Einer der bekanntesten Herbstmärkte Tirols fällt heuer in der bisherigen Form der Corona-Pandemie zum Opfer. Die beliebten Haiminger Markttage waren seit 1987 für viele Innsbrucker eine herausragende Gelegenheit, sich einen Wintervorrat an Äpfeln, Kartoffeln und Gemüse anzulegen. Und natürlich eine Art Volksfest zu genießen, das bereits als Oberländer Brauchtum gilt. Dennoch: Es besteht kein Grund zur Sorge.

Kirche Haiming

Das Wahrzeichen der Gemeinde ist die Kirche. Schon um 1384 wurde in Haiming die erste Kirche geweiht. ©W. Kräutler

Die Verkaufstage als organisierter Ab-Hof-Verkauf

An die Stelle der Markttage werden heuer die Haiminger Verkaufstage treten. An den gewohnten Markttag-Terminen, also am 10. und 17. Oktober, bieten die Haiminger Bauern und Betriebe heuer ihre Erzeugnisse nicht im Zentrum der Marktgemeinde, sondern direkt bei ihren Höfen an. Die Palette der Produkte reicht von den berühmten Haiminger Äpfeln, Gemüse, Haiminger Wein, Wurst- und Fleischwaren bis zu Brot, Gebäck und Pflanzen. Auch feine Schnäpse gibt’s wieder zu kaufen. Für das leibliche Wohl sorgen die Wirtshäuser des Ortes. Mit dieser Lösung können alle von den Gesundheitsbehörden geforderten Auflagen voll erfüllt werden.

Plan Verkaufstage Haiming

Der Lageplan der Verkaufstage. Am Ende des Beitrags steht der Plan zum Download bereit.

Haiminger Äpfel im Obstlager kaufen

Für Rudi Wammes, Bio-Apfelbauer und Obmann der Markttage, ist die heurige Änderung der Veranstaltungsform der Markttage keine Katastrophe. „Wir wissen, dass viele Innsbrucker Haushalte zu unseren Kunden zählen. Dieselben Produkte, die an den Markttagen zum Verkauf feilgeboten worden sind, gibt’s jetzt eben bei den Bauern direkt. Die berühmten Haiminger Äpfel verkaufen wir heuer im ortseigenen Obstlager.“

Huber und Rudi Wammes, Mag. Alexandra Harrasser

Hubert und Rudi Wammes mit der Geschäftsführerin des Haiminger Obstlagers, Mag. Alexandra Harrasser. ©W. Kräutler

Wie überhaupt die Äpfel an der Wiege der Haiminger Markttage gestanden sind: Als Hubert Wammes in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Apfelzucht begann, wurde er noch belächelt. Gemeinsam mit anderen Bäuerinnen und Bauern suchte er damals auch gleich alternative Vermarktungsmöglichkeiten. Das war die Uridee zur Gründung der Markttage.

Das damals errichtete Obstlager machte Haiming dann vollends zur Nordtiroler Apfelgemeinde Nummer eins. Es sichert die Qualität der Äpfel, die im Lager über Monate hinweg frisch und saftig gehalten werden können. Keine Frage: Äpfel sind zu einer wichtigen Einkommensquelle für die Haiminger Bauern geworden.

Äpfelzucht Haiming

Die heurige Apfelernte in Haiming ist vielversprechend. ©W. Kräutler

Renaissance des Weinbaus in Haiming

Das unverwechselbare Mikroklima im Mittleren Oberinntal hat ein weiteres Produkt gefördert: den Wein. Der Weinbau erlebt auch deshalb eine Renaissance, weil auch auf diesem Gebiet ein Haiminger Pionier Grundlagenarbeit geleistet hat. Peter Zoller von der Kellerei Zoller-Saumwald hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, seine Weine zu einer gleichermaßen bekannten und selbst von Sommeliers geschätzten Marke zu machen. Nationale Weinauszeichnungen belegen die Qualität aus Haiming.

Kirchenriese, Kellerei Zoller-Saumwald

Die Kirchenriese der Kellerei Zoller-Saumwald am Abhang des Tschirgantmassivs in Haiming. ©Zoller-Saumwald

Am 10. und 17. Oktober: die Verkaufstage als ‚Drive-in‘

Wie wird nun die ‚Ersatzlösung’ für die Markttage gestaltet? Den Kunden wird geraten, ihre ‚Einkaufstour‘ bei den Verkaufstagen an einer der Einfahrten nach Haiming zu beginnen. Wer in Ötztal-Bahnhof beginnt, gelangt auf der als Einbahnstraße gestalteten Wiesenstraße zur Blumenwelt Norz-Tichoff und ins Obstlager. Hier sind ‚Drive-In’ Abholungen möglich. Nach Aufgabe der Bestellung wird die Ware anschließend ins Auto geladen.

Biohof Glatzl

Am Ortseingang Haiming Mitte erreicht man als erstes den Biohof der Familie Glatzl. Von Kartoffeln, Lagergemüse, Getreide, Mehl, Polenta, Muesmehl, Teigwaren, Flakes, Bauernbrot, Speck, Würste bis zu Bio-Whiskey reicht das Angebot. Ich habe den Hof in meinem privaten Blog beschrieben.

Glatzl-Mühle, Haiming

Das Bio-Mehl des Biohofes Glatzl wird in der hauseigenen, wasserbetriebenen Mühle in Haiming gemahlen. ©W. Kräutler

Edle Tropfen aus Haiming von Zoller-Saumwald

Wer Weine von Zoller-Saumwald nicht missen will, überquert bei Magerbach den Inn. Peter Zoller war es, der die Möglichkeiten des Weinbaus in Haiming schon früh erkannt hatte. Dass er jetzt einen selbst von Sommeliers gerühmten Weißwein produziert, ist die logische Folge seines persönlichen Engagements. Und des einzigartigen Mikroklimas in Mittleren Oberinntal.

peter zoller und elisabeth saumwald

Die Tiroler ‘Paradewinzer’: Peter Zoller und Elisabeth Saumwald. @Zoller-Saumwald

Auf ein Reiseachtel’ in den ‚Zickeler‘

Gasthaus Zickeler Haiming

Der legendäre ‘Zickeler’ in Haiming. ©W. Kräutler

Natürlich ist auch bei den Verkaufstagen für Speis und Trank gesorgt.  Die Wirtshäuser des Ortes laden zu einem gemütlichen Hock. Ein Haiminger Gasthaus möchte ich allerdings empfehlen. Es ist mit seinem Vulgo-Namen bekannt und im Oberland eine formidable Berühmtheit. Niemand kennt  den ‚Stern‘ an der Alten Bundesstraße. Wer hingegen vom ‚Zickeler‘ spricht, stößt auf allgemeines und zufriedenes Kopfnicken. Das Gasthaus ist eine Legende, hochgelobt für seine Gemütlichkeit.

Ich verschweige nicht, dass der ‚Zickeler‘ lange Jahre mein Stammgasthaus war, das ich an den Verkaufstagen mit Sicherheit aufsuchen werde.

 

Meine Tipps:

  • Die Verkaufstage finden an den beiden Samstagen 10. und 17. Oktober 2020 jeweils von 10 bis 16 Uhr bei jeder Witterung statt.
  • Den Lageplan Haiminger Verkaufstage am besten downloaden.
  • Parkplätze befinden sich auf dem Gemeindeplatz, in der Parkgarage und bei Billa.
  • Eine Einbahnstraßenregelung samt Leitsystem wird das Auffinden der einzelnen Direktverkaufsstellen sehr erleichtern.
  • Die WC-Anlagen im Gemeindezentrum sind geöffnet.