Im Zuge des Umbaus der Innsbruck Information öffneten Archäologen für einige Wochen ein großes Fenster in die Vergangenheit des Gebäudes. Sie legten alte Mauerteile frei, die auf die ehemalige Nutzung des Hauses als Hofstallung verweisen.

Innsbruck Information Grabungen

Die wuchtigen Säulen fußen auf historischem Mauerwerk.

Bei Bauarbeiten in der Innsbrucker Altstadt ist es nicht außergewöhnlich, dass historisches Mauerwerk und damit Stadtgeschichte zutage tritt – bei Baumaßnahmen wird daher stets das Bundesdenkmalamt einbezogen. So wurde etwa das Lechle-Haus am Franziskanerplatz vor wenigen Jahren als das älteste der Innsbrucker Altstadt identifiziert und gleichzeitig Überreste der ehemaligen Stadtmauer freigelegt, die sich – als Teil der Gebäude – am Burg- und Marktgraben entlang zog.

Historischer Untergrund

Anlässlich des Umbaus der Innsbruck Information am Burggraben stießen die Archäologen direkt unter dem Betonboden auf alte Bausubstanz aus unterschiedlichen Nutzungsphasen des Gebäudes. Dazu kamen einige Objektfunde, darunter Teile von Keramiken. Tierknochen, eine kleine Metallglocke und ein Spinnwirtel (Handspindel).

Lucrezia Zaccaro aus Padua, eine der Archäologinnen, die wochenlang akribisch im Boden gearbeitet, vermessen, dokumentiert und fotografiert hat, schreitet mit mir die Baustelle ab. In der Hand hält sie eine Skizze, in der die einzelnen Bereiche festgehalten sind, und erklärt, was das Mauerwerk uns alles erzählt.

Innsbruck Information Grabungen

Grobe Skizze der freigelegten Mauern und Mauerteile

Altes Mauerwerk

So fanden die Forscher direkt unter dem Beton die Überreste der historischen Stadtmauer; dazu Mauersegmente im westlichen und östlichen Teil, wobei es sich im Osten um einen Keller gehandelt haben dürfte. Besonders spannend hier, Teile des Bodens sowie der Seitenwände waren mit Holz verkleidet. Dieses hat sich über die Jahrhunderte hervorragend gehalten. Auch Reste eines Rundbogens legten die Archäologen frei.

Innsbruck Information Grabungen

Das Grabungsteam legte Teile der ehemaligen Stadtmauer frei.

Besonders markant sind die Elemente, die auf die Nutzung der Halle als Stallungen (der nahen Hofburg) verweisen – in dieser Funktion erstmals erwähnt 1548. Entlang der nördlichen und südlichen Außenmauern legte das Grabungsteam Pferdekoppeln frei, deren Untergrund, bestehend aus Stroh, Mist und Holz auch für den Laien leicht auszumachen, ebenso die ehemalige Position der Futtertröge. Schon zu dieser Zeit müssen Stützpfeiler die Dachkonstruktion getragen haben.

Innsbruck Information Grabungen

Die Position der Futtertröge ist sehr gut sichtbar.

Sammeln und dokumentieren

Zügig schreitet Lucrezia Zaccaro zum nächsten Sektor, erklärt, welche Daten gesammelt werden und dass die eigentliche Arbeit, die Auswertung der Fundstücke und der Daten, erst folgen wird, wenn von den Zeugen aus der Vergangenheit schon nichts mehr zu sehen ist. Denn die freigelegten Elemente werden wieder verbaut – dadurch bleiben sie am besten erhalten.

Innsbruck Information Grabungen

Teile des Kellers im Osten der ehemaligen Stallungen sind holzverkleidet.

Für mich als Laien nicht einfach, den Überblick über die unterschiedlichen Mauersegmente und damit Bauphasen zu behalten und doch ist dieser Gang durch (und über) die Geschichte enorm spannend, lässt er einen doch erahnen, wie die Stallungen aussahen.

Mehrere Bauphasen

So erfolgte im Westen später eine weitere Unterteilung der Halle, indem eine Mauer eingezogen wurde. In der vierten Phase der Umbauten – also im 18./19. Jahrhundert – erhielt die Halle die heute sichtbare architektonische Ausgestaltung, am prägnantesten die Säulen, die zum Teil über dem Mauerwerk aus dem 15. Jahrhundert errichtet wurden.

Innsbruck Information Grabungen

Sämtliche Grabungbereiche wurden dokumentiert und fotografiert.

Bereits im frühen 18. Jahrhundert fand eine Umnutzung als Militärdirektion statt, unter Maria Theresia befand sich hier eine Offizierskaserne. 1921 kaufte die Stadt Innsbruck die „Alte Hauptwache“ an – seit Jahrzehnten dient die Halle mit dem imposanten Gewölbe und den wuchtigen Säulen als Innsbruck Information. Ab Sommer 2018 wird sie – komplett renoviert – wiedereröffnet. Einzelne Blicke in die Vergangenheit des Gebäudes soll es weiterhin geben. Bin schon gespannt, welche es sein werden.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler

Innsbruck Information 
Bis zur Fertigstellung der Umbauarbeiten:
Herzog-Friedrich-Straße 21 (Stadtturm)
Öffnungszeiten: Mo – Sa 9 – 18 Uhr, So 10 – 16.30 Uhr

Mit der Wiedereröffnung dann:
Burggraben 3
6020 Innsbruck

Mail: info@innsbruck.info
Tel.: +43 512 59850
www.innsbruck.info