Mit der Krippenherberge Wildermieming hat sich Erwin Auer einen Lebenstraum erfüllt. Auf 300 Quadratmetern präsentiert der leidenschaftliche Krippenbauer und –sammler wertvolle Krippen aus unterschiedlichen Epochen und Regionen.

Geburt des Kindes; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren Peter Volgger; Hintergrundmalerei: Wernfried Poschusta

Geburt des Kindes; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren Peter Volgger; Hintergrundmalerei: Wernfried Poschusta

Erwin Auer hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als sich unvermittelt eine Chance auftat. Viele Jahre war der Obmann des Krippenvereins Wildermieming auf der Suche nach Räumlichkeiten gewesen, um seine Krippensammlung zu präsentieren: Krippen aus verschiedenen Ländern, von verschiedenen Künstlern gestaltet, alte und neue – die meisten ziemlich groß.

Mit Lichtkonzept

Im Untergeschoß des Hotels Traube in Affenhausen konnte er seinen Traum schließlich verwirklichen: 300 Quadratmeter Fläche standen zur Verfügung, weil die Besitzer die ursprünglichen Pläne fallen gelassen hatten, eine Kegelbahn einzurichten. Unermüdlich werkte Auer, tatkräftig unterstützt von seiner Lebensgefährtin Hermine und ein paar Gleichgesinnten, um die rund 50 Krippen ansprechend präsentieren zu können.
Einer der Unterstützer war Walter Grach. „Er hat gesagt, ich helfe dir 14 Tage. Geworden sind es zwei Jahre“, schmunzelt Auer. Grach zeichnet nicht nur für einige der stimmungsvollen Krippenhintergründe verantwortlich, er hat auch ein Lichtkonzept für jede Krippe erstellt und die dargestellten Szenen damit im wahrsten Sinne des Wortes ins richtige Licht gerückt.

Zwei Jahre brauchten Erwin Auer und sein Team für die Gestaltung der Krippenherberge Wildermieming

Zwei Jahre brauchten Erwin Auer und sein Team für die Gestaltung der Krippenherberge Wildermieming

Von Meisterhand

Als die Ausstellung im Oktober 2015 endlich eröffnet wurde, machte sich der Krippenverein Wildermieming selbst ein Geschenk: 2015 feiert(e) er nämlich auch sein 50-jähriges Bestehen.
„Jede Krippe hier ist ein Kunstwerk, die Hintergrundmalereien stammen von Meistern ihres Fachs und die filigranen Figuren wurden von echten Könnern gefertigt“, schwärmt Auer. Stolz zeigt er dem Besucher jede einzelne Krippe, nennt die Namen der jeweiligen Hintergrundmaler, der Gestalter, verweist auf die Besonderheiten der Figuren und wer diese geschaffen hat: Sie sind aus Holz geschnitzt, aus Wachs geformt, aus Terrakotta gebrannt oder, wie eine Krippe aus dem Tannheimer Tal am Eingang zeigt, aus Maisblättern gebunden. Eine Rarität sind auch die „Loammandln“, die in Nassereith hergestellt wurden.

Dorfgasse Wildermieming nach einer alten Ansicht; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren: Gröden; Hintergrundmalerei: Walter Grach

Dorfgasse Wildermieming nach einer alten Ansicht; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren: Gröden; Hintergrundmalerei: Walter Grach

Filigrane Figuren

Dazu liefert Auer interessante Hintergrundinformationen etwa zu August Müller aus Wildermieming, der im 19. Jahrhundert lebte, Krippenbauer war und darüber hinaus Kirchenaltäre gestaltete. Die Krippe Müllers ist eine Leihgabe Josef Scharmers vom Müllerhof und wurde vom Krippenverein Wildermieming 1992 restauriert. Bemerkenswert ist nicht nur ihr Alter – sie entstand zwischen 1840-1860 –, sondern auch ihre Machart.
„Sie ist im Original erhalten mit einem Fetzenberg“, betont Auer. Früher wurde die Berglandschaft nämlich aus in Leimwasser getränkten Stoffresten geformt. Prächtig, die handgeschnitzten Figuren – gefertigt nach dem, was Müller kannte. Denn die Originalschauplätze hat der Wildermieminger Krippenbauer nie gesehen: Das Heilige Land zu bereisen, konnten sich zur damaligen Zeit nur vermögende Menschen leisten. Müller „porträtierte“ für seine Krippe deshalb Durchreisende, etwa Pilger auf dem Jakobsweg, Salzhändler oder französische Soldaten.

Krippe von August Müller, entstanden zw. 1840-1860; Figuren/Gestaltung: Müller, Hintergrundmalerei: Franz Niederhauser

Krippe von August Müller, entstanden zw. 1840-1860; Figuren/Gestaltung: Müller, Hintergrundmalerei: Franz Niederhauser

Überraschende Details

Auer macht einen auf Details und Spezialitäten aufmerksam. Tatsächlich könnte man vor jeder Krippen lange Zeit, wenn nicht Stunden verbringen und immer wieder Neues und Spannendes entdecken – sie sind wie riesige dreidimensionale Wimmelbilder. Eine wunderbare Vielfalt gibt es auch in den dargestellten Szenen.
Die zentrale Botschaft einer Weihnachtskrippe ist zwar das Weihnachtsgeschehen (von der Verkündigung des Herrn bis zum Eintreffen der Heiligen drei Könige), doch kann dieses in einem ländlichen oder städtischen Ambiente angesiedelt, heimatlich, orientalisch, barock oder modern ausgeführt sein. Der Fantasie des Krippenbauers sind so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Detail einer Marktszene; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren: Angela Tripi; Hintergrund: Wernfried Poschusta

Detail einer Marktszene; Gestaltung: Erwin Auer; Figuren: Angela Tripi; Hintergrund: Wernfried Poschusta

Stadtansichten

So ist in der Krippenherberge im Wildermieming zum Beispiel eine italienische Krippe ausgestellt, in der Straßenzüge wiedergegeben sind mit Geschäften und Tavernen, Händlern, Flanierenden und Straßenverkäufern, Fuhrwerken und Tieren. Hoch über dem geschäftigen Treiben finden sich Maria, Josef und das Kind in bekannter Szenerie.
Rund 50 Krippen sind in der Krippenherberge zu bewundern. Und wie gesagt, es ließen sich Stunden damit verbringen, über die Vielfalt in der Darstellung zu staunen. Das Beruhigende: Die Krippenherberge ist eine Dauerausstellung, man kann also immer wieder kommen zum „Krippele schaug’n“.

Detail einer italienischen Krippe; Gestaltung: Antonio Pigozzi; Figuren: Martino Landi; Hintergrundmalerei: Peter Feller

Detail einer italienischen Krippe; Gestaltung: Antonio Pigozzi; Figuren: Martino Landi; Hintergrundmalerei: Peter Feller

Krippenherberge Wildermieming
Im Aktivhotel Traube
Affenhausen 8
www.krippenherberge.at
Kontakt unter 0043-650-2121276
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr; für Gruppen ab 10 Personen gesonderte Führungen möglich
Eintritt: 4 Euro, Kinder bis 14 frei.

Alle Fotos: © Susanne Gurschler