Das Literaturhaus am Inn wurde vor mehr als 20 Jahren gegründet. Es gehört zu den ersten Adressen, ist ein Hotspot für Literaturinteressierte in Innsbruck – markante poetische Zeichen setzt es auch im öffentlichen Raum.

Alle zwei Monate gibt es ein farbenfrohes neues Veranstaltungsheft.

Das Literaturhaus am Inn liegt in luftigen Höhen: Gleich hinter der Mensa und nur wenige Schritte von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät entfernt, im 10. Stock der Josef-Hirn-Straße 5, ist es angesiedelt, zusammen mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Von hier blickt man auf den Inn und die Innpromenade, die Nordkette und den Patscherkofel, die Sprungschanze, in Richtung Flughafen und Martinswand. Hier blickt man auf Innsbruck. Und hier finden Lesungen, Ausstellungen und Diskussionen rund um das weite Feld der Literatur statt.

Die Lyrikerinnen Lydia Steinbacher und Cornelia Travnicek tauschen ihre Bücher. Foto: ©Literaturhaus am Inn

Forum für Literatur

Gegründet wurde es 1997 als Zweig des Brenner-Archivs, damit Innsbruck – wie andere Landeshauptstädte – ein eigenes Literaturzentrum hat. Es sollte als „Begegnungsort und offenes Forum für die Autorinnen und Autoren Tirols“ fungieren, als „Sammel- und Informationsstelle über (und für) die hiesige Literatur und ihren Verbindungen zu anderen Literaturen“. So lauten die damals formulierten Zielsetzungen. Zudem ging es darum, den Austausch und die Zusammenarbeit derer anzuregen, „die hierzulande Literatur vermitteln“.

Aufgaben, denen das Literaturhaus in den kommenden Jahren mit Bedacht nachkam: Es ist längst eine der ersten Adressen in Innsbruck, wenn es um zeitgenössische Literatur geht. Ebenso wie um Vernetzung zwischen Autoren, um Diskussion über Literatur, über ihre gesellschaftspolitische Relevanz – ob europäische, osteuropäische, afrikanische oder arabische Literatur. Sowohl für bekannte SchriftstellerInnen, als auch solche, die sich ein breiteres Publikum erst erschließen (müssen).

Montagsfrühstück mit Doris Eibl, Isabella Feimer, Michael Decker und Anna Rottensteiner, Foto: © Literaturhaus am Inn

Literatur um Gespräch

Das Literaturhaus setzt thematische Schwerpunkte, regt zur Auseinandersetzung an. „Wir haben ein großes Stammpublikum, das gern kommt und sich auch auf Neues einlässt“, erklärt Anna Rottensteiner. Sie ist seit 2003 Leiterin des Literaturhauses. Es verzeichnet rund 50.000 BesucherInnen seit seiner Gründung; allein in den letzten sechs Jahren kamen 13.000 zu den rund 350 Veranstaltungen. Jährlich gibt es zwischen 40 und 45 Veranstaltungen – also durchschnittlich eine pro Woche (mit Ausnahme der Sommermonate).

Das Literaturhaus-Team: David Winkler-Ebner, Kristin Jenny, Anna Rottensteiner und Verena Gollner; Foto: © Literaturhaus am Inn

Neben Lesungen und Themenabenden organisiert das Literaturhaus regelmäßig wiederkehrende Termine wie das „Montagsfrühstück. Forum für strategische Langsamkeit“, das in Kooperation mit der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Uni Innsbruck stattfindet. Experten unterschiedlicher Disziplinen diskutieren Themen von gesellschaftlicher Relevanz und beziehen das Publikum ein.

Die Poetik-Vorlesungen im Literaturhaus am Inn werden auch publiziert.

Schreibwerkstatt und Poetik

Ebenso sind die Poetik-Vorlesungen ein Fixpunkt nicht nur für interessierte Studenten, sondern auch für externe Hörer und Schriftsteller. Sie werden übrigens zusammen mit dem Brenner-Archiv und dem Institut für Germanistik durchgeführt. Ebenfalls auf dem Programm: Jugendschreibwerkstätten.  Sie sollen junge Leute zum Schreiben motivieren und in ihrem Schaffen fördern.

Die Installation „wörter – pracht – fracht“ von Barbara Hundegger und Christine S. Prantauer an der Fassade

Das 20-jährige Bestehen wurde letztes Jahr mit einem großen Fest gefeiert. Als sichtbare Zeichen blieben zwei Kunstinstallationen im öffentlichen Raum. Direkt am Mensa-Gebäude prangt „wörter-pracht-fracht“ der Lyrikerin Barbara Hundegger und der Künstlerin Christine S. Prantauer. Die Textskulptur „404 Ort“ im Waltherpark in St. Nikolaus stammt von Martin Fritz und Thomas Medicus. Die Installation besteht aus Texten, die in Schnipsel zerlegt und auf 144 Glasstreifen angebracht sind. Buchstaben und Wörter fügen sich zusammen und lösen sich wieder auf, je nachdem, welchen Blickwinkel man einnimmt.

Die Textinstallation „404 Ort“ von Martin Fritz und Thomas Medicus findet sich im Waltherpark.

Die beiden Arbeiten tragen das Literaturhaus am Inn vom zehnten Stock in den öffentlichen Raum. Sie machen neugierig auf diesen Ort der Literatur und laden ein, sich das Programm anzuschauen und die Veranstaltungen zu besuchen.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: ©Susanne Gurschler

Literaturhaus am Inn
Josef-Hirn-Straße 5
6020 Innsbruck
Tel.+43 512 507 45014
literaturhaus@uibk.ac.at
www.literaturhaus-am-inn.at

Informationen zur heimischen Literaturszene sowie Materialien zur Literaturgeschichte Tirols und Südtirols finden sich auf der Plattform literaturtirol.at, Informationen zu allen Veranstaltungen in Innsbruck hier.