Das Bauwerk stammt aus einer Zeit, in der die Post gerade anfing, etwas Luxuriöses, um nicht zu sagen Elitäres zu sein. Die Erfinder des Postverkehrs, die Familie Thurn und Taxis, gab dem Palais Taxis in der Maria-Theresienstraße nicht nur den Namen. Auch das ganz spezielle Flair geht auf die kunstsinnige Familie zurück. Dieser Stadtpalast gehört mit Sicherheit zu den repräsentativsten und schönsten historischen Bauwerken Innsbrucks.

Die Entwurfszeichnung für das Fugger’sche Stadtpalais von Johann Martin Gumpp d.Ä. Bild: wikipedia

Landläufig als ‚Palais Taxis‘ bekannt, müsste das Gebäude eigentlich ‚Palais Fugger‘ heißen. Denn es war Ottheinrich Melchior Graf Fugger-Kirchheim, der Johann Martin Gumpp im Jahre 1679 den Auftrag zur Planung eines Stadtpalastes gab. Er kaufte das Areal einer einstigen Plattnerei, vermutlich jener der Gebrüder Seusenhofer. Die beiden waren Anfang des 16. Jahrhunderts berühmt für ihre  Ritterrüstungen, fertigten aber auch lustigere Dinge. Deren Gebäude standen damals vermutlich nur noch als Brandruinen quasi sinnlos in der Gegend herum als der Fugger-Spross das Gelände kaufte. Das daraufhin erbaute barocke Baujuwel – nach dem Vorbild Genueser Palastanlagen geplant – ist vor allem ein Glanzpunkt im Schaffen der Innsbrucker Baumeisterfamilie Gumpp.

Das Palais Taxis samt Altem Landhaus. Stich Anfang des 19. Jahrhunderts. Bild: wikipedia

Ein Palais als Postamt

Den heutigen Namen ‚Palais Taxis‘ erhielt das Gebäude erst 1784, als es vom ‚tirolischen Erbpostmeister‘ Joseph Sebastian Thurn und Taxis gekauft wurde. Der suchte schon länger ein repräsentatives Gebäude für sein Postamt. So konnten im Erdgeschoss neue Postlokale, Unterkünfte für Bedienstete und Stallungen errichtet werden, die dem zunehmenden Postverkehr gerecht wurden. Im 19. Jahrhundert nahm der Postbetrieb dann so stark zu, dass auch die Räume im ersten Stock in den Betrieb einbezogen wurden.

Die gräfliche Familie der Thurn und Taxis bewohnte anfänglich also das erste und zweite Stockwerk. 1785 beschloss man, den Festsaal neu zu gestalten und auch mit Fresken auszustatten. 1786 hatte der Maler Martin Knoller die Arbeiten abgeschlossen. Darunter befindet sich ein ganz berühmtes Deckenfrestko, nämlich „Das Urteil des Paris“.

Palais Taxis, Kunsthalle Tirol

Die einstige Toreinfahrt ins Palais Taxis. Heute Eingang zur Kunstalle Tirol für moderne Kunst.

Ein Prunksaal als Postamt-Wartesaal 

Der Besitzer, Ferdinand Graf Taxis, befürchtete mit Recht, dass durch die Nutzung des Prunksaals für Postzwecke „dem herrlichen Freskobild“ Schaden zugefügt werden könne. Die Vereinbarung mit der inzwischen als Mieter auftretenden k.k. Post- und Telegrafendirektion sah nun vor, den Prunkraum strikt ‚nur’ als Wartesaal für die Postkunden zu verwenden. Welch ein Luxus!

Der Prachtsaal des Palais mit den Fresken von Martin Knoller war einst ein Wartesaal Bild: Kulturraum Tirol

Auf eine kuriose Episode im Jahr 1881 möchte ich noch zu sprechen kommen. Weil sie irgendwie heute noch für Tirol ‚normal‘ ist. Graf Taxis war sich gar nicht mehr sicher, ob die Venus auf dem Fresko nicht doch zu offenherzig dargestellt wird. Er fragte den Historien- und Kirchenmaler Franz Plattner (1823 – 1887) an, ob aus ‚sittlichen Gründen‘ eine Übermalung des Freskos mit dem Parisurteil nicht doch ins Auge gefasst werden sollte. Nach längerem hin und her und unter Beiziehung anderer Malerei-Experten vermied man es aber dann doch, „die gröbsten Nacktheiten zu verdecken“. Das ‚löbliche‘ Vorhaben verlief im Sand.

Das Taxispalais wird zur Kunsthalle

1905 schließlich wollten die Taxis mit dem Palais Taxis nichts mehr zu tun haben. Einerseits war der Postbetrieb auf ein Ausmaß angewachsen, dem das Palais nicht mehr nachkommen konnte. Andererseits wollte die Familie auch gar nicht mehr zurück und verkaufte es schließlich um 400.000 Kronen dem Tiroler Landtag. Und in dessen Besitz ist es noch heute.

Die Göttin Juno auf dem Fresko von Martin Knoller mit dem Titel: Das Urteil des Paris. Bild: Kulturraum Tirol

Man möchte meinen, die Kunstsinnigkeit der Vorbesitzer Fugger und Thurn und Taxis hätte sich im Gebäude quasi erhalten. Denn die im Jahre 1964 gegründete ‚Galerie im Taxispalais‘ und ihre Nachfolgerin, das „Taxispalais-Kunsthalle Tirol“, sind seit Jahrzehnten ein Fixpunkt moderner Kunst in Innsbruck.

Adaption und Umbau der ehemaligen Galerie in eine kleine Kunsthalle bescherten den Architekten Hanno Schlögl und Daniel Süß im Jahre 1999 sogar den österreichischen Bauherrenpreis. Neben den Aufgaben als Galerie zeitgenössischer Kunst begleiten Künstlergespräche, Vorträge und Podiumsdiskussionen das Ausstellungsprogramm.

Die öffentlich zugängliche Bibliothek mit einer großen Auswahl an Kunstkatalogen, Kunst- und Kulturzeitschriften bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich über Hintergründe und aktuelle Positionen der modernen Kunst zu informieren.

Unser Linktipp: Kunsthalle Tirol im Taxispalais