Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Schützen in ihren bunten Röcken (Jacken) herbei. Einige der Männer tragen schwere Fahnen auf den Schultern, andere ziehen blitzblank polierte Kanonen durchs Dorf. Unzählige Hahnenfedern wehen im Wind. Marketenderinnen in feschen Tiroler Trachten richten ihren rot-weißen Blumenschmuck. Gleich geht’s los: Es ist wieder Zeit für das Fest des Schützenbataillons Sonnenburg.

Fahnenschmuck überall: Mutters ist in Feierlaune!

Fahnenschmuck überall: Mutters ist in Feierlaune!

Insgesamt 900 Schützen und Marketenderinnen, vier Musikkapellen und zahlreiche Fahnenabordnungen machen sich bereit.

Insgesamt 900 Schützen und Marketenderinnen, vier Musikkapellen und zahlreiche Fahnenabordnungen machen sich bereit.

Viele der Fahnen sind in den Tiroler Landesfarben rot-weiß gehalten und zeigen unser Wappentier den Adler. Alles von Hand bestickt, versteht sich.

Viele der Fahnen sind in den Tiroler Landesfarben rot-weiß gehalten und zeigen unser Wappentier, den Adler. Alles von Hand bestickt, versteht sich.

Ohne Kanonen geht am Schützensonntag nichts!

Ohne Kanonen geht am Schützensonntag nichts!

Ohne fesche Marketenderinnen freilich auch nicht.

Ohne fesche Marketenderinnen freilich auch nicht.

Brauchtumspflege im Tiroler Stil

Mutters, am ersten Sonntagmorgen im Juli: Schon um acht Uhr herrscht reges Treiben im idyllischen Dorfkern. Das Wetter ist traumhaft. Ich freue mich, wieder einmal Zeuge dessen zu werden, wie in in der Umgebung von Innsbruck Brauchtum gelebt und gepflegt wird.

Zwei Leben für die Kompanie: Elmar (l.) und Ernst (r.) gehören der SK Götzens bereits seit 30 und 45 Jahren an.

Zwei Leben für die Kompanie: Elmar (l.) und Ernst (r.) gehören der SK Götzens bereits seit 30 und 45 Jahren an.

Auch die Jugend ist mit Begeisterung bei der Sache. Matteo sogar als frisch gebackener Jungschützenkönig.

Auch die Jugend ist mit Begeisterung bei der Sache. Matteo sogar als frisch gebackener Jungschützenkönig.

Die Schützen gehören zu den Vereinigungen mit der längsten Tradition in unserem Land. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Jahrhundertelang stellten sie an verschiedensten Fronten ihre Kampfkraft unter Beweis.

Ehrensache

Heute sind die Gewehre freilich nicht mehr scharf geladen. Kompanien gibt es trotzdem noch in jeder Gemeinde. Man repräsentiert Heimatliebe und Zusammenhalt und rückt zu unterschiedlichsten Anlässen aus. Die Schützen sind aus dem Dorfleben nicht wegzudenken.

Letzte Anweisungen für die Kameraden.

Letzte Anweisungen für die Kameraden.

Jeder nimmt seinen Platz ein.

Jeder nimmt seinen Platz ein.

Der Festumzug beginnt und wird von der Ehrenmusikkapelle aus dem benachbarten Natters angeführt.

Der Festumzug beginnt und wird von der Ehrenmusikkapelle aus dem benachbarten Natters angeführt.

Und im Festzelt werden derweil schon über 1.000 leckere Schnitzel vorbereitet.

Und im Festzelt werden derweil schon über 1.000 leckere Schnitzel vorbereitet.

Wen ich auch frage, für die Männer und die wenigen Damen, die die Formationen als Marketenderinnen „schmücken“ – sie sind unter anderem für das Ausschenken der obligatorischen (Zirben-)Schnapsln zuständig – ist es in erster Linie „Ehrensache“, Mitglied zu sein.

Farbenfroh: Die Kompanien tragen unterschiedliche Trachten.

Farbenfroh: Die Kompanien tragen unterschiedliche Trachten.

So macht es auch keinem etwas aus, wenn der Wecker zu früher Stunde klingelt und die Freizeit wieder einmal für den Verein verplant ist.

Die Sonnenburger marschieren auf

Besonders heute nicht, da das 65. Bataillonsfest für das 14 Kompanien umfassende Schützenbataillon Sonnenburg ausgerufen ist. Die Ehre, selbiges auszurichten, wird heuer der Schützenkompanie Mutters-Kreith rund um Hauptmann Werner Graus zuteil. Wie alle 14 Jahre einmal. Gemeinsam mit vielen freiwilligen HelferInnen hat seine Mannschaft ein zweitägiges Fest vorbereitet.

Der Hauptmann der gastgebenden Schützenkompanie Mutters-Kreith, Werner Graus, darf heute doppelt stolz sein. Auf ein rundum gelungenes Bataillonsfest einerseits und andererseits auf eine sehr hohe Auszeichnung des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, die ihm für seine Verdienste verliehen wird. Foto: Manni Hassl

Der Hauptmann der gastgebenden Schützenkompanie Mutters-Kreith, Werner Graus, darf heute doppelt stolz sein: Auf ein rundum gelungenes Bataillonsfest einerseits und andererseits auf eine sehr hohe Auszeichnung des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, die ihm für seine Verdienste verliehen wird. Foto: Manni Hassl

Die Standarte des Schützenbataillons Sonnenburg.

