Die Musikszene in Innsbruck und Umgebung bietet laufend viele tolle Konzerte der unterschiedlichsten Sparten in großem oder kleinem Rahmen und in verschiedensten Locations. In den letzten Jahren konnte ich mich immer wieder selbst davon überzeugen: Auftritte von Singer-Songwritern in kleinen Bars haben mich ebenso begeistert wie international bekannte Bands vor vollen Hallen. Ein Klassikkonzert am Berg habe ich allerdings noch nie erlebt. Die Idee für Klassik am Berg finde ich aber grandios! Und wo ließe sich ein solches Konzert besser inszenieren als in Innsbruck, der Hauptstadt der Alpen?

Wetterglück

Die Premiere von Klassik am Berg hätte bereits letztes Jahr auf der Seegrube über Innsbruck stattfinden sollen. Damals musste das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti wetterbedingt im Tal bleiben und das Konzert im Canisianum spielen. Heuer versprach der Wetterbericht nach einer wechselhaften Woche mehr Glück – und sollte Recht behalten. Der 30. Juni 2018, einer der längsten Sommertage im Jahr, war sonnig und heiß, bot also perfektes Bade-, Berg- und Konzertwetter.

Patscherkofelbahn

Mit der Patscherkofelbahn zum Konzert …

Alpine Konzertlogistik

Dass das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti für Klassik am Berg hoch hinaus wollte, auf den Innsbrucker Hausberg Patscherkofel nämlich, brachte nicht nur großes Zittern hinsichtlich des Wetters mit sich. Für die Organisation des Open-Air-Konzerts galt es, etliche – vor allem logistische – Herausforderungen zu meistern. In Zusammenarbeit mit der neuen Patscherkofelbahn konnte der Transport der Besucher und Musiker gut bewältigt werden. Die temporäre Bühne wurde mittels Klein-LKWs hinaufgebracht, für akustische Verstärkung des Orchesters sowie für Beleuchtung und Veranstaltungstechnik musste gesorgt werden.

Klassik am Berg, 30. Juni 2018, Patscherkofel

Freie Platzwahl zwischen Almrosen und Moospolstern …

Freie Platzwahl

Eine liebe Freundin begleitete mich und zum ersten Mal reisten wir mit einer Bergbahn zu einem Konzert an. Viele Konzertbesucher kamen wie wir mit der Patscherkofelbahn, aber auch wandernd oder radelnd auf den Berg. Der wunderschöne Sommerabend lud zum Genießen des atemberaubenden Panoramas ein.

In der Konzertankündigung stand zu lesen, dass man eine eigene Sitzgelegenheit oder Sitzunterlage mitbringen solle. Für die bergaffinen Tiroler war das überhaupt kein Problem! Die professionelle Ausrüstung einiger Besucher fand ich richtig beeindruckend: Die einen kamen mit Campingstühlen, die anderen mit Picknickkorb und Decken. Von expeditionstauglicher Sportkleidung und Rucksäcken hier wie dort mal ganz zu schweigen. Auf dem Berghang zwischen Almrosen und Steinen suchten wir uns einen bequemen Platz. Kein Konzertsaal der Welt kann mit diesem Ausblick mithalten!

Klassik am Berg, 30. Juni 2018, Patscherkofel

Klassische Musik am Berg hat einfach Stil!

Dresscode

Die Zeit bis Konzertbeginn wurde musikalisch durch eine Bläsergruppe des Orchesters und durch die drei Musiker der Gruppe JÜTZ verkürzt. Die elegante schwarze Konzertkleidung der Musiker stand in großem Kontrast zur Kulisse und zu den überwiegend sportlichen Outfits der Besucher, obwohl auch einzelne Damen in Kostüm und Stöckelschuhen zu sehen waren.
Meine Freundin und ich hatten uns (unabhängig voneinander) für immer-passende Kleidung, sprich dunkle Hose und helles Oberteil, entschieden. An Jacken hatten wir schon auch gedacht, doch da es am Nachmittag fast unerträglich heiß gewesen war, hatten wir uns wohl zu wenig warm ausgestattet und bis zum Ende des Konzerts waren wir sehr durchgefroren. – Memo an mich selbst: Auch nach einem heißen Tag wird’s auf fast 2.000 Metern abends bei Wind sehr kühl. Beim nächsten Mal unbedingt eine Decke mitnehmen!

Klassik am Berg, 30. Juni 2018, Patscherkofel

Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti auf der Bühne am Patscherkofel.

