Da ging die Post ab! Beim 10. Europäischen Alpenkönig-Championat in Axams wartete ein riesiges Programm auf alle Pferdefreunde: Von imposanten Schwerzugleistungen über waghalsige Postreiter bis hin zu wilden Streitwagenrennen in original Ben-Hur-Manier – die „Fuhrmannstage“ am Postkutscherhof werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Zu Showzwecken wurde unter anderen anhand eines 14 t schweren Lastwagens demonstriert, was 4 PS im Zug alles leisten können.

Zu Showzwecken wurde unter anderen anhand eines 14 t schweren Lastwagens demonstriert, was 4 PS im Zug alles leisten können.

An einem trüben Sonntag am Dorfrand von Axams im westlichen Mittelgebirge bei Innsbruck: Es regnet in Strömen, aber ich bin gerüstet. Festes Schuhwerk, warme Kleidung und natürlich ein Schirm, damit wenigstens meine Kamera trocken bleibt. Ich bin schon gespannt auf den berühmten Postkutscherhof von Fuhrmann Fritz Ehrensperger. Hier geht an diesem Wochenende das 10. Europäische Alpenkönig-Championat über das Geläuf. Ein Pferdeevent der absoluten Extraklasse.

Ultimative Power

Das Areal des Postkutscherhofs kaum betreten, stehe ich schon vier wuchtigen, rabenschwarzen Rössern gegenüber. Dampf steigt von ihren gewaltigen Rücken auf.

Was für eine Erscheinung! Diese Burget-Pferde aus Belgien sollten sich am Ende als die Stärksten im Wettkampf erweisen.

Was für eine Erscheinung! Diese Burget-Pferde aus Belgien sollten sich am Ende als die Stärksten im Wettkampf erweisen.

Rund um die Pferde sechs Mann, die alle Mühe haben, sie im Zaum zu halten. Das Temperament sieht man diesen Burget-Hengsten aus Belgien wahrlich an und man merkt auch sofort, dass es heute nicht um Springreiten oder Dressur geht. Diese Tiere spielen in einer anderen – irgendwie überdimensionalen – Liga. Ich weiche einen Schritt zur Seite. Sicher ist sicher.

Ein Hauch von Wild-West

Und trete ein in Fritz Ehrenspergers Reich. Der Postkutscherhof ist ein zweistöckiges, ganz im Stile einer echten Ranch erbautes Gebäude, das heute freilich bis auf den letzten Platz gefüllt ist.

Bis auf den letzten Platz gefüllt: Das Pferdespektakel lockte Pferdefreunde aus Nah und Fern in den Postkutscherhof in Axams.

Bis auf den letzten Platz gefüllt: Das Pferdespektakel lockte Pferdefreunde aus Nah und Fern in den Postkutscherhof in Axams.

Im großzügigen unteren Bereich, aber auch oben, auf dem Balkon. Zwischen Geschirren, Wagenrädern, Sätteln und allerlei weiteren, passenden „Requisiten“ in den einen und flotten Rossersprüchen in den anderen Ecken. Überall tummeln sich Pferdefreunde aus ganz Österreich und weit darüber hinaus um die aus hellem Massivholz gefertigten Tische und Bänke.

Der Fall ist klar: Hier herrschen Fritz Ehrenspergers Gesetze!

Der Fall ist klar: Hier herrschen Fritz Ehrenspergers Gesetze!

Mit Hüten und langen Mänteln mischten sich auch viele Fachleute unters zahlreich erschienene Publikum.

Meist mit Hüten und langen Mänteln bekleidet, waren die Fachleute im zahlreich erschienenen Publikum auszumachen.

Während sich die einen noch bei einem Wiener Schnitzel stärken, blicken die anderen schon gebannt in die Arena. Jetzt, nach der Eröffnungsparade startet der Schwerzugleistungsbewerb der Vierspänner. Die stärksten Pferde Europas werden sich hier und jetzt messen. Ich bin gespannt.

Drei Tonnen Kampfgewicht

Ein Schlitten mit ordentlich Gewicht wird von einem Traktor in Position gebracht. Nach jeder Runde beladen ihn Ehrensperger’s Mannen mit zusätzlichen Strohballen. Im Finale wird das zu ziehende Gefährt über sechs Tonnen schwer sein. Das ist mehr als das Doppelte (!), als die Gespanne selbst auf die Waage bringen.

Der schwer beladene Schlitten soll im besten Fall 40 Meter weit gezogen werden. Das Gewicht erhöht sich mit jeder Runde.

Der schwer beladene Schlitten soll im besten Fall 40 Meter weit gezogen werden. Das Gewicht erhöht sich mit jeder Runde.

Immer mehr und noch ein bisschen mehr: Der Wettkampf zog sich über Stunden und der Schlitten wog am Ende über sechs Tonnen.

Immer mehr und noch ein bisschen mehr: Der Wettkampf zieht sich über Stunden und das Gesamtpaket wiegt am Ende über sechs Tonnen.

„Das Wetter ist perfekt, da sind die Pferde noch schärfer“, lässt uns der Chef des Hauses derweil über die Lautsprecheranlage wissen.

Der Chef des Hauses: Fritz Ehrensperger. Er versprach ein Event der Extraklasse und hielt sein Versprechen.

Der Chef des Hauses: Fritz Ehrensperger. Er versprach ein Event der Extraklasse und hielt sein Versprechen.

Er ist nicht nur der Organisator des Alpenkönig-Championats, sondern moderiert das Spektakel auch höchstpersönlich, bevor er am Ende als “Trusus” im Streitwagen durch das bebende Stadion donnern wird. Aber dazu später mehr.

