Der Ton macht die Musik. Besonders schön macht ihn aber erst ein geeigneter Klangkörper, soweit die akustische Physik. Feierlich wurde in der kleinen Stadt am Inn darum mit Anfang Oktober das neue Haus der Musik (HdM) eröffnet. Hier findet die Kunst nun vielfältigen Klangraum: Musik, Lehre und Theater verbindet das neue Innsbrucker Kulturzentrum. Ein Lokalaugenschein mit Augen und Ohren.

Ouvertüre.

Zaghaft nähert man sich dem monumentalen Bauwerk. Nicht nur weil beim Neuen immer auch etwas Bedrohliches mitschwingt, sondern weil die dunklen Fassadenlamellen das Gebäude etwas eigenwillig im barocken Stadtbild verorten. Facettenreich bricht die vertikale Fassadenstreifung das Spiegelbild der Alpenstadt. Kontrast und Gegenpol war die Kunst ja immer schon gern. Je eckiger desto runder quasi. Als kantige Kubatur präsentiert sich auch das Haus der Musik. So ausladend wie einladend, denn erst zur dämmernden Abendstunde tritt das Gebäude aus sich heraus: Drinnen geht das Licht an und die dunkle Lamellenhülle wird plötzlich transparent. Vorhang auf! Ein beliebter Kniff der Architektur, hier meisterlich inszeniert. Denn so verschlossen und geheimnisvoll sich das Bauwerk tagsüber präsentiert, so einladend und offenherzig öffnet es sich bei Nacht. Besonders ikonisch: Das fulminante Fassadenfenster zum großen Konzertsaal setzt das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI) einfach in die Auslage. Schaufenster: Sehen ja, hören nein. Denn die Musik spielt ja bekanntlich drinnen.

Symphonie.

Staunend betrete ich die neuen Hallen der Klangkunst. So dunkel und geheimnisvoll sich das große Schwarze von Außen gibt, so hell und klar kontrastiert der Innenraum. Eingangs empfängt den Besucher die ausladende Freitreppe, typisch für die großen Häuser der Kunst. Die ausgeklügelte Wegführung verbindet hier insgesamt zehn verschiedene kulturelle Einrichtungen auf gut 6350 Quadratmetern: Symphieorchester, Kammerspiele, Konservatorium, Mozarteum, die Festwochen der alten Musik, das Institut für Musikwissenschaften, eine eigene Musikbibliothek, sowie Büroräumlichkeiten für musikalische Landesverbände. Außerdem: Das Brahms im Erdgeschoss – kulinarische Kunststückerln für nach dem Ohrenschmaus. Direktor Wolfgang Laubichler frohlockt in höchsten Tönen über richtungsweisende Technik, ausgefeilte Akustik und eine der besten Theaterbühnen Österreichs. Eine Symphonie die im wahrsten Sinne aufhorchen lässt – musikalisch, wie kulturell.

Flügel in einem kleinen Konzertraum im Haus der Musik.

Musik verleiht Flügel: Üben mit Alpenpanorama.

Intermezzo.

Das liebliche Zwischenspiel der verschiedenen Einrichtungen erfährt man durch die Architektur. Durchschreitet man das Gebäude ganz unvoreingenommen, führt es den Besucher ganz selbständig herum und schafft auch von Innen den Dialog zum Außen. Entwurfsarchitekt Erich Strolz dazu: „Es öffnen sich Räume und Räume öffnen andere Räume. Man ist selbst der Akteur.“ Und genau so ist es dann auch. Beim Durchschreiten der Gänge wechselt lamellengestreiftes Alpenstadtpanorama mit musikalischem Zwischenspiel. Hier übt jemand am Flügel, dort singt sich ein Chor in Stimmung, am Gang fachsimpeln zwei Maestri mit Geigenkoffer. Überall möchte man stehen bleiben und ein wenig dem musikalischen Leben lauschen. Doch zu ungezügelt zieht die Neugier den Besucher weiter, bis man sich am Ausgangspunkt wiederfindet. Eine abwechslungsreiche Möbius-Schleife, das neue Haus der Musik.

Finale.

Die vorrangige Aufgabe des glänzenden Musikjuwels sieht Direktor Laubichler in der Kulturvermittlung selbst: „Das Haus der Musik hat die Aufgabe und die Chance zugleich, querzudenken, Ungewöhnliches, nicht Alltägliches zu ermöglichen. Wenn man die Pfade des traditionellen Konzertbetriebes verlässt, kann mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden, sich klassischen Werken anders anzunähern.“ Aber auch auf facettenreiche Synergien zwischen den häuslichen Institutionen darf man sich freuen: „Als Zukunftsmusik schweben mir Programme vor, die den Grenzbereich zwischen Jazz und Klassik ausloten, geografische Räume wie die Mittelmeerländer musikalisch erschließen, Folklore im besten Sinne des Wortes darstellen, Gesang und Sprache erfassen oder die Verbindung von Kulinarik und Musik herstellen.”, sinniert der diplomierte Kulturmanager. Sehr vieles ist hier also denkbar. Und wo die Grenzen des Musikalischen neu gezogen werden, da sollte man jedenfalls aufmerksam die Ohren spitzen.

 

KONTAKT

Haus der Musik Innsbruck – Tiroler Landestheater und Orchester GmbH Innsbruck

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