“Einsam fühlen werde ich mich heute sicher nicht.” dachte ich mir wenige Stunden vor dem Medaillenempfang von den erfolgreichen Olympia-Helden des Landes – aber mit über 5.000 emotional begeisterten Fans hatte ich ganz ehrlich auch nicht gerechnet.

Innsbruck ist eben eine Sportstadt. Das wussten auch die Organisatoren vom offiziellen Olympia-Empfang in der Maria-Theresien-Straße, der am 24. Februar 2014 stattfand. Schon weit vor 17 Uhr machten sich hunderte Fans sportlich auf, um die besten Plätze ganz vorne an der Bühne zu bekommen. Hautnah an den Stars dran sein. Das wollten sie alle. Junge Mädchen und Burschen genauso wie ihre Eltern und Großeltern. Es war ein Fest der Generationen. Sport bewegt alle. Und davon hat Tirols Landeshauptstadt genug zu bieten.

Medaillenempfang aus Sicht der Bühne

Innsbruck war immer schon eine Sportstadt. Dies wurde auch an diesem Abend groß ins Bewusstsein gerufen. „Und da war ich als Taxilenker dabei.“, hörte ich neben mir einen älteren Herrn mit funkelnden Augen zu seinem Enkel sagen. Es flimmerten gerade die Schwarz-Weiß-Bilder von Egon Zimmermanns Abfahrts-Triumph am Patscherkofel von 1964 über die Leinwand. Eines zeigten diese Bilder deutlich: Auch vor 50 Jahren  bei den Olympischen Winterspielen war Innsbruck eine Sportstadt. Die Begeisterung hat hier Tradition.

Medaillenempfang 2

Innsbruck gibt sich gern als bunte Stadt. Genauso bunt gemixt war das Vorprogramm zu den Olympia-Helden. Aber bitte mal ehrlich, wo folgt auf einen Schwarz-Weiß-Film aus den 1970-ern eine freche Tanzshow mit gekonnten Moves? „Wow cool“, war auch der kleine Junge mit dem eben noch sentimentalen Opa voll begeistert. Immer mehr Menschen strömten in Innsbrucks Einkaufsstraße. Diesmal aber gewiss nicht zum Shoppen. Vor lauter rot-weiß-roter Fahnen verlor ich auch den bereits lieb gewonnen Opa mit seinem Enkel aus den Augen.

Medaillenempfang 3

Aber was dann passierte waren Emotionen pur, oder wie Österreichs Ski-Superstar Marcel Hirscher es ausdrückte: „Abartig geil“. Erst Gänsehaut-Feeling bei den Bildern von Tirols zweifachem Medaillengewinner Dominik Landertinger, dann Muchsmäuschen-Stille beim Interview von Thomas Morgenstern und endloser Jubel bei den vier Olympiasiegerinnen und Olympiasiegern – allem voran natürlich beim Tiroler Mario Matt. Dazu ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer über die gesamte Maria-Theresien-Straße. Ja, man kann schon verdammt stolz auf diese Sportler und dieses Ambiente hier in Innsbruck sein, dachte ich mir. Und 5.000 Fans wohl mit mir.

Medaillenempfang 4

Dabei glich es einem Wunder, dass überhaupt alle Medaillengewinner noch rechtzeitig bei der Feier eintrafen. Die Live-Übertragung im Österreichischen TV sorgte zudem für Zeitdruck. Wir im Publikum bekamen das natürlich nicht mit. Als der Moderator aufklärte, wussten wir Bescheid. Die beiden Snowboarder waren erst vor wenigen Minuten am Flughafen gelandet – es war ein „Hundertstelkrimi“. Dieser konnte dank Polizeieskorte durch die halbe Stadt gewonnen  werden. „Ganz schön tricky, diese Innsbrucker“, musste sich wohl auch der schon vorher zitierte Marcel Hirscher denken.

So war es für alle – egal ob Fans oder Olympia-Helden oder einfach nur der Stadt – ein großer Abend in Innsbrucks Zentrum. Nein, nicht ganz. Einer musste einem einfach leid tun. Er war sozusagen der arme Hund  des Abends. Viele haben ihn wohl gar nicht gesehen. Ich habe ihn auch erst bemerkt, als ich die Feier Richtung Süden verlassen wollte. Hinter der Bühne stand ein großer Kran, der die überdimensionale Videowall fest hielt. Und in diesem Kran saß ein Kranfahrer. Die Ellbogen aufs Lenkrad gelegt schien er sich ziemlich zu langweilen. Mitbekommen hat er von der großen Fete wohl nichts. Eventuell liest er diese Zeilen und weiß dann auch, was auf der anderen Seite der Bühne so alles abging. Vielleicht ein kleiner Trost für ihn.

Mehr Informationen rund um das 50 jährige Jubiläum der Olympiastadt Innsbruck findest du hier: http://www.olympiastadt.at/