The best things in life are free – so sagt man. Ganz grundsätzlich ist die Erfahrung ein unbezahlbares Gut. Käuflich ist sie vielerorts dennoch. Wer gerade in jungen Jahren auf ein knappes Budget angewiesen reist, ist dem kostenlosen Eindruck besonders dankbar verbunden. Aus meinem ganz persönlichen Erfahrungsschatz habe ich hier darum ein paar kostenfreie Innsbrucker Goldstücke sortiert, die ich jedem Besucher ans Herz legen möchte.

Landstreicher

Der Vagabund ist ein umtriebiger Geselle. Mittellos schlägt er sich auf Schuster’s Rappen durch Leben und Natur. In Innsbruck lässt die Wanderlust nicht nur ein Landstreicherherz höher schlagen. Hier türmt sich die Natur zu imposanten Bergformationen und lockt den Naturfreund ringsum in die Alpen. Einen kostenlosen Überblick über Stadt, Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten verschafft man sich dann erstmal auf der Adlers Roof Terrace, direkt am Hauptbahnhof. Von unten fährt nur der Lift ganz rechts bis ganz rauf, für oben bringt man am besten eine kostenlose Stadtkarte mit (Tourismus Info-Points oder Reisebüro) und sortiert sich die persönlichen Anlaufpunkte entspannt aus der Adler(s)perspektive.

Sonnenuntergang Nordkette.

Glutrot vergeht die Sonne am Horizont: Augenschmaus Nordkette.

Juwel der Alpen

Von oben ist alles immer irgendwie ein bisschen kleiner. Außer der Nordkette. Das eindrucksvolle Innsbrucker Urgestein türmt sich himmelhoch ins Blickfeld und lockt den Wanderer von Innsbruck ohne Umwege in die Berge. Wege hinauf findet man viele und unterwegs auch den ein oder anderen Brunnen mit frischem Bergquellwasser. Völlig kostenlos gegen den Durst. Die Arzler Alm samt Panoramarundweg und ausgezeichneter Spezialitätenküche (Grillabend!) erreicht man von der Hungerburgstation schon in etwa einer Stunde.

Alternativ ersteigt man den Bergisel auf der gegenüberliegenden Talseite und bewundert die ikonische Skisprungschanze (von Zaha Hadid) mit einem Erinnerungs-Selfie. Von dort eröffnet sich ein weiterer Rundwanderweg durch die Sillschlucht. Weniger Panorama, dafür mehr Natur. Ein bisschen Hippieflair mit Hängematte oder Staudammbauen im Gebirgsgewässer können hier ganz entspannt einen Nachmittag füllen.

Eine willkommene Abkühlung im Sommer verspricht auch der Innsbrucker Baggersee in der Rossau. Ab sechs Uhr Abends ist der Eintritt kostenlos, den Sonnenuntergang gibts inklusive. Wo unterwegs zum Baggersee Inn und Sill aufeinander treffen, kann man gratis auch noch ein bisschen Bouldern. Wer da allerdings die wild-felsige Natur bevorzugt, orientiert sich vom Adlers  Richtung Höttinger Steinbruch oder bezwingt den Klettersteig in der Martinswand bei Zirl. Einheimische Gleichgesinnte lassen sich dort für Tipps, Tricks und rege Fachsimpeleien immer gern antreffen. 

Altstadt Innsbruck mit goldenem Dachl

Die historische Innsbrucker Altstadt mit dem ikonischen Goldenen Dachl.

Sinneswanderung

Erleben muss man Innsbruck mit allen Sinnen. Ein Spaziergang durch die historische Altstadt erzählt unzählige Geschichten, in den vielen kleinen Läden lässt sich traditionelles Kulturgut auch geschmacklich erleben. Speck, Käse, Brot und Spirituosen kann man allerdings noch besser bei den regionalen Bauernmärkten am Marktplatz und Wiltener Platzl, oder in der Innsbrucker Markthalle verköstigen. Wer freundlich fragt, bekommt hier gern ein „g’schmackiges Kosterle“ (köstlicher Probierhappen).

