So gerne ich selbst auch Karten spiele, so sehr bin ich von jedem sportlichen Ehrgeiz befreit. An einem Watterturnier habe ich bisher noch nie teilgenommen. Meine Spieleinsätze beschränken sich meist auf ein paar Runden an Heiligabend, das ist aber Tradition. (Die Watterpartie zu Weihnachten 2017 war für meinen Bruder und mich übrigens eine vernichtende Niederlage. Gegen die Eltern. Der Abenthungsche Weihnachtsfrieden blieb trotzdem ungefährdet. Bildbeweis oben.) Glücklicherweise habe ich aber einige Bekannte, die nicht nur leidenschaftlich gerne watten, sondern auch regelmäßig an solchen Turnieren teilnehmen. Sie dienen mir dankenswerterweise als wichtige Informationsquellen für diesen Artikel. Doch eins nach dem anderen …

Spielregeln

Seit dem Schularbeitenthema „Spiel- oder Kochanleitung“ zu Hauptschulzeiten habe ich keine Spielanleitung mehr geschrieben. – Leute, das wird jetzt was! Ich gebe jedenfalls mein Bestes …

Watten

„Watterkarten“ (Doppeldeutsche Spielkarten): alle 33 Blatt

KARTEN

Watten wird vor allem in Österreich, Bayern, Südtirol und der Schweiz gespielt. Das Spiel hat eine lange Tradition. Einige der ältesten erhaltenen Spielkarten Europas wurden im Tiroler Oberland in Fließ gefunden und konnten auf 1460–65 (!) datiert werden.* In Regeln und Karten gibt es regionale Unterschiede. In Nordtirol wird mit 33 Blatt der Doppeldeutschen Spielkarten gespielt. Das Spielkartenset besteht aus den vier Farben Herz, Schell, Laub und Eichel, jeweils mit Siebener, Achter, Neuner, Zehner, Unter, Ober, König und Ass. Zusätzlich gibt es den Weli, den Schellsechser, der in allen Farben als Trumpf gilt.

SCHLAG UND TRUMPF

Watten kann man in allen erdenklichen Varianten, zu zweit, zu dritt, zu viert und zu sechst. Klassisch ist aber das Viererwatten, bei dem zwei Zweierteams gegeneinander spielen. Die Teampartner sitzen einander gegenüber. Jeder Spieler erhält vom Geber fünf Karten, der Geber wechselt nach jeder Runde im Uhrzeigersinn. Nur der links vom Geber sitzende Spieler und der Geber selbst dürfen die Karten anschauen, denn sie „sagen an“. Der links vom Geber Sitzende bestimmt den Schlag, das ist eine Ziffern- oder Figurenkarte, z. B. Siebener oder Ober. Der Geber selbst sagt den Trumpf an, also die Farbe (Herz, Schell, Laub oder Eichel). Jetzt dürfen alle ihre Karten anschauen.

Watten

Mit welcher Karte kann man den Stich holen?

STICHE

Der Schlagansager spielt eine Karte aus, im Uhrzeigersinn wirft jeder eine Karte. Ziel ist es natürlich, zu stechen. Das Team mit drei Stichen gewinnt die Runde. Geht eine Farbe aus, die nicht Trumpf ist, so kann man sie mit einer höheren Karte in gleicher Farbe stechen, z. B. Schellkönig sticht Schellzehner (Farbstich). Trumpf sticht die anderen Farben, hoher Trumpf sticht niederen Trumpf, Schlag sticht Trumpf.
Die beste Karte ist der Schlag in Trumpffarbe, der sogenannte Rechte. Mit dem Rechten kann man die anderen Schlagkarten, die Blinden, stechen. Derjenige, der den Stich macht, streift die Karten ein und spielt eine neue Karte aus.

Gute Watter haben die Karten genau im Blick und zählen mit, welche Karten noch im Spiel sein könnten. Offen bleibt immer die Frage, welche Karten im Reststapel liegen bleiben und nicht ausgegeben werden. Im Tiroler Watterbuch steht: „(…) Beim Watten ist neben Erfahrung, Geduld, Disziplin und Mut vor allem auch Flexibilität und Intuition angesagt.“