Die Standarte des Schützenbataillons Sonnenburg.

Nachdem bereits am Vorabend ausgiebig gefeiert wurde – so manchem steht die lange Nacht noch ins Gesicht geschrieben – bildet der „Schützensonntag“ den wichtigsten Teil des Festreigens. Den lassen sich auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter und weitere, hochrangige Vertreter des Landes nicht entgehen. Ihnen wird ein „landesüblicher Empfang“ (wie es im Fachjargon heißt), bereitet.

Bataillons-Kommandant Major Anton Pertl salutiert vor den Vertretern des Landes Tirol.

Bataillons-Kommandant Major Anton Pertl salutiert vor den Vertretern des Landes Tirol.

Musikkapellen, Schützenkompanien und Abordnungen nehmen dafür in der prächtigen Dorfstraße Aufstellung. Die Ehrenschützenkompanie und Ehrenmusikkapelle aus dem benachbarten Natters marschieren feierlich ein. Jetzt stehen die Höchstanwesenden im Mittelpunkt. Das Prozeedere ist klar strukturiert: Meldung an die Höchstanwesenden, Abschreiten der Front und Ehrensalve.

Landeshauptmann Günther Platter verneigt sich vor jeder teilnehmenden Kompanie.

Landeshauptmann Günther Platter verneigt sich vor jeder teilnehmenden Kompanie.

Das Abfeuern einer Ehrensalve (General-de-Charge) ist die größte Ehrbezeugung, die Schützen zu vergeben haben.

Das Abfeuern einer Ehrensalve (General-de-Charge) ist die größte Ehrbezeugung, die Schützen zu vergeben haben.

„Herzlichen Dank für die ausgezeichnete Ausführung. Da kann man stolz sein“, lobt Tirols Landeschef den Umstand, dass die Schüsse total synchron abgefeuert wurden. Möglichst gleichzeitig abzudrücken ist nämlich ganz wichtig – ja, mehr noch: Es ist ein „Qualitätsmerkmal“ der jeweiligen Schützenkompanie. Aber eben kein Leichtes.

Habt Acht!

Überhaupt hat im Ablauf alles seine Ordnung. Genau ist organisiert, wer wo stehen, wann zur Seite treten oder nach rechts schauen muss. Und was mit dem Gewehr zu tun ist, wenn der Hauptmann Befehle wie „in die Hand“, „bei Fuß“ oder „präsentiert“ ausgibt. „General-de-Charge ausführen“ sowie „hoch an“ heißt es dann, ehe geschossen wird. Wie immer erschrecke ich ein wenig.

Den Abschluss bildet eine feierliche Feldmesse, für die ebenfalls ganz bestimmte Regeln gelten.

Den Abschluss bildet eine feierliche Feldmesse, für die ebenfalls ganz bestimmte Regeln gelten.

Kleine Stärkung zwischendurch: Trommelzieher Paul und Papa Reinhold (Klarinettist) von der Musikkapelle Mutters.

Kleine Stärkung zwischendurch: Trommelzieher Paul und Papa Reinhold (Klarinettist) von der Musikkapelle Mutters.

Als Abschluss des offiziellen Teils wird vor beeindruckendem Bergpanorama die Feldmesse zelebriert. “Während dem Gebet bitte nicht rauchen, keinen Schnaps ausschenken und ruhig verhalten”, werden die Schützen durchs Mikro noch einmal an die Benimmregeln erinnert.

Kein Tiroler Festtag ohne Heilige Messe!

Kein Tiroler Festtag ohne Heilige Messe.

Die Fahnenabordnungen in Reih' und Glied.

Die Fahnenabordnungen in Reih’ und Glied.

Der Festakt wird natürlich auch musikalisch gebührend umrahmt ...

Der Festakt wird natürlich auch musikalisch gebührend umrahmt …

... und von zahlreichen Böllerschüssen begleitet. Im Bild posiert Helmut, erster Kanonier der SK Gries im Sellrain.

… und von zahlreichen Böllerschüssen begleitet. Im Bild posiert Helmut, erster Kanonier der SK Gries im Sellrain.

Eine Kranzniederlegung, die Ansprachen der Ehrengäste und Ehrungen langjähriger Schützenkameraden – nicht selten sind die Männer jahrzehntelang (!) Mitglied – sowie eine letzte feierliche Defilierung beenden den Festakt.

Feierstunde

Jetzt geht man wieder zum gemeinsamen Feiern über. Bei Wiener Schnitzel und Bier sowie zünftiger Live-Musik lasse auch ich es mir heute gut gehen. Immerhin ist ja Sonntag. Schützensonntag! Und Gemütlichkeit hat bei Tiroler Festen mindestens genauso viel Tradition wie jegliches Zeremoniell.

Da sind sie wieder, die Wiener Schnitzel ... Mahlzeit!

Da sind sie wieder, die Wiener Schnitzel … Mahlzeit!

Viele andere tun es mir gleich. Die Zelte und Standln im Mutterer Zentrum sind voll. Mit Teilnehmern und Besuchern, die zur Feier des Tages ebenfalls zumeist Tracht tragen. Mahlzeit und Prost! Schön wars.

Wenn auch du einmal live mit dabei sein willst: 2019 ist die Schützenkompanie Patsch Organisator des Bataillonsfestes Sonnenburg. Die Schützen freuen sich über jeden Gast!

Alle Fotos – sofern nicht anders gekennzeichnet – Tamara Kainz