Bergfeuerwerke, Bus und Taschenlampe. In Innsbruck spielt sich eine typische Silvesternacht nicht nur in den Niederungen der Innenstadt ab. Um die “B-Sides” des Innsbrucker Bergsilvesters zu erleben, gilt es, Berge, Hügel und Denkmäler zu erklimmen und ins neue Jahr zu rutschen (und in den Hängen über Innsbruck bestimmt dieses Verb die Musik).

In Dunkelheit – gelbe Taxilichter sieht man in der Silvesternacht selten aufblinken, dafür umso mehr Stirnlampen, deren Träger den Weg nachhause suchen. Aber nicht nur dem wagemutigen Innsbrucker mit gewissen Ortskenntnissen stehen diese Möglichkeiten eines ungestörten Ausblicks samt einfacher An- und Abreise offen, sondern auch dem kreativen und abenteuerlustigen Gast, der die Geschehnisse im Blick behalten möchte – das aber mit größtmöglicher Grandezza und ohne Massen-bedingte Quetschungen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung ist das A und O eines B-Sides Silvesters abseits der Innsbrucker Massen: Abgesehen davon, dass es ratsam ist, sich festes Schuhwerk zuzulegen, weiß der Schlaue, dass die Supermärkte in der Innsbrucker Innenstadt am 31. Dezember schon gegen 16 Uhr zumachen. Den Champagner und passende Strohhalme und/oder Cocktailschirmchen sollte man sich also noch während der Öffnungszeiten besorgen. Der zweite Vorbereitungsschritt macht zwar keinen Schwips, erleichtert diesen aber ungemein: die Besorgung eines Busfahrplanes, denn auch beim Transport gilt: der Kluge organisiert seine An- und Abreise zu den B-Sides, denn die Nächte sind kalt, der Wald- und Wiesenboden hart und Alkohol wärmt im medizinischen Sinne den Körper nicht so, wie man es allgemein annehmen würde.

Der Innsbrucker unterscheidet gerne (wertend) diesseits und jenseits des Inns. Zumeist hat diese subjektive Bevorzugung der einen oder anderen Uferseite des Inns seine Wurzeln im Elternhaus und ist in einem weiteren geographischen Sinne zu verstehen: Mittelgebirge rund um Igls und dem Patscherkofel oder die Hungerburg mit dahinter liegenden Nordkette. Beide Talaufschlüsse haben ihre Vorzüge, in der Silvesternacht entscheidet man sich deswegen für eine Perspektive, rein optisch. Bindendes Glied und sogenannte Talschaukel ist die Buslinie J der Innsbrucker Verkehrsbetriebe, die den Talstation des Olympia Express am Patscherkofel mit der Talstation der Nordkettenbahn verbindet.

Am 31. Jänner fährt die Linie 1/J von der Haltestelle Anichstrasse ab 20:00 bis 23:00 und von 00:30 bis 04:30 im 30 Minuten-Takt nach Igls/Olympiaexpress. In die andere Richtung, auf die Hungerburg/Nordkettenbahn, fährt man ab 20:15 bis 23:15 und von 00:45 bis 04:45 ebenfalls im 30 Minuten-Takt.

Diesseits des Inns

Und der Ausblick? Ein Klassiker und vielfotografiertes Motiv ist Innsbruck aus der Perspektive der Hungerburg, knapp 300 Höhenmeter über dem Inn – auf der Nordseite des Tales. Leicht erreichbar und ohne GPS find- und erkennbar, ist die Talstation der Nordkettenbahn wohl die einfachste Alternative, dem Bergsilvester außerhalb urbaner Dichte beizuwohnen. Getränke und Snacks sollte man sich selbst mitbringen, denn leider hat eine der bekanntesten Bars der Hungerburg, die Wolke 7, im vergangen Sommer seine Türen für immer geschlossen. Aber ein Picknick weit über der leuchtenden Stadt? Keine schlechte Idee…und wer weiß, vielleicht stolpert man über eine Pop-up Bar in der Nachbarschaft, ganz nach dem Motto: Wer suchet, der findet.

Bergsilvester

Ein guter Start ins neue Jahr mit Blick auf Innsbruck. @TVB Innsbruck

Wacker marschierend erreicht man von der Talstation der Nordkettenbahn über einen Forstweg nach ca. 30 Minuten Fussmarsch die Arzler Alm, ein weiteres Juwel dieser Talseite. Kurze Distanz, wenig Steigung: unter Tags ein beliebtes Ausflugsziel für Senioren, sind ebendiese Attribute ein echtes Plus in der Silvesternacht. Dunkelheit, Schnee und Eis kann hier auch von den Ungeübten gehandhabt werden (richtiges Schuhwerk vorausgesetzt, und nein, Converse sind keine Bergschuhe). Einfach dem Rosnerweg bis zur ersten Weggabelung folgen, dann biegt links der ausgeschilderte Arlzer-Alm Weg bis direkt vor die Hütte ab. Wer Glück hat, bekommt ein Plätzchen in der warmen Stube, ansonsten empfiehlt es sich, ein paar Meter weiter auf die große Almwiese mit den markanten Lawinenbrechen zu wandern: von hier aus hat man den besten Blick über Innsbruck und den Eingang des Wipp- und Stubaitals.

Jenseits des Inns

Und die andere Talseite? Die ist nicht minder interessant, wenn man einen frontalen Blick auf die mächtige Nordkette haben möchte. Von der Endstation Olympiaexpress der Linie J führt ein Forstweg der Skipiste entlang zu einer Kreuzung, von dort führt der asphaltierte Rodelweg nach Heiligwasser, einer Gaststätte und einer Wallfahrtskirche anbei. Gläubige zünden zum Jahreswechsel eine Kerze an, andere holen sich ein Getränk an der Ausschank und wohnen dem Bergsilvester-Spektakel in Innsbruck und der gegenüberliegenden Nordkette von der großen Panorama-Terrasse Heiligwassers bei.

Blick von Heiligwasser über Innsbruck.@TVB Innsbruck

Blick von Heiligwasser über Innsbruck.@TVB Innsbruck

Und für die Wagemutigsten gibt es auf der Nordseite des Inntals eine besondere B-Side. Dafür braucht man allerdings unbedingt eine Taschenlampe und festes Schuhwerk, sowie einen Rucksack mit warmen und/oder alkoholischen Getränken sowie einer wärmenden Decke – für alle diejenigen, die sich nicht ganz eng aneinander kuscheln (wollen). Von der J-Haltestelle Romedihof führt ein ausgeschilderter Weg am Lanser See vorbei auf den Lanser Kopf. Nach ca. 20 min erreicht man einen Aussichtspunkt neben den Resten zweier Flakstellen aus dem Zweiten Weltkrieg. Am ausgeflachten Gipfel des Lanser Kopfs empfiehlt sich ein Blick auf beide Seiten: zum einen in Richtung Süden auf den Patscherkofel, die Serles und den mächtigen Habicht, zum anderen nördlich in das gesamte Inntal samt der imposanten Nordkette. Mag es vielleicht ein beschwerlicherer Aufwand sein, diesen Hügel zu erklimmen: der 360-Grad-Ausblick ist dafür ein besonderes Erlebnis.

P.S.: Die ganz „Wilden“ schnallen sich ihre Tourenski an und kämpfen sich auf den Gipfel des Patscherkofel – falls es die Schneelage zulässt und der Föhn nicht alles zunichte macht.

Mehr Infos zum Bergsilvester findet ihr unter www.innsbruck.info