Aus der Suche nach grüngefiederten Halsbandsittichen im Innsbrucker Hofgarten kann urplötzlich eine Expedition in tropische Gefilde werden. Innsbruck und sein Palmenhaus sind immer für Überraschungen gut.

Einer jener grünen Clowns, die den Hofgarten in Innsbruck bevölkerten.

Einer jener grünen Clowns, die den Hofgarten in Innsbruck bevölkerten.

Ausgerüstet mit einem Fernglas machte ich mich kürzlich auf den Weg. Gespannt, ob ich die  Nachkommen jener Halsbandsittiche fände, die vor Jahren aus einer Villa in Saggen – einem Stadtteil Innsbrucks – entflogen waren. Sie – und vor allem ihr berühmtester Vertreter ‘Maxi’ – bevölkerten seit einigen Jahren den 600 Jahre alten Innsbrucker Hofgarten. Meinen Blick meist nach oben in Richtung Baumkronen gerichtet, suchte ich die grünen Vögel, die ansonsten nur in Afrika und Südasien lebten. Was mir niemand so wirklich erklären konnte: wie schafften es diese schwatzhaften grünen Clowns, die Innsbrucker Winter zu überleben? Einige meinten, über den Klimaanlagen der Dogana im gegenüber gelegenen Congress, andere sagen, sie würden in Dachböden und hohlen Bäumen überleben können.

Das Palmenhaus. Ein Mini-Dschungel mit insgesamt 8.000 Pflanzen

Das Palmenhaus. Ein Mini-Dschungel mit insgesamt 8.000 Pflanzen

So suchte ich geraume Zeit in Blutbuchen, Spitz-Ahorn oder in den Urweltmammutbäumen. Auch den teilweise seltenen Sträuchern schenkte ich einige Aufmerksamkeit. Eigentlich hätte ich die grünen Schwätzer leicht entdecken müssen. Denn im Frühling verstellt noch kein Laub die Sicht. Von Sittichen dennoch keine Spur. Gerade als ich wieder kehrtmachen wollte, fiel mein Blick auf ein Glashaus am nördlichen Rand des Hofgartens. Ich kannte es zwar vom Sehen und von außen aber nicht von innen. Die Neugier packte mich, und durch das Glas war schon einiges erkennbar: Dutzende Kakteen, Orchideen, Palmen und tropische Bäume. Das interessierte mich nun doch, und so betrat ich ahnungslos eine tropische Oase vor einem wahrhaft malerischen Hintergrund, der schneebedeckten Nordkette.

Das Palmenhaus. Die feuchtwarme Oase am Fuße der Nordkette

Das Palmenhaus. Die feuchtwarme Oase am Fuße der Nordkette

Ich hatte immer angenommen, dieses Gewächshaus diene den österreichischen Bundesgärten als Winterlager für kälteempfindliche Pflanzen. Weit gefehlt. Es stellte sich beim näheren Hinsehen als kleiner Dschungel dar, in dem verschiedene, tropische und subtropische Pflanzen und Bäume wachsen. Wie lebende Illustrationen aus dem ‘Dschgungelbuch’. Mehr noch, sie gedeihen im wahrsten Sinn des Wortes. Wie der 40 Jahre alte Theobroma cacao amazonas, an dem Jahr für Jahr bis zu 40 Früchte ausreifen. „Aber wir stellen weder Kakao-Pulver noch Schokolade her“, meint Helmut Wahler, das menschliche Herzstück des Palmenhauses. „Aus den Samen des Baumes ziehen wir neue Kakao-Bäumchen“. Diese sind übrigens auch käuflich zu erwerben.

Helmut Wahler, der 'Herrscher' der Tropen-Oase im Hofgarten mit einer Cacao-Frucht

Helmut Wahler, der ‘Herrscher’ der Tropen-Oase im Hofgarten mit einer Cacao-Frucht

Der gelernte Gärtnermeister führt das Palmenhaus seit 1987 und versorgt 123 Pflanzenfamilien in 498 Gattungen und 1.494 Pflanzenarten. Als er zum ‘Chef’ der Tropenoase avancierte, übernahm er vor allem eine große Begoniensammlung. Zug um Zug erweiterte Helmut die Sammlung um interessante tropische Gewächse. „Insgesamt beherbergen wir derzeit exakt 7.967 Pflanzen“, bemerkt er stolz. Das alles funktioniert jedoch nur, wenn die Temperatur in diesem grünen Mini-Dschungel auch im Winter nie unter 18 Grad C sinkt erläutert der ‘fanatische Tropengärtner’.Eine eigene Fangemeinde hat eine Pflanze, die jährlich wiederkehrend im kleinen See des Palmenhauses gepflanzt wird: Die Riesenseerose Victoria amazonica. Diese wunderbare Wasserpflanze mit ihren riesigen Blättern prägt auch das Bild der Tropenoase inmitten der Hauptstadt der Alpen.

Eine tropische Wasserhyazinthe vor einem Blatt der Victoria Amazonica

Eine tropische Wasserhyazinthe vor einem Blatt der Victoria Amazonica. Bild: Herbert Bacher

Sie wird auch heuer wieder im Mai eingepflanzt und entwickelt ihre riesigen Blätter zum Entzücken der Besucher des Palmenhauses. Gemeinsam mit dem Chef der Bundesgärten in Innsbruck (sie umfassen den Hofgarten und den Schlosspark Ambras) Dipl.Ing. Herbert Bacher pflanzt Helmut Wahler diese wundersame Pflanze Jahr für Jahr neu ein, auf dass sie rund zwei Monate später jene Blätter entwickelt, für die die Victoria so berühmt ist. Und das sollten sich Pflanzenfreundinnen und -freunde nicht entgehen lassen.

Palmenhaus insektenfressend klein

Die Kannenpflanzen vertilgen im Palmenhaus die Insekten. Bild: Helmut Wahler

Ja, und nach dem Halsbandsittich Maxi hätt ich noch lange suchen können. Auch Herbert Bacher als Chef des Hofgartens vermisst die Sittiche schon länger. Und es gibt auch einige Gründe, weshalb sie den Hofgarten, die grüne Oase Innsbrucks, nicht mehr bevölkern. Am wahrscheinlichsten sei es, dass die Vögel aufgrund langjähriger Inzucht ausgestorben seien, meint Bacher. Denn alle Tiere stammten ja lediglich von einem Sittich-Paar ab, das damals entflogen war. Bleibt jetzt nur noch die Frage: sollten wir wieder Halsbandsittiche im Hofgarten einsetzen? Ja oder nein. Ich wär’ auf Eure Kommentare (unterhalb dieses Beitrages) schon sehr gespannt.

Wo findet ihr das Palmenhaus? Am nördlichen Ende des Innsbrucker Hofgartens, in der Ecke Rennweg-Karl Kapferer Straße.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: 

Das Palmenhaus kann von Montag bis Freitag zwischen 08.00 und 12.00 h, sowie von 12.30 – 16.30 h besichtigt werden. Die Eintrittsgebühr beträgt € 3,– Normalpreis bzw. € 2,– ermäßigt (SchülerInnen, StudentInnen, PensionistInnen). Führungen sind möglich und mit der Hofgartenverwaltung zu vereinbaren (Tel.: 0512 584803 bzw. Email: office.innsbruck@bundesgaerten.at). Derzeit beträgt der Tarif für Führungen € 120,– für Gruppen zwischen 10 bis max. 30 Personen.

 

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