- #myinnsbruck - https://blog.innsbruck.info -

Ausstellung: Die Verwerfung im BTV Stadtforum

Was verbindet uns? Was trennt uns? – Zwei Fragen, eingebettet in ein fantastisches Bergpanorama und schon ist die Neugierde geweckt. Die großformatige Graphic Novel „Die Verwerfung“ [1] von Carlos Spottorno und Guillermo Abril zieht sich durch die Räume des BTV Stadtforums.

Was verbindet uns? Was trennt uns darüber hinweg? – fragen Carlos Spottorno & Guillermo Abril.

Sie führt die Besucher zum Sarkophag Kaiser Maximilians [2] in der Hofkirche [3] über die Brennergrenze nach Bozen, auf die Seiser Alm, weiter nach Asiago – und wieder retour – in den Brenner Basistunnel [4], der nach seiner Fertigstellung Innsbruck und Franzensfeste (Südtirol/Italien) miteinander verbinden wird.

Vor der Verwerfung

Die beiden spanischen Journalisten verknüpfen Fotografie, Literatur und Journalismus – und verarbeiten diese in einer Graphic Novel, die sich verfremdeter Fotografien bedient.
Schon 2016 sorgten Spottorno und Abril international für Aufsehen mit ihrer Reportage über die europäischen Außengrenzen: „La Grieta“, in Deutsch „Der Riss“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Die Spurensuche führt die beiden spanischen Journalisten u.a. in die Innsbrucker Hofkirche, auch „Schwarzmander-Kirche“ genannt.

Das innere Gefüge der Europäischen Union interessiert die zwei: Was hält die EU zusammen? Woraus besteht der Kitt zwischen den Nationen? Und wie lässt sich der verstärken? – Die Europaregion Tirol, im Speziellen Südtirol, gilt als Vorbild in Sachen Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen, einer friedlichen Koexistenz.

Auflösung der Grenzen

Und so lud Hans-Joachim Gögl, Kurator von INN SITU [1], die beiden ein, den Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Italien, dem Bundesland Tirol und der Autonomen Provinz Südtirol zu untersuchen. Spottorno und Abril betrieben intensive Vorabrecherchen, wählten Schauplätze und Interviewpartner aus, bevor sie nach Innsbruck kamen.

Was macht Spaniens König Philipp der Schöne in der „Schwarzmander-Kirche“?

Wo sie ihr Abenteuer starteten. Zwei Mal zwei Wochen waren sie in der Region unterwegs, fotografierten, führten Interviews, ließen sich aber auch auf spontane Begegnungen ein. In Innsbruck trafen sie unter anderem Andreas Oberprantacher von der Universität Innsbruck, der als Grenzphilosoph arbeitet. „Die Grenze ist nicht mehr an der Grenze“, sagt er in der Graphic Novel. Und natürlich stellt sich sofort die Frage. Wo dann? – „Die Verwerfung“ geht dieser Frage nach.

Wo die Sonne untergeht

In der Hofkirche, auch als Schwarzmander-Kirche bezeichnet, sticht den Spaniern natürlich besonders das Standbild des spanischen Königs Philipp des Schönen [5] ins Auge. Immerhin haben sie in der Schule gelernt, dass im riesigen spanischen Reich einst die Sonne nie unterging. Nun erfahren sie, dass österreichische Schüler das Gleiche hören, nur aus anderer Perspektive: Im Habsburger-Reich ging die Sonne nie unter.

Ihre Recherchen haben die beiden Journalisten in Form einer Graphic Novel aufbereitet.

Dabei sollte gerade in der Europäischen Union weniger der Nationalismus weitertradiert werden, mehr das Gemeinsame zwischen den Staaten. Auch das Riesenrundgemälde im Tirol Panorama [6] liefert eine einseitige und – verklärende – Sicht auf den Aufstand der Tiroler gegen die Bayern 1809.

In einer Graphic Novel

Mit eingängigen Bildern und knappen, aber pointierten Texten führen einen Spottorno und Abril durch die Geschichte dieser Region, ebenso wie durch Landschaften, weben Gespräche mit Menschen ein. Die Bildgeschichte übt dabei eine wirklich starke Sogwirkung aus. Ich schreite von Sequenz zu Sequenz, von Raum zu Raum – werde Teil des Comics.
Das idyllische Bild der Seiser Alm bekommt Risse durch den Immigranten, der Blätter zusammenkehrt. Die Idee von der großen Freiheit am Berg wird durchkreuzt von einem Schild, das den Zutritt verbietet.

Die Reise führte Spottorno und Abril von Innsbruck über den Brenner bis nach Asiago und retour.

Die spannende Reise durch Raum und Zeit hat immer wieder komische, humorige Momente. Etwa wenn die beiden Spanier nach einer Autopanne im Zug nach Innsbruck mit jungen Südtirolern ins Gespräch kommen, die hier „irgendwas Wissenschaftliches“ studieren wollen.

Der verbindende Tunnel

Beginnt die Graphic Novel mit einem Blick über das Alpenmassiv, so endet sie mit dem Blick aus dem Brenner Basistunnel. An diesem großen Infrastrukturprojekt wird von italienischer wie von österreichischer Seite aus gearbeitet. Im Süden von Innsbruck, am Eingang zur Sillschlucht befindet sich eine der großen Baustellen.

In Osttirol (Bezirk Lienz) befindet sich mit Aguntum die einzige römische Stadt Tirols.

Den Brenner Basistunnel sehen Spottorno und Abril auch als Sinnbild dafür, die Grenze zwischen den Ländern aufzuheben. Im Gebirgsmassiv treffen zwei tektonische Platten aufeinander: Die Adriatische Platte driftet auf die Eurasische. Die beiden verursach(t)en die Auffaltung der Alpen, der Brenner Basistunnel wird diese Verwerfung gleichsam überwinden.

Grenzen im Kopf

„Vielleicht liegen die Grenzen heute, mehr denn je, in uns – im Kopf“ – steht am Ende eines wirklich aufregenden Parcours durch eine Graphic Novel. Kurzweilig, informativ und eindrücklich: „Die Verwerfung“ von Carlos Spottorno und Guillermo Abril ist wirklich toll gemacht und eine Ausstellung, die man gesehen haben muss.

Die Ausstellung „Die Verwerfung“ wurde speziell für das BTV Stadtforum Innsbruck konzipiert.

Carlos Spottorno & Guillermo Abril
„Die Verwerfung“
bis 14. August 2020
im Rahmen von INN SITU – Fotografie, Musik, Dialog

BTV Stadtforum Innsbruck
Stadtforum 1
6020 Innsbruck
Tel. +43 505 333 – 1409
Mail info@innsitu.at
www.innsitu.at [1]
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr
Eintritt frei
Bitte die geltenden Hygienebestimmungen einhalten!

Ein stets aktueller Überblick über das Ausstellungsprogramm in Innsbruck findet sich online im Veranstaltungskalender. [7]

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler
Titelbild: © Carlos Spottorno

[8]