stuben – mit vielen kulturgeschichtlichen Augenweiden.

Die Sonderausstellungen bieten – wenn auch auf kleinem Raum – die Möglichkeit, ein Thema speziell zu beleuchten. Diesmal also Zeichen, Symbole, Sinnbilder. Kaum zu Fuß, oder Kondition schonend mit dem Lift, im 2. Stock angelangt, wird der Besucher förmlich hineingezogen in die Sonderschau. Ein großes Schlüsselloch als Eingang macht neugierig auf das Dahinter; ein großer Schlüssel rechts an der Wand und die Besucher sind mitten drin in der Materie.

Der Eingang zur Sonderausstellung hat die Form eines Schlüssellochs. Foto: © TLM/Wolfgang Lackner

Der Eingang zur Sonderausstellung hat die Form eines Schlüssellochs. Foto: © TLM/Wolfgang Lackner

Der Schlüssel

Denn Schlüssel haben – wir ahnen es schon – nicht nur eine funktionale Aufgabe, sie sind auch symbolträchtig. Und wie. Stadtschlüssel werden überreicht, symbolisch natürlich; bei einem Liebesschloss wird der Schlüssel weggeworfen als Zeichen ewiger Liebe. Der Schlüssel zur Vorratskammer verlieh (und verleiht) dem Besitzer Macht. Für Schlosser wiederum ist der Schlüssel nicht nur Erkennungs-, sondern auch Zunftzeichen, Zeugnis ihrer Kunstfertigkeit sowieso.

Der Großteil der Objekte stammt aus der Sammlung des Tiroler Volkkunstmuseums.

Der Großteil der Objekte stammt aus der Sammlung des Tiroler Volkkunstmuseums.

Der Adler

Übersichtlich gegliedert und mit zahlreichen Objekten illustriert, behandelt die Ausstellung verschiedene Aspekte der Thematik – von magischen und religiösen Sinnbildern, Allegorien und Emblemen über politisch aufgeladene Zeichen bis hin zu Symbolen für die Alpen und Tirol. Wie kaum ein anderes Symbol steht der Adler für Tirol. Seit Anfang des 13. Jahrhunderts führten die Grafen von Tirol ihn als Wappentier, heute ziert er das Wappen des Bundeslandes Tirol sowie von Südtirol und dem Trentino. Zusammen bildeten sie bis zum Ende des 1. Weltkriegs das historische Tirol.

Das Mode-Label "Tiroler Adlerin" interpretiert das Tiroler Wappentier neu.

Das Mode-Label “Tiroler Adlerin” interpretiert das Tiroler Wappentier neu.

Besonders ins Auge sticht in diesem Zusammenhang ein Kleid aus der Kollektion der „Tiroler Adlerin“. Das Modelabel aus dem Zillertal deutet den Adler in eine weibliche Figur um und steht – auch – für das Selbstbewusstsein der modernen Frau. Dass die Umdeutung des Symbols nicht bei allen Ausstellungsbesuchern gut ankommt, ist offensichtlich. Womit wir bei den Smileys wären. Die Besucher können die einzelnen Objekte der Ausstellung nämlich mit Smileys versehen. Gefällt mir, gefällt mir nicht abseits von Facebook sozusagen.

Der Knopf

Nicht das Einzige, was die Besucher neben Staunen und Lesen und Betrachten in „Mehr als Worte“ tun können. Zwei Installationen laden zum Spielen ein. Die erste ist ziemlich leicht: das bekannte Gemälde „Tiroler Landsturm“ von Joseph Anton Koch mit neuen Symbolen versehen. Drückt der Besucher den entsprechenden Knopf, ist auf der Tiroler Fahne zum Beispiel nicht mehr der Adler zu sehen, sondern ein Totenkopf, oder hält Kapuzinerpater Haspinger nicht mehr das Kreuz in der Hand, sondern das Auge der Vorsehung. Ein kleiner Handgriff, schon ändert sich die Aussage des Dargestellten.

Totenkopf statt Adler, "Auge der Vorsehung" statt Kreuz – der "Tiroler Landsturm" erhält neue Aussagen.

Totenkopf statt Adler, “Auge der Vorsehung” statt Kreuz – der “Tiroler Landsturm” erhält neue Aussagen.

Das zweite Spiel ist etwas kniffliger. Wer es schafft, in der vorgegebenen Zeit den dargestellten Symbolen die richtige Bedeutung zuzuordnen, erhält einen Lorbeerkranz auf Kassabon ausgedruckt. Ich gestehe, habe es nicht auf Anhieb hingekriegt. Das Gute ist: Man kann es öfter probieren.
Beobachtet wird man dabei von einem großen munteren Smiley. Er lacht auch noch beim dritten Versuch. Wetten?

Der Smiley begleitet den Besucher durch die ganze Ausstellung.

Der Smiley begleitet den Besucher durch die ganze Ausstellung.

Kuratiert wurde die kleine, aber durchaus inspirierende Sonderschau, die bis zum 8. November 2015 zu sehen ist, übrigens von Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums, und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Horner. Für die übersichtliche und sinnfällige Ausstellungsarchitektur zeichnen Barbara Lanz und Sonja Mitterer verantwortlich

Fotos (falls nicht anders angegeben): © Susanne Gurschler

Tiroler Volkskunstmuseum
Universitätsstraße 2
6020 Innbruck
Tel.: +43 512 59489-510
E-Mail: volkskunstmuseum@tiroler-landesmuseen.at
Weiterführende Informationen unter www.tiroler-landesmuseen.at und unter
www.innsbruck.info.