Die Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen gibt es seit 1996. Neben der architektonischen Qualität gehören Innovationskraft und zukunftsweisende, kreative Lösungen zu den zentralen Kriterien bei der Auswahl, die von einer international besetzten Jury vorgenommen wird. Gezeigt werden die spannendste Projekte in der Ausstellung „Neues Bauen in Tirol 2020“ im aut. architektur und tirol.

Von den über 75 eingereichten Projekten wurden 18 nominiert und sind in der Ausstellung zu sehen.

18 Nominierte

75 Einreichungen gab es heuer. Die Jury, bestehend aus Anne-Julchen Bernhardt (Aachen), Peter Haimerl (München) und Marta Schreieck (Wien), begutachtete diese am Papier und vor Ort. Es folgten 18 Nominierungen mit drei Auszeichnungen, sechs Anerkennungen und vier lobenden Erwähnungen.
Traditionell zeigt die Ausstellung im aut die nominierten Projekte mit Fotos, Plänen und Kurztexten. Sie ist ein Muss für Architekturinteressierte, zeigt sie doch exemplarische Beispiele für hochwertige bauliche Lösungen in unterschiedlichen Bereichen.

Die Ausstellung „Neues Bauen in Tirol 2020“ im aut. architektur und tirol läuft bis Ende Februar 2021.

Herausragende Beispiele

Unter den präsentierten Projekten finden sich auch zahlreiche der Region Innsbruck und Tirol. Ausgezeichnet wurde neben dem Schulcampus Neustift im Stubaital und der Swarovski Manufaktur in Wattens die Sanierung der Schule Kettenbrücke im Innsbrucker Stadtteil Saggen.
Anerkennungspreise erhielten etwa der Umbau der Tourismus Information Innsbruck am Burggraben, das Haus für psychosoziale Begleitung und Wohnen im Innsbrucker Stadtteil Olympisches Dorf und die Martinsbrücke bei Zirl, eine Geh- und Radwegbrücke über den Inn. Die vier stelle ich hier kurz vor.

Den Neubau der Alpinschule Innsbruck (ASI) in Natters plante das Snøhetta Studio Innsbruck.

Sanierung Schule Kettenbrücke

Zwischen 2016 und 2019 erfolgte die Sanierung und Umbau des Schulgebäudes Kettenbrücke im Zwickel zwischen Erzherzog-Eugen-Straße und Falkstraße. Bei allen baulichen Tätigkeiten am dortigen Bildungsquartier zeichnete das Innsbrucker Büro Studio Lois dafür verantwortlich. Der Campus besteht aus Volks- und Mittelschule, Bildungsanstalt für Elementarpädagogik sowie Kindergarten und Hort.

Eine Auszeichnung gab es für die Sanierung der Schule Kettenbrücke im Stadtteil Saggen. Foto: © Studio Lois/David Schreyer

Besonders auffällig ist die Außenhaut des Gebäudes, bestehend aus Polycarbonfeldern, die sich mit großen Fenstern abwechseln und so für lichte Innenräume sorgen. Im Inneren sei kaum zwischen Alt und Neu zu unterscheiden, hielten die Juroren fest. Mit dafür verantwortlich ist die Wahl der Materialien (Beton, Weißtanne, Filz und Glas) und der Farben (Grau, Beige und Weiß).

Bauherrschaft: Schulverein der Barmherzigen Schwestern
Architektur: STUDIO LOIS
Tragwerksplanung: Alfred R. Brunnsteiner
Visuelle Kommunikation: himmel. Studio für Design und Kommunikation

Martinsbrücke bei Zirl

Die Promenaden am Inn sind nicht nur bei der Innsbrucker Bevölkerung äußerst beliebt, das grüne Band zieht sich durch die ganze Stadt, führt weiter Richtung Hall im Osten und Richtung Zirl im Westen. Der Radweg lädt zu kurzen und langen Touren ein. Die neue Martinsbrücke verbindet die Gemeinden Zirl und Unterperfuss. Geplant wurde sie vom Architekten Hans Peter Gruber.