Klassik am Berg

Zahlreich kamen Berg- und Musikbegeisterte zum besonderen Konzertanlass – fast 700 (!!) Leute. Das Publikum war in jeder Hinsicht bunt gemischt, auch was das Alter betraf. Die Kinder sprangen und kletterten auf den Steinen herum, immer wieder wanderten Leute zum Schutzhaus Patscherkofel hin. Bei jedem anderen Konzert hätte das sehr gestört, doch nicht hier in diesem Rahmen.

Die Kulisse war schon einzigartig, die lockere Stimmung übrigens auch – dank humoriger Moderation und Leitung durch Gerhard Sammer. Pünktlich um 19:00 Uhr ging’s mit dem sehr abwechslungsreichen Programm los. Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti spielte in etwa 35-köpfiger Besetzung und eröffnete das Konzert mit dem 1. Satz von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“. Ich bin zugegebenermaßen keine Klassikexpertin, doch solche Stücke erkenne sogar ich wieder. Besonders gefreut habe ich mich im zweiten Teil über Griegs großartige „Morgenstimmung“, die – wie wir alle feststellen durften – auch am Abend einfach bezaubernd klingt.

Klassik am Berg, 30. Juni 2018, Patscherkofel

Das Programm zu „Klassik am Berg“ war sehr vielseitig und abwechslungsreich …

Neben weiteren „Klassikern“ beeindruckten unter anderem Stücke mit anspruchsvollen Soli für Blockflöte, mit jazzigen Klängen, neuer Musik und Gesang. Die junge Blockflötistin Rebekka Kronbichler aus Bruneck zeigte zusammen mit dem Orchester, was mit dem relativ unscheinbaren Instrument einer Blockflöte möglich ist. (Wer hätte das gedacht? Ehrlich: Ich nicht.)

NEUE KLÄNGE UND CROSSOVER-QUERVERBINDUNGEN

Besonderen Schwung brachte die Gruppe JÜTZ mit Philipp Moll, Isa Kurz und Daniel Woodtli mit. Sie hatten mehrere Stücke neu arrangiert und brachten gemeinsam mit InnStrumenti spannende Vermischungen von alpenländischer Volksmusik und Klassik auf den Patscherkofel. Ein einzigartiges Highlight war für mich die Volksweise „In die Berg bin i gern“, bei der auch das Publikum mitsingen durfte – und dies auch eifrig tat. Ein passenderes Stück hätte es für diesen Abend auch nicht gegeben! Der Wortlaut: „In die Berg bin i gern und då gfreit sich mei G’miat, wo die Almreasaln wåchs’n und da Enzian bliaht.“

Klassik am Berg, 30. Juni 2018, Patscherkofel

Einzigartige Konzertstimmung am Patscherkofel auf 1.965 Metern Seehöhe …

Während wir die wunderbaren Klänge des Orchesters im Ohr hatten, blickten wir weit übers Inntal auf das Karwendel, konnten die Wolken beobachten und die wechselnden Lichtstimmungen bis zum Sonnenuntergang verfolgen. Als wir mit der Patscherkofelbahn wieder sicher ins Tal gondelten, wurde es langsam dunkel und die Lichter der Stadt waren zu sehen. Es war fast kitschig. Klassik am Berg war ein Erlebnis für alle Sinne, eine rundum schöne Sache. Bitte mehr davon!

Tiroler Kammerorchester InnStrumenti

Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti besteht seit 1997 und feiert mit der heurigen Konzertsaison sein 20-jähriges Bestehen. Wichtige Fixpunkte sind jedes Jahr unter anderem das Neujahrskonzert oder die Ma(i)tinée. Bei den Programmen „Sakrale Musik unserer Zeit“ oder „KomponistInnen unserer Zeit“ werden neue Werke präsentiert, bei „Junge SolistInnen am Podium“ arbeitet das Orchester mit herausragenden jungen Solisten und Ensembles zusammen. Aktuelle Informationen gibt es auf innstrumenti.at oder auf Facebook.

Herzlichen Dank an das Team von Klassik am Berg für einen unvergesslichen Konzertabend und an Vanessa Musack von InnStrumenti für die freundliche Beantwortung all meiner Fragen.

Patscherkofel

Der Hausberg von Innsbruck bietet nicht nur eine tolle Konzertkulisse, sondern ganzjährig einen vielseitigen Sport- und Erholungsplatz. Alle Details findet ihr auf der Website von Innsbruck Tourismuspatscherkofelbahn.at oder auf FacebookEinige Wandertipps und Patscherkofeleindrücke haben meine Bloggerkollegen Danijel und Lea festgehalten. Die neue Bahn und herrliche Winterlandschaft seht ihr hier