Rocky, Rambo und Co. in Action

Jeweils vier Pferdestärken mit Kampfgewichten von insgesamt rund drei Tonnen werden nacheinander vor den Karren gespannt. Die Noriker, süddeutschen Halbblutpferde und die Vertreter anderer, starker Rassen mit klingenden Namen wie Rocky oder Rambo, aber auch Bubi oder Fritz sind für solche Wettbewerbe ausgebildet. Man sieht es ihnen an, dass sie in der Tat „heiß“ darauf sind, zu „arbeiten“.

Schwerstarbeit nicht nur für die Rösser, sondern auch die Fuhrleute.

Schwerstarbeit nicht nur für die Rösser, sondern auch die Fuhrleute.

Dementsprechend haben die Fuhrmänner oft große Mühe, die Rösser zurückzuhalten, bis Tier und Last endlich mit massiven Eisenketten verbunden sind und es mit einem lauten „Hüüüüaaaaaaaaa“ los gehen kann. Möglichst gleichzeitig sollte dann der Zug erfolgen. Die Muskeln der Kraftpakete sind bis auf das Äußerste angespannt, die Hufe graben sich in den nassen Boden, der Schlamm spritzt.

Jury, Tierarzt und händische Ampelregelung - es war dafür gesorgt, dass alles mit rechten Dingen zuging.

Jury, Tierarzt und händische Ampelregelung – es war dafür gesorgt, dass alles mit rechten Dingen zuging.

Wild schnaubend gelingt es den Pferden den Schlitten über die 40 Meter entfernte Ziellinie zu ziehen, oder eben irgendwann nicht mehr. Nach diesem k.o.-Prinzip werden unter den fachkundigen Augen von Schiedsrichtern die Champions ermittelt.

Wilder Galopp zum Abschluss

Ich bin beeindruckt. So viel geballte Power bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Auch das Publikum applaudiert begeistert. Dabei war das noch nicht alles. Nach dem „offiziellen Teil“ bilden die „Ungarischen Postreiter“ den Auftakt des Rahmenprogramms.

Die "Ungarischen Postreiter" jagen im Anschluss an den "offiziellen Teil" durch die Arena.

Die “Ungarischen Postreiter” jagen im Anschluss an den “offiziellen Teil” mit Vollgas aber auch viel Gefühl für die richtige Balance durch die Arena.

Auf zwei Pferden stehend (!) zeigen auch diese Männer eine tolle Show – da geht im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab. Gleiches gilt für das Finale im Ben-Hur-Streitwagenrennen, das der Hausherr gegen den ewigen Rivalen Fritz Deutschenbauer – beide voll bzw. originalgetreu adjustiert, versteht sich – zu bestreiten hat.

Nochmal Vollgas - diesmal im Streitwagen: Der Gladiator aus Germania muss sich allerdings am Ende dem Hausherren klar geschlagen geben.

Nochmal Vollgas – diesmal im Streitwagen: Der Gladiator aus Germania muss sich allerdings am Ende dem Hausherren klar geschlagen geben.

Der Gladiator aus Germania legt gut vor, aber dann kommt das Grande Finale von Fritz Ehrensperger alias Trusus.

"Trusus" alias Fritz Ehrensperger krönt sich zum Alpenkönig.

“Trusus” alias Fritz Ehrensperger krönt sich zum Alpenkönig.

„Ave Trusus“ schallt es durch die Arena, als der mit Vollgas um die Kurven donnert und keinen Zweifel daran lässt, dass er in dieser Disziplin nicht zu überbieten ist.

Postkutschen- und Schlittenfahrten

Als würde sich sogar der Wettergott Trusus, dem frisch gekrönten Alpenkönig beugen, hört es nach Stunden auf zu regnen und nach der Preisverteilung trete auch ich die Heimreise an. Ich werde diese Veranstaltung sicher noch lange in Erinnerung behalten und weiß jetzt genau, warum Fritz Ehrensperger nicht nur unter Fuhrmännern weit über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff ist.

Pferdefreundin Helga Spitzwieser ist extra aus Oberösterreich angereist, um beim Spektakel mit dabei zu sein.

Pferdefreundin Helga Spitzwieser ist extra aus Oberösterreich angereist, um beim Spektakel mit dabei zu sein.

Seine Poststallhalterei ist ganz einfach einzigartig in Österreich. Wenn auch Sie Lust haben, einmal am Postkutscherhof in Axams vorbei zu schauen, kein Problem – Familie Ehrensperger bietet ganzjährig romantische Postkutschen- und Schlittenfahrten durch die Olympiaregion, Hochzeitsfahrten im In- und Ausland, veranstaltet Tiroler Heimatabende wie damals, anno 1900 und man empfiehlt sich außerdem für Feiern aller Art von 10 bis 250 Personen in echtem Wild-West-Ambiente.

Die Kollegen vom SWR haben das Geschehen im Detail festgehalten. Der Bericht wird am Sonntag, 8. Oktober um 18.45 Uhr in der Sendung Treffpunkt ausgestrahlt.

Die Kollegen vom SWR haben das Geschehen im Detail festgehalten. Der Bericht wird am Sonntag, 8. Oktober um 18.45 Uhr in der Sendung Treffpunkt ausgestrahlt.

Das nächste Alpenkönig-Championat wird leider erst in gut zehn Jahren wieder in Tirol gastieren. Als kleines Trostpflaster bringt der SWR, der mit 18 Mann vor Ort war, aber kommenden Sonntag, den 8. Oktober um 18.45 Uhr in der Sendung Treffpunkt eine 30minütige Reportage über das Event.

Alle Fotos: Tamara Kainz