DIE SCHRIFT

Der Spielstand wird laufend schriftlich festgehalten. „Die Schrift“ sollte man immer gut im Auge behalten. Eine Runde ist zwei Punkte wert, es besteht aber die Möglichkeit, zu „bieten“. – Normalerweise macht man das mit einem besonders guten Blatt. (Oder man blufft.) – Durch das Bieten wird der Wert der Runde erhöht, zum Beispiel auf drei, vier oder mehr Punkte. Die gegnerische Mannschaft muss entscheiden, ob sie das Gebot „halten“ möchte oder „geht“. Wenn man geht, schreiben die Bieter normal zwei Punkte. Wird gehalten oder weitergeboten, schreiben die Sieger der Runde den gebotenen Wert.
Ein Spiel ist bei elf Punkten zu Ende, das ist aber auszumachen, man kann zum Beispiel auch bis 15 spielen. Bei einem Elfer-Spiel ist man mit neun und zehn Punkten „gestrichen“. Wer gestrichen ist, darf nicht mehr bieten (sonst zwei Strafpunkte!). Das Verliererteam bekommt „a Bummerle“ oder „an Knödl“, einen schwarzen Punkt. Verliert man zu Null, ist man „geschneidert“ worden. Das tut doppelt weh, daher bekommt man gleich zwei Bummerlen.

Alles klar soweit? – Am besten lernt man das Spiel durch „Learning by Doing“. Bei Fragen zu den Watterregeln wendet man sich am besten an eine erfahrene Spielerrunde.

Watten

Ansagen beim Ladinisch Watten: Herzsiebener.

Varianten

Soweit die Grundregeln. Sondergeschichten gibt es zuhauf, diese würden hier aber zu weit führen. Eine besonders beliebte Wattervariante ist das „Ladinern“ (auch mein Favorit). Dabei wird nicht wie oben beschrieben angesagt, sondern der links vom Geber sitzende Spieler und der Geber selbst zeigen sich je die unterste Karte ihres Blatts (ohne die Karten davor anzuschauen). Diese Karten sind Schlag und Trumpf. Nur sie wissen, was angesagt ist, die jeweiligen Partner müssen gut aufpassen und draufkommen, was Sache ist.

Weitere Varianten sind mit „Gutem“ oder „Kritisch Watten“. Generell ist es verboten, während des Spiels über die Karten zu reden. Deshalb wird oft „gedeutet“, also dem Partner mittels Augenzwinkern oder Fingergesten gezeigt, dass man zum Beispiel den Rechten auf der Hand hat. Gut eingespielte Teams können sich so oft sehr gut verständigen.

Turniere im Watten

Der Samstag, 3. Februar 2018, war ein besonderer Wattertag – und ein Tag vieler Premieren. Für mich als Zuschauerin beim Dinzler Winter-Watterturnier, für meinen Bruder Andreas und seine Freundin Valerie als Teilnehmer ebendort und für Hannes und Manuel beim großen Preiswatten in Telfs.

Watten

Die Gruppenphase im Dinzler am späteren Nachmittag …

DINZLER WINTER-WATTERTURNIER

In der Innsbrucker Bar Dinzler finden regelmäßig Watterturniere statt. Zum Winter-Watterturnier 2018 traten 14 Teams an, um 13:00 Uhr ging’s los. Gespielt wurde Ladinisch Watten mit Gutem, jedes Spiel bis 15 Punkte. Ich machte mir am späteren Nachmittag vor Ort ein Bild davon und konnte so auch einige Bekannte (neben meinem Bruder und seiner Freundin auch Eva und Roman) live im „Wettkampf“ sehen. Leider schieden „meine“ beiden Teams nach der Gruppenphase aus, denn nur die besten vier Teams jeder Gruppe kamen ins Achtelfinale. Die Stimmung war sehr gut und ziemlich locker (und nicht im geringsten verbissen-ernst und sportlich-ehrgeizig, wie ich das befürchtet hatte). Man merkt, dass der Spaß bei allen im Vordergrund steht, was mir Martin und Mike vom Dinzler bestätigten. (Das fand ich sehr sympathisch und jetzt überlege ich, ob ich nicht doch mal bei so einem Turnier mitspielen sollte …) Martin spielte übrigens auch mit.

Watterturnier Dinzler

Eine gut gelaunte Finalrunde. Die Sieger David & Marco und die Zweitplatzierten Laurenz & Matthias (v. l. n. r., Fotos: Martin/Dinzler)

Gewattet wurde bis circa 22:00 Uhr (!!). David und Marco gingen vor Laurenz und Matthias als Sieger vom Platz. (Bravo!) Das Startgeld von 5 Euro je Team wurde vollständig als Gewinn ausgeschüttet, zusätzlich gab’s großzügige Getränkeschecks vom Dinzler mit Unterstützung der Brau-Union.
Neben den Watterturnieren ist im Dinzler immer was los! Wer beim nächsten Turnier oder bei besonders kreativen Veranstaltungen wie zum Beispiel Mario-Kart-Rennen auf einem Nintendo 64 dabei sein möchte, sollte die Veranstaltungen auf Facebook oder Aushänge in SOWI-Nähe im Auge behalten. Abgesehen davon ist das Dinzler ganzjährig ein Watterlokal, diverse Stammrunden spielen regelmäßig dort.