Die Martinsbrücke verbindet die Gemeinden Zirl und Unterperfuss und dient als Geh- und Radwegbrücke. Foto: © David Schreyer

Die Brücke ist insgesamt 100 Meter lang und somit die „erste Holz-Beton-Verbundbrücke Europas mit dieser Länge“, wie es im Jurytext anerkennend heißt. Voll des Lobes zeigt sich das Preisgericht auch im Zusammenhang mit der Ausführung: „Aus der Kombination der Materialien Holz und Beton haben der Architekt und der Ingenieur eine elegante, sinnfällige und konstruktiv innovative Brücke gestaltet“. Getragen von zwei Betonstützen am Ufer scheint sie über dem Inn zu schweben.

Bauherrschaft: Amt der Tiroler Landesregierung, Gemeinden Zirl und Unterperfuss
Architektur: Hans Peter Gruber
Tragwerksplanung: Thomas Sigl

Haus für psychosoziale Begleitung und Wohnen

Das direkt an der wunderbaren Innpromenade im O-Dorf gelegene Gebäude fällt sofort auf. Dafür sorgen die rötlich eingefärbte Betonhaut und die ungewöhnliche polygonale Form des Hauses. Dazu kommen die prägnanten Photovoltaikanlagen an der Südfassade des Gebäudes.

Das Haus für psychosoziale Begleitung und Wohnen steht im Innsbrucker Stadtteil Olympisches Dorf. Foto: © David Schreyer

Das Erdgeschoß weist zur Innpromenade hin eine deutliche Einkerbung auf. Dadurch entsteht eine Art Laube. Sie schützt die Bewohner bei ihren Aufenthalten im Freien vor Regen und Wind. Die Einrichtung bietet Menschen mit chronisch psychischen Problemen ein Zuhause und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Bauherrschaft: IIG Innsbrucker Immobiliengesellschaft
Architektur: Fügenschuh Hrdlovics Architekten
Tragwerksplanung: Peter Stippler

Tourismus Information der Region Innsbruck

Zu einem besonderen Juwel haben die Architekten Betina Hanel und Manfred Sandner die Tourismus Information am Burggraben geformt. Die Geschichte dieses Gebäudes allein ist schon phänomenal, handelt es sich doch um ehemalige Stallungen. Nachzulesen ist diese in meinem Blogbeitrag aus der Zeit der Umbauarbeiten.
Der Boden wurde auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt, das prägnante Gewölbe freigelegt, die Innenwände und die raumprägenden Brecciensäulen restauriert. Eine lange Rampe und Treppen führen in den Servicebereich. Entstanden ist so eine großzügige, klar strukturierte Halle mit Aufenthaltsqualität. Die Fenster versahen die Architekten mit perforierten Keramikarabesken. Sie verweisen darauf, dass sich die Außenwand des Gebäudes ursprünglich Teil der Stadtmauer war.

Eine Anerkennung der Jury erhielt der Umbau der Tourismus Information für die Region Innsbruck am Burggraben. Foto: © Günther Kresser

„Den ArchitektInnen ist Bemerkenswertes gelungen: Die Freilegung und Transformation eines historischen Raumes, der durch diesen modernen Eingriff – mit viel Gespür für Poesie – verblüffender Weise zeitlos wurde und damit eine wunderbare Fortführung der Geschichte erzählt”, heißt es im Jurytext.

Bauherrschaft: Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer
Architektur: Betina Hanel, Manfred Sandner
Tragwerksplanung: aste | weissteiner

Die Ausstellung „Neues Bauen in Tirol“ bietet die Gelegenheit, sich 14 weitere herausragenden Beispiele aktuellen Architekturschaffens in Tirol anzuschauen, Detailansichten zu betrachten und Pläne zu studieren. Und sie macht Gusto auf eine architektonische Erkundungstour durch Innsbruck und die Umgebung.

Wer sich für die Architekturgeschichte Innsbrucks interessiert, Kristina Erhart hat darüber gebloggt.
architek[tour] Tirol liefert regionale und thematische Vorschläge für Touren.

Neues Bauen in Tirol 2020
Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020
bis 20.2.2021

aut. architektur und tirol
im Adambräu/Südbahnstraße
Lois-Welzenbacher-Platz 1
6020 Innsbruck
Tel. +43 512 575167
Mail office@aut.cc
www.aut.cc
Aktuelle Öffnungszeiten und Informationen zur Corona-Prävention finden Sie auf aut.cc

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler