Tirol ist ein ausgesprochenes ‚Krippenland‘ mit einem hell leuchtenden Glanzlicht namens Krippenherberge Wildermieming-Affenhausen‘. Dieses kleine, aber feine Museum sucht in Tirol seinesgleichen. In der Vorweihnachtszeit wie geschaffen, Familien mit Kindern die Wartezeit auf das Christkind zu verkürzen.

Hab ich recht gehört? Affenhausen?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich das erste Mal den Ortsnamen ‚Affenhausen‘ hörte. Ich staunte zuerst ungläubig und musste dann lachen. Zu unrecht, wie ich zugebe. Denn der Namen des Weilers in der Gemeinde Wildermieming leitet sich von der Heiligen Affra ab, der Schutzpatronin der Fuhrleute. Was nicht von ungefähr kommt. Denn von Telfs kommend verliefen schon die römische und später die mittelalterliche Handelsstraße zum Fernpass durch ‚Affrahausen‘. Vermutlich rasteten schon Legionäre hier. Ganz sicher aber die Rossknechte und Fuhrleute des Mittelalters.

© www.krippenherberge.at

Die Dorfstraße von Wildermieming als Krippendarstellung von Krippenbaumeister Erwin Auer. ©www.krippenherberge.at

Affenhausen macht noch immer auf sich aufmerksam. Heutzutage mit einer Herberge der besonderen Art. Dass es die ‚Krippenherberge‘ im Untergeschoss des Aktivhotels Traube sogar international schon zu einiger Berühmtheit gebracht hat, mag auch an der ganzjährigen Öffnung liegen.

Krippenherberge Affenhausen

Der Eingang in die Krippenherberge in Affenhausen im Untergeschoss des Hotels Traube. ©W. Kräutler

Die Geburtsstunde der Tiroler Krippe

Woher denn die seit Generationen in Tirol gepflegte Krippenbaukunst eigentlich stammt, wollte ich von der Volkskunderin meines Vertrauens, Dr. Petra Streng, erfahren. „Ursprünglich waren es Nonnen, die das Jesuskind am Heiligen Abend in den Schlaf gewiegt hatten“, erklärt sie mir. Dieses Jesuskind, eine Puppe in Windeln eingewickelt, wurde auch „Fatschenkindl“ genannt. Der Brauch ging später in einen „Bettelbrauch“ über: Arme Frauen zogen vor Weihachten von Haus zu Haus, sangen Lieder und baten um milde Gaben. Spät, aber doch nahm sich auch die Kirche der Geburt Jesu an und begann, den Stall von Bethlehem in kleinem Maßstab in der Kirche nachzubauen. Anfänglich waren es bemalte Bretter, die die sogenannten ‚Bretterkrippen‘ bildeten. Nach und nach schaffte es die Darstellung der Geburt von Bethlehem auch in die Bürgerstuben. Es war die Geburtsstunde der Tiroler Krippenbaukunst.

Fatschenkindl

Eine Urform der heutigen Krippe war das ‘Faschenkindl’: das Jesuskind in Windeln eingewickelt. ©W. Kräutler

Hochinteressant ist es zu beobachten, wie das Krippenbauen in Tirol schon immer versteckte Talente gefördert hat. Ob Knecht oder Bauer, Lehrer oder Angestellter: Viele kunstvoll geschnitzte Figuren wurden und werden immer noch von Männern angefertigt, denen man das auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Einer der talentiertesten Krippenbaumeister des Landes ist ein gelernter Zimmermann. Auf seine Initiative hin wurde die Krippenherberge in Wildermieming-Affenhausen geschaffen.

Tiroler Krippe

Eine der vielen wunderbaren Tiroler Krippen von Erwin Auer. Figuren: Rudolf Röck. Hintergrund: Peter Feller, akad. Maler. ©W. Kräutler

Das Reich des Erwin Auer

Es war der Oktober 2015, als der Lebenstraum von Erwin Auer in Erfüllung ging. Gemeinsam mit dem Krippenbauverein Wildermieming, dem er als Obmann vorsteht, wurde sein Lebenswerk im Untergeschoss des Aktivhotels Traube eröffnet. In der ‚Krippenherberge‘ präsentiert er auf 300 Quadratmeter rund 50 der schönsten Krippen, die in Tirol zu sehen sind. Erstaunlich in Vielfalt und Formen, Art und Herkunft der Figuren. Was mich besonders fasziniert, ist die exquisite künstlerische Ausgestaltung dieser kleinen Kunstwerke.

Kastenkrippe Erwin Auer

Eine sogenannte Kastenkrippe von Erwin Auer. Wer errät, welche Landschaft im Hintergrund blau beleuchtet ist? ©W. Kräutler

Tiroler Krippe, Krippenherberge Affenhausen

Eine ‘Winterkrippe’ bringt die Stimmung im weihnachtlichen Tirol wunderbar zum Ausdruck. ©W. Kräutler

In Affenhausen sind die vermutlich schönsten Tiroler Krippen zu sehen. Perfekt in ihrer räumlichen Gestaltung mit künstlerisch wertvollen ‚Hintergründen‘, die auch als selbständige Gemälde durchgehen würden. Der ‚Berg‘, die Gestaltung der Perspektiven und vor allem die Beleuchtung sind das Werk Erwin Auers. Hier sieht man auch seine rund 60-jährige Erfahrung im Krippenbau. Zahlreiche bekannte Tiroler Künstler wie Wolfgang Falkner, Georg Eigentler, Peter Feller oder Walter Grach waren an der Ausarbeitung dieser Kunstkrippen beteiligt und ‚verewigten‘ sich mit bisweilen außergewöhnlichen Beiträgen.

Brunnen Krippe

Eines der tausenden Details der Exponate in der Krippenherberge. Orientalisch gekleidete Männer am Brunnen. ©W. Kräutler

Meisterhaft italienische Krippen in Affenhausen

Die Krippenherberge beherbergt aber nicht nur die in Tirol ‚gängigen‘ orientalischen und Tiroler Krippen. Es sind italienische Krippen, die der Ausstellung einen quasi ‚exotischen‘ Hauch verleihen. Krippen, die das quirlige Leben auf einer neapolitanischen Piazza genauso wiedergeben wie die räumliche Tiefe toskanischer Landschaften. Mit Figuren aus Terrakotta und einer Tiefenwirkung der Krippe, wie dies nur die italienische Kunst in dieser Qualität beherrscht. Ein dreidimensionales Kunstwerk, das die Weite italienischer Landschaften perfekt simuliert.

italienische Krippe

Italienische Krippe mit Tiefenwirkung. Gestaltung: Antonio Pigozzi; Figuren: Martino Landi; Hintergrundmalerei: Peter Feller ©W. Kräutler

italienische Krippe

Man fühlt sich beim Betrachten dieser Krippe nach Italien auf eine belebte Piazza versetzt. ©W. Kräutler

Eine dieser Krippen hat es mir besonders angetan: Sie zeigt wuselndes Leben in einem italienischen Städtchen, es könnte durchaus Neapel sein. Terrakottafiguren verzaubern die Museumsbesucher derart, dass man glaubt, mitten auf einer Piazza zu stehen.

Wie kommen aber italienische Krippen ausgerechnet nach Affenhausen, wollte ich von Erwin Auer wissen. „Wir stehen seit Jahrzehnten in intensivem Kontakt mit italienischen Krippenbauern“, erklärt er die ‚exotische Abteilung‘ der Krippenherberge. „Wir haben einfach Krippen getauscht. In Italien stehen Tiroler Krippen, hier die italienischen.”

Krippenmeister Erwin Auer mit seiner Lebensgefährtin Hemine. ©W. Kräutler

Wer sich die Zeit nimmt, die Krippen-Szenen genauer zu betrachten, stellt bald einmal fest, wie ‚entschleunigend‘ ein Besuch der Krippenherberge sein kann. Und auf Kinder wirken diese Krippen wie eine dreidimensionale Märchenerzählung. Wer sich nach einem Besuch dieses Museums selbst als Krippenbauer betätigen will, dem sei das didaktisch gut aufbereitete Buch ‘Weihnachtskrippen bauen’ meiner Kollegin Susanne Gurschler empfohlen.

Die Krippenherberge Affenhausen hat im Untergeschoss des Aktivhotels Traube Unterschlupf gefunden. ©W. Kräutler

WO, WANN, WIEVIEL

Krippenherberge Wildermieming – Affenhausen im Aktivhotel Traube, Affenhausen 8, Tel: +43/650/2121276

www.krippenherberge.at

Öffnungszeiten bis 2. Februar: Samstag & Sonntag 13.00 – 17.00 Uhr

Auf Voranmeldung ganzjährig zu besichtigen. Bei Gruppen ab 5 Personen Termine jederzeit (ganzjährig) nach telefonischer Voranmeldung möglich unter +43/650/2121276

Eintritt: € 5,—, Kinder bis 14 Jahre frei