Preiswatten Telfs

Tirols größtes Preiswatten findet traditionell im Rathaussaal in Telfs statt. (Foto rechts: Hannes Pargger)

DAS GROSSE PREISWATTEN IN TELFS

Am Samstag um 18:00 Uhr startete in Telfs zum 25. Mal das größte Preiswatten in Tirol. 120 (!!) Teilnehmer spielten an 25 Tischen um 512 ausgegebene Lose (zu je 30 Euro). Hier wurde Viererwatten gespielt, jedes Spiel bis elf Punkte (Spielregeln hier).

Unter den Spielern waren meine „Informanten“ Hannes und Manuel, die ein gut eingespieltes Watterteam sind. Für sie war es trotzdem eine Premiere, an einem Turnier in dieser Größenordnung, nach dem Los-System und diesen Turnierregeln zu spielen. Sie schlugen sich tapfer in vier Runden, unter anderem auch gegen die Vorjahressieger! Die beiden zählten eher zu den jüngeren Spielern, ihnen gegenüber standen viele sehr routinierte Teams.

Nach unglaublichen 13 Stunden (!!) standen die Sieger fest. Noch unglaublicher ist, dass das Gewinnerteam bei allen 25 Preiswatter-Turnieren in Telfs teilgenommen hat. Die erfahrenen Kartenspieler Wolfgang Thurner und Albin Muglach aus Imsterberg gewannen mit dem Turnier auch ein Preisgeld von 4.800 Euro. (Glückwunsch!)

Preiswatten Telfs

So sehen Sieger aus: Wolfgang Thurner & Albin Muglach mit Veranstalter Christian Santer. (Foto: Hubert Mussack)

Bei aller Fantasie kann ich mir nicht vorstellen, 13 Stunden lang zu watten. Großen Respekt vor dieser Leistung!
Ein Blick auf die Siegerliste des Preiswattens in Telfs zeigt, dass nur eine einzige Frau unter den Gewinnern ist. Hannes und Manuel bestätigen, ebenso wie mein Besuch im Dinzler, dass Frauen bei Watterturnieren eindeutig in der Unterzahl sind. Woran das liegen mag, bleibt mir ein Rätsel. Aber vielleicht holen wir Damen da in Zukunft noch auf …

Der Termin für das nächste große Preiswatten in Telfs steht jedenfalls schon fest: Samstag, 2. Februar 2019.

Weitere Watterturniere

… finden auch im Weli, DEM Spielelokal in Innsbruck, statt. Einen passenderen Namen für ein Lokal mit Watterturnier gibt es nicht! Demnächst Mixwatter-Turnier am Sonntag, 4. März 2018.

Anekdoten

Zum Abschluss: Der berühmte Bart des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer hat tatsächlich etwas mit einer Watterpartie zu tun. 1800 spielte Hofer gegen seinen Schwager, der stichelte ihn an und sagte, Hofer würde nur „bieten und halten“. Hofer wollte sich das nicht nachsagen lassen und schlug folgende Wette vor: Wer nach einem Jahr den schöneren Bart hätte, sollte vom anderen zwei Jahrlinge (einjährige Ochsen) bekommen. Hofer gewann mit seinem schönen Bart diese Wette und die Ochsen, behielt die Gesichtsbehaarung aber bei, obwohl Bärte zu der Zeit nicht in Mode waren. Der Bart wurde sein Erkennungszeichen.

Telfs scheint schon lange ein wichtiger Punkt zu sein, was das Watten betrifft. An der Hauptschule Telfs gab (oder gibt?) es Watten als Freifach. (Wie geil ist das denn, bitte?) Würde ich nochmal zur Schule gehen, wäre das mein Lieblingsfach. Im Tiroler Watterbuch steht diese Episode übrigens unter dem Titel „Watten müsste in der Schule Pflichtfach sein“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Besten Dank an das Dinzler-Team Martin und Mike und an Hubert Mussack vom Preiswatten Telfs für die freundliche Auskunft und die Zusendung der Siegerfotos sowie an Andi und Valerie, Eva und Roman, Hannes und Manuel.

*) vgl. „Das Tiroler Watterbuch“, Hrsg. Tiroler Watterverein