Die Innsbrucker Jesuitenkirche steht zu Unrecht etwas im Schatten der wenige Gehminuten entfernten Hofkirche, auch Schwarzmander-Kirche genannt. Die Kreuzkuppelkirche ist dem Frühbarock zuzuordnen und erinnert in ihrer strengen Fassadengliederung an den Salzburger Dom. Zudem ist die Jesuitenkirche Grabstätte des heiligen Pirmin, neben dem heiligen Rochus und dem heiligen Sebastian Schutzpatron von Innsbruck. Und: Hier findet sich das erste Gemälde der Nordkette.

Der heilige Pirmin ist, neben der heiligen Notburga, der einzige in Tirol begrabene Heilige.

Auf Tiroler Boden

Mit der heiligen Notburga ist Pirmin der einzige Heilige, der auf Tiroler Boden begraben ist. Die Gebeine des Benediktiners befinden sich in einem Schrein auf dem Pirminaltar, in der vorderen linken Seitenkapelle der Jesuitenkirche. Der teilweise vergoldete Schrein wurde 1954 vom Künstler Rudolf Millonig gestaltet, ist mit einem versilberten Relief Pirmins und Inschriften versehen. Das Altarblatt darüber zeigt Pirmin, den Schutzheiligen der Pestkranken, mit Mitra und Bischofsstab, auf einer Wolke sitzend. Darunter Pestkranke mit Schlangen in den Händen als Symbol für die fürchterliche Krankheit, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Menschen zu Tausenden dahinraffte.

Das Altarbild zeigt den heiligen Pirmin. Er ist einer der drei Schutzpatrone von Innsbruck.

In die Krypta

Die landesfürstliche Krypta unter dem Chor der Kirche beherbergt die Gräber von elf fürstlichen Persönlichkeiten, darunter sechs Habsburger – allen voran Erzherzog Leopold V. und Claudia de Medici, die Stifter der Kirche. Die vorderen Räume und Nischenwände der Krypta dienen bis heute als Begräbnisstätte für die Ordensmitglieder. Was mich aber immer wieder in die Jesuitenkirche führt ist nicht nur die Stille, die mich die Hektik des Alltags vergessen lässt. Es ist besonders ein Bild, das ich lange gar nicht wahrgenommen habe. Es hängt an der Wand gegenüber dem Pirminaltar.

Das stuckumrandete Gemälde hängt über Kopf vis-a-vis des Pirminaltars.

Heiliger Pirmin und die Nordkette

Auf den ersten Blick wirkt es in dieser weihevollen Umgebung ziemlich unscheinbar. Und tatsächlich enthüllt das Kleinod seine Bedeutung erst bei eingehender Betrachtung. Das rechteckige Leinwandbild mit Stuckrahmen, über Kopf positioniert und also nicht sofort im Blickfeld, ist weder datiert noch signiert.

Anhand von Quellenmaterialien konnten Kirchen- und Kunsthistoriker die Entstehungszeit zwischen 1634/35 und 1670 eingrenzen. Das Gemälde zeigt den Pestengel mit Totenkopf und Flammenschwert, der drohend über Innsbruck schwebt. Und es zeigt den heiligen Pirmin, der die Dreifaltigkeit bittet, die Stadt von dieser Krankheit zu verschonen.

Die erste wirklichkeitsgetreue Darstellung der Innsbrucker Nordkette findet sich in der Jesuitenkirche.

Gemälde der Nordkette

Nicht nur für Kunsthistoriker spannend ist die genaue Wiedergabe der Stadtansicht. Wunderbar auszumachen neben der Spitalskirche, die Pfarrkirche, der Stadtturm, die Jesuitenkirche und die Dreiheiligenkirche mit dem Pestlazarett. Und – das Herz schlägt jedes Mal ein paar Takte schneller – im Hintergrund ist nicht minder wirklichkeitsgetreu die imposante Nordkette dargestellt und zwar zum ersten Mal. Was dem Gemälde einen fixen Platz in der heimischen Kunstgeschichte sichert. „Die Darstellung ist sowohl künstlerisch als auch stadtgeschichtlich von großer Bedeutung“, schreibt dazu Michaela Frick, Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamtes in einem Aufsatz über den heiligen Pirmin.

Schon auf dem Weg zur Hungerburg eröffnen sich immer wieder spektakuläre Blicke auf Innsbruck.

Aufi, auf die Nordkette!

Besonders reizvoll wäre natürlich ein direkter Vergleich zwischen Gemälde und Natur. Doch dafür muss man die Kirche verlassen und den Blick Richtung Nordkette heben. Oder man packt den Rucksack, schnürt die Wanderschuhe, marschiert los und erkundet die Nordkette ganz einfach. Ich gehe am liebsten am Inn entlang, über den Psenner-Steg vorbei am Alpenzoo in die Höhe. In flotten 40 Minuten bin ich auf der Hungerburg. Unterwegs genieße ich bereits fantastische Ausblicke in Inn- und Wipptal, inhaliere Waldluft, schüttle Stress und Alltagssorgen ab.

Freie Sicht auf den Stadtteil Olympisches Dorf, das südliche Mittelgebirge

Von der Hungerburg aus gibt es unzählige Wandermöglichkeiten, Touren von leicht bis schwer, für Genusswanderer wie Gipfelstürmer. Es geht hinauf auf eine der schönen städtischen Almen (zu ihrer Geschichte gibt es einen Blogbeitrag) oder einen der knackigen Gipfel. Zur Seegrube über die Höttinger Alm zum Beispiel dauert der Aufstieg etwa 2,5 Stunden.

Mit der Bahn

Wer es gern bequemer hat oder die Tour abkürzen möchte: Mit der Hungerburgbahn auf die Hungerburg und weiter mit den Nordkettenbahnen bis zur Seegrube oder ganz hinauf zum Hafelekar. Kein Tropfen Schweiß vergossen, keinen Muskelkater eingefangen und trotzdem eine gigantische Aussicht bekommen – einfach unbeschreiblich!

Wer die Nordkette in ihrer gesamten Pracht sehen will, sollte auf den Patscherkofel.

Wer sich die Nordkette aus der Ferne anschauen möchte, muss natürlich auf der anderen Seite des Inntals rauf. Mit der Patscherkofelbahn geht’s zur Bergstation (Natürlich auch auf Schusters Rappen zu schaffen!) inklusive weiterwandern auf dem Zirbenweg Richtung Viggarspitze. Auf dem Weg dahin präsentiert sie sich in ihrer vollen Pracht. Und wer das Gemälde der Nordkette in der Jesuitenkirche fotografiert oder gar im Kopf hat, kann lustig Konturen vergleichen und Bergspitzen raten!

Grandiose Sicht auf Innsbruck, das Inntal und die Nordkette von der Viggarspitze aus

Auf Innsbruck.info findet sich neben tollen Besichtigungs– und Wandertipps rund um Innsbruck (hier, hier und hier zum Beispiel) auch Wissenswertes zu Innsbrucks Kirchen und Klöstern. Nicht zu vergessen die Friedhöfe – erst kürzlich war ich auf dem in Mühlau, auf dem einige bekannte Persönlichkeiten begraben sind.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler