Genießen. Ruhen. Staunen, oder: Weihnachten, wie es früher war

Die Christkindlmärkte in Innsbruck gehören zum Weihnachten meiner Kindheit. Leider ist es Vergangenheit, wird so nie wieder sein, ist aber stets präsent und keiner kann´s mir nehmen: In meiner Erinnerung haben mein Weihnachten und Innsbrucks Adventmärkte einen wichtigen Platz. Gerne treffe ich mich dort mit Freunden und irgendwie kehre ich dabei jedes Mal zurück zu damals.


Ich mag Weihnachten. Zum Fest der Liebe versuche ich mich zu besinnen und in mich zu kehren. Wie viele andere nehme ich mir mehr Zeit für meine Nächsten, die ich sonst so selten sehe: meine Eltern, Freunde und alte Weggefährten.

Foto: TVB Innsbruck

Im Advent suchen viele Ruhe, Einkehr und finden wieder Zeit zum Staunen. Foto: TVB Innsbruck

Was bleibt ist die Erinnerung…

Mit einem Lächeln im Gesicht erinnere ich mich an früher zurück, als ich mit meinen Eltern jeden Sonntag eine neue Kerze am Adventkranz angezündet habe. Die Vorfreude auf den Heiligen Abend wurde jeden Tag größer, auch einen Brief an das Christkind habe ich geschrieben, der freilich immer geholt wurde, als ich ihn auf den Balkon legte. „Liebes Christkind“, hat er angefangen. Am Christkindlmarkt gab´s glasierte Apfel oder Zuckerwatte, an Wochenenden war ich mit Papa und Mama immer dort.

Am größten war die Freude am Heiligen Abend; Jahr für Jahr das selbe Ritual: aufstehen, aufräumen, Weihnachtsgeschichten lesen, im Fernsehen Märchen schauen, nur ein wenig essen, mit meinem Vater in den Alpenzoo oder ins Kino gehen, meiner Mutter beim Kochen zusehen, in mein Zimmer gehen und warten bis das Glöckchen in der verschlossenen Stube läutet. Dann aufgeregt zum Christbaum laufen und vor den brennenden Kerzen staunen, ungeduldig Geschenke auspacken und den Weihnachtskarpfen genießen. Für diesen habe ich den ganzen Tag fast nichts gegessen.

Stille Nacht

Am 24. Dezember 1818 hat der Hilfspriester Joseph Mohr in Oberndorf dem Organisten Franz Gruber ein Gedicht überreicht mit dem Ansuchen, hierfür die passende Melodie zu schreiben. Es war das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Aus tiefster Überzeugung in die Welt hinausgetragen wurde es von den Sängerfamilien Rainer und Strasser, die es in Leipzig (1832) und in New York (1839) gesungen haben. Katholische und protestantische Missionare überlieferten es zur Jahrhundertwende in alle Kontinente.

Das „Ewige Lied“ wird heute in über 300 Sprachen sowie Dialekten der Welt gesungen und ist für viele ein wichtiger Bestandteil des Heiligen Abends. Es berührt uns jedes Mal aufs Neue und wirkt wie ein Zeichen des Himmels, das die Menschen aller Herkunft, Hautfarben und Sprachen mit ihrem Herzen zu deuten wissen. So auch die Adventzeit und die traditionellen Christkindlmärkte der Stadt: Sie sind Spiegelbild der Innsbrucker Tradition und der Verwurzelung der Tiroler mit ihrer Heimat. Als Teil des Advent in Tirol ist ihr Motto: „Stille Nacht!“ Der Advent in Tirol ist die landesweite Vereinigung jener Märkte, die sich einem traditionellen Christkindlmarkt verschreiben.

 

Ruhen geben und im Kerzenschein spazieren könnt ihr in der Mariahilfstraße und das ohne Verkehr. Foto: TVB Innsbruck

Wieder mal erfahren, was Stille ist, könnt ihr im Kerzenschein am Innufer und in der Mariahilfstraße ohne Autos, denn die Straße ist am 1. Adventsonntag alle zwei Jahre gesperrt. Foto: TVB Innsbruck

Innsbrucks Christkindlmärkte

Treffpunkte für die Innsbrucker im Advent sind die Märte der Stadt als wichtiges Ritual vor Weihnachten. Manche kommen hierher alleine, um die Ruhe nach der Arbeit zu genießen. Es ist hier wirklich still; nur die Weisen der Turmbläser erklingen vom Balkon des Goldenen Dachls. Sie spielen alte Weihnachtslieder aus Tirol, Musik aus Boxen gibt es keine, Weihnachtslieder à la „Last Christmas“ schon gar nicht.

