Kultur.Werk. Axams, kurz KWA, dahinter stehen Dagmar Grohmann, Claudia Hochreiter und Kornelia Barwick. Seit rund 30 Jahren befreundet, haben die drei vor vielen Jahren Axams zu ihrem Heimatort gemacht. Die Idee, einen Kulturverein zu gründen und spannende Veranstaltungen für Axams und Umgebung zu entwickeln, trieb sie schon länger um, erzählt Dagmar Grohmann.

Die kulturellen Nahversorgerinnen von Kultur.Werk.Axams: Kornelia Barwick, Dagmar Grohmann und Claudia Hochreiter (v.l.n.r.).

Ein Jubilar als Anstoß

Den unmittelbaren Anstoß gab das Karl-Schönherr-Jubiläum 2017. Der Arzt und Schriftsteller, geboren 1867 in Axams, gestorben 1943 in Wien, gilt noch heute als einer der bedeutendsten Tiroler Dramatiker. Er wird an großen wie kleinen Bühnen gespielt, mit besonderer Hingabe natürlich im Volkstheater Axams.
Auf dieser Bühne sollte der Verein mit „Die letzten Tage des Patriarchen“ im Oktober 2017 sozusagen seine Feuertaufe erleben. Bei der szenischen Lesung dabei  Julia Gschnitzer, eine ganz Große des Volkstheaters, zusammen mit den Schauspielern Joseph Holzknecht, Magdalena Zorn und Simon Jetzinger. Siggi Haider begleitete den Abend musikalisch. Idee und Konzept stammten von Grohmann und dem Germanisten Johann Holzner, profunder Kenner Schönherrs.

„Die letzten Tage des Patriarchen“ mit Magdalena Zorn, Simon Jetzinger, Joseph Holzknecht und Julia Gschnitzer (v.l.n.r.): 2017 im Volkstheater Axams. Foto: © Claudia Hochreiter

Vieles selbstgemacht

Die drei Vereinsgründerinnen organisierten nicht nur Kartenvorverkauf, Abendkassa und Bar, sie werkelten bis in die Nachtstunden hinein auch am Bühnenbild. Als Eyecatcher fungierten rot lackierte „Heustiefler“, andernorts in Tirol gern als Heustangger oder -mandln bezeichnet. Seither keine Veranstaltung mehr ohne sie.

Der Schönherr-Abend am 6. und 7. Oktober 2017 schlug ein. Zweimal ausverkauft, hieß 350 Besucher. Die Vereinsgründerinnen freuten sich, die kulturelle Nahversorgungsideen sprudelten weiter.

In der Werkhalle

Dabei zeigen die drei sich nicht nur bei der Programmierung kreativ und vielseitig interessiert: Von Lesungen bis Konzerte, von Open-Air-Kino bis Gastspiele und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche reicht die Palette. Sie suchen auch immer besondere Orte für ihre Events.

Außergewöhnliche Musik in außergewöhnlicher Umgebung: Das Konzert von „Cemplified“ fand in der Tischlerei Mösl statt. Foto: © Claudia Hochreiter

So bespielten im April 2018 die beiden Cellisten Julian Walkner und Peter Polzer („Cemplified“) die Werkhalle der Tischlerei Mösl im Axamer Gewerbegebiet. Das Publikum saß inmitten großer wuchtiger Maschinen und konnte sich bei den dargebotenen Rockklassikern kaum auf den Plätzen halten.
Für das Ein-Personen-Stück „Judas“ von Lot Vekemans erwies sich die Axamer Pfarrkirche als perfekter Aufführungsort. Der Schauspieler Helmut A. Häusler füllte den sakralen Raum mit einer beeindruckenden Performance.

Für die Aufführung des Ein-Personen-Stücks „Judas“ mit Helmut A. Häuser erwies sich die Axamer Pfarrkirche als ideales Ambiente. Foto: © Claudia Hochreiter

Krippenführung

Drei Mal veranstaltete Kultur.Werk.Axams mittlerweile Krippenwanderung durch den Ort. Wie in vielen anderen Tiroler Gemeinden ist auch in Axams der Krippenbau, das Krippenwesen von zentraler Bedeutung. In der Weihnachtszeit werden die Krippen in die Stuben gestellt, dafür oft der halbe Raum verwendet. Die Türen stehen für Interessierte offen. Wahre Schätze und Raritäten kommen da zum Vorschein. So zum Beispiel die Papierkrippe von Sepp Grasl, der eigentlich Josef Happ heißt.
Heuer setzt Kultur.Werk.Axams die Krippenveranstaltung aus. Die Corona-bedingten Einschränkungen bei Veranstaltungen lassen sich in den Stuben nicht umsetzen. An einem neuen Konzept für 2021 wird aber schon gebastelt, wie die drei betonen.

Die Berliner Schauspielerin Bridge Markland gastierte mit „faust in the box“ (im Bild) und „pension schöller in the box“ beim Kultur.Werk.Axams. Foto: © Claudia Hochreiter

Comeback einer Veranstaltung

Den aktuellen Anforderungen angepasst wird die LiteraTour. Ein Format, das Grohmann, Hochreiter und Barwick 2019 mit neuem Leben gefüllt haben, nachdem es fünf Jahre nicht mehr stattgefunden hatte. Die Autorinnen Vea Kaiser, Judith W. Taschler und Doris Knecht lasen an drei verschiedenen Orten: im Restaurant Weiss, in der Axamer Bücherei und im KuHlturstall. Das Publikum wanderte zwischen den Locations.
Das lässt sich in Corona-Zeiten so natürlich nicht durchführen. Daher lesen Valerie Fritsch, Erika Wimmer Mazohl und Raoul Schrott heuer unter dem Motto „drei Autor*innen unter einem Dach“ im Volkstheater. Musikalisch begleitet werden sie von Harald Pröckl. Am 8. Oktober ist es soweit (Infos weiter unten).

Die roten „Heustiefler“ sind Markenzeichen des Vereins. Jede der Vereinsgründerinnen hat auch (mindestens) einen im Garten.

Projekt gelungen

Eine erste Bilanz nach drei Jahren kultureller Nahversorgung für Axams muss natürlich sein. „Wir können sagen, dass es uns zum Teil bereits gelungen ist, das Kultur.Werk.Axams als Plattform für einen gemeindeübergreifenden Dialog zu positionieren. Die roten Heustiefler des KWA sind inzwischen bereits ein Markenzeichen“, so die drei Vereinsgründerinnen. Am Programm für 2021 wird schon fleißig gearbeitet.

Kultur.Werk.Axams
Kontakt: Dagmar Grohmann
dagmar@kultur-werk-axams.at
Tel. +43 676 3571824
www.kultur-werk-axams.at

Lange Nacht der Literatur – drei Autor*innen unter einem Dach
8. Oktober 2020, 19:30 Uhr
Volkstheater Axams
Georg-Bucher-Straße 2a
6094 Axams

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler

Auf Innsbruck.info findet sich ein Veranstaltungkalender mit allen Events in der Region Innsbruck, dazu Infos zu Kultureinrichtungen wie Kultur.Werk.Axams.