Vom Inntal führt die Straße ins Sellraintal, am Bach entlang, die Fichten- und Lärchenwälder werden immer dünner, schließlich von saftigen grünen Weiden abgelöst. Hier stehen Rindviecher auch gerne mal auf der Straße und das Ortsschild hat sinnigerweise die Form einer Kuh – der Name kommt schließlich von Chutay, einer Kuhalm, die bereits im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Im Kühtai treffen sich im Sommer Busreisende, Motorradfahrer, Wanderer und – vor allem – Sportler. Und zwar Extremsportler.

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Ich wäre gerne eine von ihnen…im Kühtai kann sich das Sportlerherz austoben. Auch bei 16 Hindernissen bei der Xletix Challenge. Foto: Kristina Erhard


Sport mit Kuh.

Ich wäre gerne eine von ihnen. Eine, die in der Höhenluft ihre Leistung steigern will. Eine, die eine Woche im Höhenleistungszentrum Kühtai trainiert, mit Profisportlern aus aller Welt. Wenn das mal keine Motivation ist. Nur, meine Knie lassen es nicht zu. Deswegen übernehme ich erstmals eine andere, wichtige Funktion: ich begleite und beobachte, reiches isotonisches Bier und Bananen. Ich trage bei zur Fitness anderer. Und zwar beim Xletix Challenge, einem 16 Kilometer langen Hindernislauf quer durch die Bergwelt (der Event wird übrigens an acht spektakulären Orten von der Nordsee bis in die Alpen ausgetragen), an einem Staudamm entlang rauf und runter. Die Hindernisse tragen klingende Namen wie Burpee Boulevard, Clumsy Cliffhanger, Rotten River oder – furchterregend – Freaky Froster.

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Eiskaltes Wasser war ein mehrfacher Bestandteil der Xletix Challenge. Willkommene Abkühlung oder bibbernde Hürde? Foto: Kristina Erhard

Auch das Wetter trägt zur extremen Stimmung bei: Sonnenschein, Gewitter und Nebeln wechseln sich halbstündig ab, imposantes Gebirgspanorama vollendet das Bild der totalen, alpinen Herausforderung. Nur so viel: meine Jungs kamen durch, und irgendwie kam mir vor, das Lächeln war nach der Challenge fast noch breiter als davor. Und wie man in der Schirmbar und Grillständen rund um das Ziel mitbekam, ging es den meisten anderen Teilnehmern ebenso. Ich habe mir fest vorgenommen, nächstes Jahr selber am Xletix teilzunehmen. Davor werde ich jedoch trainieren, in Kühtais Höhenleistungszentrum.

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Die Xletix Challenge im Kühtai verlangte von ihren Bestreitern alles ab…am Schluss wurde gejubelt. Foto: Kristina Erhard


Bergschmiede.

Seit einem Jahr ist das Höhenleistungszentrum im Kühtai in Betrieb, außer der Anlage in Tirol gibt es Vergleichbares auf ähnlicher Höhe nur noch in Flagstaff im US-Staat Arizona und in der Sierra Nevada in Spanien. Im Kühtai finden Profis und Amateure, für welche die Anlage gleichermaßen offen steht, einen Multifunktionsplatz mit einer 400-Meter-Laufbahn, ein Kunstrasenfußballfeld, eine Sprung- und Wurfanlage sowie eine Skaterbahn fürs Eisschnelllauftraining. Sehr merkwürdig mutet beim Blick auf die 3000er der Sellrainer Berge die Tatsache an, dass hier oben auch auf einem Beachvolleyball- und Beachsoccerfeld gespielt werden kann. Strand gibt’s hier weit und breit keinen, allenfalls den kieselgesäumten Finstertaler Stausee, auf dem Ruderer trainieren.

Das Höhenleistungszentrum und seine Sportplätze. In der Höhe trainiert es sich anders. Foto: TVB Innsbruck

Das Kühtai liegt auf knapp 2000 Meter Seehöhe – da sportelt es sich ganz anders als im Flachland  Foto: TVB Innsbruck

Für mich als Kind der Berge zwar weniger, aber für all die anderen Sportler ist es gerade dieser Gegensatz zu den üblichen Übungen im Flachland, der das Training in der Höhe ausmacht. Die Anlage passt sich genauso wie mein persönlicher Favorit, die Finnenbahn (wusste davor nicht, was das ist), ideal in die Landschaft ein. Und sie muss natürlich getestet werden. Das Laufen auf Rindenmulch über einer Drainage aus Sand oder Kies fühlt sich butterweich an, meine Knie haben es mir gedankt. Ich drehe eine Runde nach der anderen, das gigantische Gebirgspanorama stets im Blick, merke, was es bedeutet, plötzlich auf 2000 Metern Höhe zu laufen. Der Atem wird immer schneller und schneller. Und das ist die Crux dabei: das Kühtai wurde zur Wettkampfvorbereitung schon vom österreichischen Radprofi Thomas Rohregger oder auch dem norwegischen Eisschnelllaufteam genutzt, die bereits ihre Runden drehten, kaum dass der Belag der Bahn befahrbar war. Als Laie darf man sich an den Leistungen dieser Größen nicht messen, die huschen wie ein Blitz an einem vorbei. Dennoch, am Abend gehe ich wie alle anderen Athleten – ob Hindernissläufer oder hochalpiner Inline-Skater – platt, aber mit einem guten Gefühl, in die Federn.

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Das Höhenleistungszentrum im Kühtai unterstütze auch die Xletix Challenge mit über 2000 Teilnehmern. Foto: Kristina Erhard

Ihr könnt auch mitmachen! Mehr Infos zu Lauf- und Trainingswochen findet ihr hier.