Abschließend laden der Innsbrucker Hofgarten oder die Parkanlagen des Schloss Ambras zum Verdauungsspaziergang – wer lieber rastet, entspannt stattdessen am Inn bei Lagerfeuer und Gitarrenklängen. In der kleinen Bucht westlich vom Flughafen trifft man bei Schönwetter eigentlich immer auf ein paar liebe Menschen, die Reisende für ein paar gemütliche Stunden gern willkommen heißen.

Konzert im Treibhaus

Konzert im Keller des Treibhauses (Foto: Tom Bause, 2011)

The Sound of Music

Auch Tanzbein und Trommelfell werden in Innsbruck schnell kostengünstig fündig. Immer Mittwochs und/oder Freitags bespielt das Bonanza Kollektiv beim Sonnendeck die Innpromenade mit einem elektronischen Sundowner. Hier trifft man in den lauen Abendstunden unzählige Kontaktmöglichkeiten für regen Kulturaustausch. Auch das Innsbrucker Treibhaus (konsumfreie Zone!), das PMK in den Stadtbögen und die Bäckerei Kulturbackstube bieten immer wieder Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden, Poetry Slams und ähnliches Kulturgut zum Nulltarif. Beim jährlichen New Orleans Festival bewegt sich Innsbruck gleich mehrtägig zu internationalen Blues-Rhythmen, die Soul Kitchen bittet dafür immer mittwochs zur Latin-Night mit Salsa, Merengue und Bachata ab 21 Uhr. Anfänger lernen die Tanzschritte beim Selbstversuch ganz einfach vor Ort.

Zirben (Swiss Pine), zirben weg, innsbruck

Die Tiroler Zirbe: Wohlriechend, heilsam und heimisch.

Souvenir

Wer eine Reise tut, der kann erzählen. Fotos und Mitbringsel als Beweismittel untermauern Erfahrungsberichte dabei anschaulich. Wer sich von Innsbruck ein Andenken mitnehmen möchte, findet in der Natur mitunter seltene Steine (Halbedelsteine/Bergkristalle), wohlriechende Tannenzapfen (Zirbe!) und viele Erinnerungen. Bei Shopping auf Flohmärkten am Hafengelände oder  dem Franziskanerplatz findet sich auch gern mal ein historisches Schnäppchen. Wer mit offenen Augen die Welt entdeckt, findet hier oft die schönsten Schätze.

Besonders schön bleibt aber die klassische Postkarte. Kostengünstig aber unbezahlbar, verbindet sie handschriftliche Grüße mit dem nostalgischen Flair des analogen Postweges. So wandelt man sogar auf den Pfaden großer Dichter – auch Goethe schickte auf seinen Reisen durch Tirol regelmäßige Reiseberichte in die deutsche Heimat.

Viel Innsbruck für wenig Geld

Wer sich ein noch umfassenderes Kulturprogramm gönnen möchte, holt sich gleich bei Ankunft die Innsbruck Card. Dieser „Kulturschlüssel“ öffnet in Innsbruck vielerorts sonst kostenpflichtige Türen und Tore: Museen, Sightseeing, Eintrittskarten, Ausstellungen, Leihfahrrad, öffentliche Verkehrsmittel und sogar eine Berg- und Talfahrt mit der Nordkettenbahn (auch von Zaha Hadid) sind inklusive. Erhältlich online und in allen Tourismus Infomationen, am Flughafen, Bahnhof, in diversen Hotels, sowie in der Innsbruck Information am Burggraben und allen Kassen der Innsbrucker Sehenswürdigkeiten. Studenten genießen auch sonst vielerorts Ermäßigungen, fragen hilft, ein entsprechender Ausweis auch.

Allgemein und abschließend lohnt es sich in Innsbruck immer Augen und Ohren offen zu halten. Die Einheimischen sind im Regelfall liebenswert und hilfsbereit. Mit einem freundlichen Lächeln und einer herzhaften Bitte findet man sich schnell zurecht – und nicht selten sogar Freunde. Und die sind ja bekanntlich überall so unbezahlbar wie wertvoll.