Die Wiener Staatsoper feierte 150 Jahre Opernhaus am Ring mit Live-Übertragungen in die Landeshauptstädte. Eine Woche hieß es stimmgewaltiges Ope(r)n Air im Rapoldipark – traumhaft in dieser Kulisse, könnt mich dran gewöhnen.

Ende Mai, das Wetter gibt sich kapriziös, doch die Zuschauer lassen sich nicht abhalten – solange es nicht regnet.

Der Rapoldipark liegt im Innsbrucker Stadtteil Pradl und ist sozusagen dessen grünes Herz. Sobald es wärmer wird, zieht es Jung wie Alt in den Park: Sonnenhungrige breiten ihre Decken aus, Mitarbeiter umliegender Betriebe und Schüler genießen auf den Parkbänken ihre Mittagspause, Frisbees und Bälle fliegen durch die Luft und auf den Spielplätzen flitzen Kinder um die Wette.

Bequem in den eigenen Campingstühlen, gut vorbereitet und gestärkt dem Gesang lauschen.

Vom 18. bis zum 26. Mai gab es ein besonderes Angebot speziell für Musiktheaterliebhaber – und solche, die es werden wollten. Die Wiener Staatsoper feierte 150 Jahre Opernhaus am Ring und lud zum Ope(r)n Air im Rapoldipark.

Bestens gerüstet für den Eröffnungsabend mit „Il barbiere di Siviglia“ mit warmer Decke und Apero.

150 Jahre Opernhaus

Das Opernhaus in Wien, 1869 mit Mozarts Don Giovanni eröffnet, ist natürlich eine Institution. Toll also, dass auch die Bundesländer in die Feierlichkeiten eingebunden wurden und dann noch der Rapoldipark! Dementsprechend fett war das Ope(r)n Air in meinem Kalender eingetragen, einige Highlights schon vorgemerkt.

Die ersten beiden Abende sorgte „The Falalel Guy“ für Speis und Trank und Open-Air-Feeling.

Nach wahrlich ungemütlichen Temperaturen, zeigte sich der Wettergott bei der Eröffnung gnädig: ein fast lauer Frühsommerabend also zu „Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini, dem italienischen Großmeister der feinen Unterhaltung.

Ope(r)n Air im Rapoldipark

An die 14 Grad, die Leute gerüstet mit Isomatten, Decken und warmen Jacken. Fürs leibliche Wohl sorgte Selbstmitgebrachtes oder „The Falafel Guy“, der anlässlich von Ope(r)n Air im Rapoldipark am Wochenende seine Luke hochklappte.

Der Rapoldipark bot die lauschige Kulisse für die Übertragungen aus der Wiener Staatsoper.

Während Graf Almaviva auf der Leinwand um die Liebe von Rosina buhlte, wurde es langsam dunkel. In den Gesang mischte sich ein feines Plätschern vom Brunnen her. Immer wieder fuhr eine leichte Brise durch die Bäume und in regelmäßigen Abständen zuckelte im Hintergrund die Bim vorbei.

In der Pause gab’s eine kleine Störung, dann ging’s problemlos weiter.

Ein kurzweiliger Abend in lauschiger Atmosphäre, mit grandiosen Sängern und einem begeisterten Publikum. Schnell vergessen das technische Gebrechen in der Pause, das einen Blick hinter die Kulissen der Wiener Staatsoper abrupt beendete – auch ohne Untertitel ließ sich dem Geschehen auf der Leinwand danach gut folgen. Beschwingt spazierte ich nach Hause und nahm mir vor, am nächsten Abend wiederzukommen.

Das Angenehme bei einem Ope(r)n Air – niemand stört’s, wenn jemand mittendrin kommt oder geht oder seine Cracker auspackt.

April! April! – im Mai

Das Wetter machte mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung und den anderen wohl auch. Die folgenden Tage: Regen, Nässe, Kälte. Brrrr! „Anna Bolena“ von Gaetano Donizetti ließ ich schweren Herzens sausen. Im Regen hocken macht einfach keinen Spaß.

Eine Woche lang hieß es „Ope(r)n Air im Rapoldipark“

Am Mittwoch klarte es zu meiner Freude auf. „Dantons Tod“, die Revolutionsoper von Gottfried von Einem, nach dem Theaterstück des deutschen Dichters Georg Büchner, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Gerüstet mit Isomatte, dicken Socken, warmer Jacke und einer Thermoskanne Tee machte ich mich auf, den kühlen Temperaturen zu trotzen – und traf auf eine ansehnliche Gruppe Gleichgesinnter. Was soll ich sagen: Es war einfach fesselnd!

Eine Idee wär das

Auch in den nächsten Tagen zeigte sich das Wetter in Innsbruck nicht von seiner besten Seite, immer wieder fiel ein Besuch buchstäblich ins Wasser. Leider, denn das Programm war toll. Am Sonntag dann: morgens schwere Nebelschwaden bis in die Niederungen, am späten Nachmittag strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Das Jubiläumskonzert vor der Oper in Wien – live im Rapoldipark in Innsbruck genossen.

Den unwirtlichen Temperaturen getrotzt mit einer Thermoskanne Tee

Ich könnte mich daran gewöhnen, dass es Oper(n) Air oder Open Air im Rapoldipark heißt. An Kultureinrichtungen, die uns im Rapoldipark – und in anderen Stadtteilen – mit einer Übertragung von ausgewählten hochkarätigen Veranstaltungen beschenken könnten, mangelt es in Innsbruck nicht. 😉

Am Freitag, den 24. Mai stand die Oper „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano auf dem Programm.

Fotos: © Susanne Gurschler

Infos zu Kulturveranstaltungen in Innsbruck unter www.innsbruck.info