Keine einfache Zeit im Moment, wahrlich nicht. Wir sind aus unserer täglichen Routine gerissen, viele Gedanken gehen uns durch den Kopf. Als leidenschaftlich Schreibende greife ich in unübersichtlichen Situationen gerne zu Notizbuch und Stift. Dann steht kreatives Schreiben auf dem Plan. Hier fünf meiner liebsten kreativen Schreibübungen.

Sie eignen sich super für Pausen, um auf andere Gedanken zu kommen, das Durcheinander mal kurz beiseite zu schieben oder zu sortieren. In der Werkzeugkiste Sprache wühlen macht nämlich richtig Spaß. Ganz nebenbei wird der Kopf durchgelüftet – denn es geht nicht darum, ein perfektes Ergebnis zu erzielen, sondern die Freude am Tun auszuleben.

Ich gebe zu, Notizbücher kann ich nie genug haben. Nennt mich Notizbuchhamster.

Nun, wo wir gezwungenermaßen mehr daheimbleiben müssen, lassen sich mit solchen kreativen Schreibübungen kleinere und größere Durchhänger übertauchen, freudvoll die eigene Kreativität erfahren und ausleben.

Kreatives Schreiben – fünf Übungen

Was wir dafür brauchen: Stift, Papier, Notizheft oder Block. Bei einer Übung kommen noch Schere, Zeitschriften und Klebstoff dazu. Alles Dinge, die wir meist eh daheim haben. Ich habe drei Häppchen, also kurze Übungen für zwischendurch, und zwei Happen ausgewählt, die ein bisschen mehr Zeit brauchen. Spaß machen alle – nimm einfach die, die dich am meisten anspricht.

Häppchen 1 – Mini-Geschichte

Jeder Satz dieser Geschichte besteht ausschließlich aus Subjekt und Prädikat. Wenn ihr zu zweit oder mehreren seid, könnt ihr euch abwechseln, indem einer den ersten Satz vorgibt, der zweite daran mit einem Satz anschließt und so weiter. So baut ihr eine gemeinsame Geschichte. Sie kann auch schrill, skurril oder völlig abgehoben sein.

Einfach einmal seiner Kreativität folgen und drauflosschreiben – macht Spaß und entspannt!

Die Übung klingt einfach, aber du wirst sehen, sie ist gefinkelt und es macht echt Spaß, so eine Geschichte zu entwickeln.

Beispiel: Kind fällt. Es brüllt. Knie blutet. Frau pustet. Kind kuschelt. Frau streichelt. Kind schnieft.

Nimm also einen ersten Satz und beginne eine Geschichte zu bauen. Für den Start ein paar mögliche Anfänge: Haus brennt. … Auto stoppt. … Hund schnüffelt. …

Häppchen 2 – Mini-Geschichte 2

Bilde eine Geschichte aus drei Wörtern. Die Geschichte sollte nicht länger als drei Zeilen sein. Diese Übung lässt sich ausbauen auf vier oder mehr Wörter. Auf einen Satz, der in eine Geschichte eingebaut werden muss, eine Szene …

Beispiel: Keks, Tropfen, Omnibus. Hans biss in den backwarmen Keks. Die ersten Regentropfen machten ihm Beine. Als er in den Bus sprang, fiel ihm ein, dass der Ofen noch an war.

Schreib spontan drei Wörter auf … und los geht’s.

Für die Textcollagen brauchst du Zeitungen/Zeitschriften, Schere, Stift, Klebstoff, Papier, Block oder Notizheft.

Häppchen 3 – Buchstabengeschichte

Schreib das erste Wort auf, das dir einfällt, nimm die Anfangsbuchstaben und ergänze sie so, dass daraus ein möglichst sinnvoller Satz entsteht.

Beispiel: Rotkraut
R osa
O fner
T trat
K räftig
R ichtung
A utotür
U nd
T obte.

Ich schneide Wörter, Satzteile und ganze Sätze aus, nach Lust und Laune, frei Bauch.

Happen 1 – automatisches Schreiben

Diese Übung mag ich besonders, weil Leute, die viel schreiben, so wie ich, ständig sinnhaft schreiben wollen. Der Trick hier ist, das zu überwinden, also sich nicht einzubremsen mit Rechtschreibung, Grammatik und Pipapo, sondern die Wörter einfach fließen zu lassen, das braucht manchmal ein bisschen, aber dann …

Lege eine Zeit fest, zum Beispiel 5 Minuten.

Schließ kurz die Augen, lass deinen Gedanken freien Lauf. Und dann schreib mit dem ersten Wort los, das dir in den Sinn kommt … Komma, Rechtschreibung … völlig egal, einfach weiterschreiben. Wenn du ins Stocken kommst, fülle die Pause mit einem Buchstaben, einem Wort deiner Wahl (bing, la) und schreib einfach weiter …
Wenn du die fünf Minuten geschrieben hast, schau dir das Ganze an.

Lässt sich da vielleicht eine Geschichte daraus machen?

Die Schnipsel füge ich wie Puzzleteile neu zusammen. Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, klebe ich die Textcollage in mein Notizbuch.

Happen 2 – Textcollage

Zeitschriften oder Zeitungen finden sich ja in jedem Haushalt. Nimm eine und schneide Wörter, Sätze, Satzteile aus. Dabei hast du zwei Möglichkeiten:

a) ganz spontan die Wörter, Satzteile und Sätze, die dir gefallen, die dich ansprechen, oder

b) du blätterst einmal durch und legst ein Thema fest (zum Beispiel Natur) und schneidest Begriffe, Sätze aus, die dazu passen.

Aus den Schnipseln bastelst du dann ein Gedicht, eine kurze Geschichte, eine kleine Textpassage – was dir gerade passt.

Regelmäßig fülle ich mein eigenes kleines Kunstbüchlein mit neuen Text-Bild-Collagen.

Diese Übung mache ich regelmäßig. Ich schneide meist spontan aus und füge die Schnipsel dann wie Puzzleteile neu zusammen. Das ist ziemlich entspannend, weil ich mich total auf Wörter, Sätze, Satzteile konzentriere und sich oft schon beim Ausschneiden Ideen für einen Satz, eine Sequenz entwickeln.

Für diese Übung habe ich ein eigenes Notizbuch angelegt, das ich mit diesen Text-Bild-Collagen fülle. So entsteht ein kleines Sprach-Kunst-Buch – einfach für mich!

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren. Also ran ans Werk: Kopf freimachen, entspannen und der eigenen Kreativität folgen. Viel Spaß beim kreativen Schreiben!

Fotos: © Susanne Gurschler