Überall duftet es nach gerösteten Kastanien, Kiachln, Kasspazln und wunderbarem Glühwein. Sämtliche Produkte stammen von den Bauern Tirols – das ist den Innsbruckern sehr wichtig. Außer zu Essen werden fast ausschließlich Tiroler Handwerksprodukte angeboten. Wer einen Glühkindlmarkt sucht, wie die Märkte genannt werden, bei denen es nur um ein Gläschen zu viel geht, ist hier falsch.

Die Verkäufer stehen mit Mütze, Schal und Handschuhen hinterm Tresen, die Besucher in kleinen Gruppen beieinander, Pärchen gehen Hand in Hand mit Liebe in den Augen spazieren. Am schönsten ist es hier, wenn es geschneit hat und der Schnee unter den Schuhen knirscht.

Ich mag die Stimmung hier sehr gerne. Sie fühlt sich an wie das Weihnachten meiner Kindheit, das es so nie wieder geben wird, aber in meinem Herzen einen wichtigen Platz hat. Was bleibt ist die Erinnerung, zu der ich zurückkehre, wenn ich die Adventmärkte besuche. Manchmal sehe ich sie in den Augen der anderen, wenn sie durch die Gassen und Lauben schlendern. Sie wirken sehr besonnen, genießen die Ruhe der Innsbrucker Bergweihnacht und staunen als stünden sie vor dem Christbaum ihrer Kindheit. So mancher ist den Tränen ein wenig nahe. Schön ist der Advent, schön sind die Märkte der Stadt.

Altstadt

Direkt vor dem Goldenen Dachl und umgeben von mittelalterlichen Häuserfassaden liegt ein besonders traditioneller Christkindlmarkt. Gesehen haben sollten Besucher die Aussichtsplattform über den Hüttendächern oder die Märchen- und Riesengasse. Täglich spielen hier Turmbläser im Prunkerker des Goldenen Dachls neben dem größten Christbaum der Altstadt.
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 – 21.00 Uhr

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Pärchen sind auf den Adventmärten viele unterwegs – Hand in Hand und Liebe in den Augen. Foto: TVB Innsbruck

Marktplatz

Der Christkindlmarkt ist besonders für Familien sehr schön, weil er als kleines und heimeliges Tiroler Dorf nachgebaut wurde und für Kinder ein Programm geboten wird: Kasperltheater, Märchenstunde, Ponyreiten, Streichelzoo oder Nostalgiekarussell machen die Kleinen ganz groß. Märchenhaft ist der glitzernde, über 14 Meter hohe Swarovski-Kristallbaum.
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 – 21.00 Uhr

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Christkindlmarkt am Marktplatz. Foto: TVB Innsbruck

Maria-Theresien-Straße

Sie ist eine barocke Prachtstraße und auch der Christkindlmarkt erstrahlt in ihrem Lichte: Funkelnde Bäume aus Glas und Kristall beleuchten die Straße in einem prächtigem Flair. Auf den Ständen sind die Produkte ein wenig internationaler. Geöffnet ist hier bis zum bis 6. Jänner 2016.
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 – 21.00 Uhr

 

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Christkindltmarkt in der Maria-Theresien-Straße. Foto: TVB Innsbruck

Hungerburg

Ob es der höchstgelegenste Christkindlmarkt ist? Jedenfalls ist die Aussicht zauberhaft und die Anfahrt mit der Hungerburgbahn aus dem Stadtzentrum an sich schon spannend. Es ginge sogar bis auf das 2.256 m hohe Hafelekar, das von der Hungerburg aber gut zu sehen ist.
Öffnungszeiten: täglich von 13.00 – 19.00 Uhr

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Christkindlmarkt auf der Hungerburg. Foto: TVB Innsbruck

St. Nikolaus

Besucher finden einen Christkindlmarkt besonderer Düfte, Stille und Lichter abseits des Stadtzentrums im ältesten Stadtteil von Innsbruck. Wer es abseits des Weihnachtrubels bei besinnlicher Musik und selbstgemachten Keksen besonders ruhig haben will, der möge bitte nach St. Nikolaus kommen.
Öffnungszeiten: täglich von 16.00 – 21.00 Uhr

 

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Christkindlmarkt in St. Nikolaus. Foto: TVB Innsbruck

Wilten

Der Christkindlmarkt ist hier besonders beschaulich und romantisch. Sogar Leckereien aus Sardinien, Bioglühwein und ein Kulturprogramm auf kleinstem Raum, wie ein Kasperltheater und Minikonzerte werden geboten.
Öffnungszeiten: Mo – Fr von 16.00 – 20.00 Uhr, Sa von 14.00 – 20.00 Uhr

Innsbrucks Christkindlmärkte gehören zum Weihnachten der Einheimischen – schaut sie euch auch mal an. Genießt die angenehme Stimmung, ruht euch vom Vorweihnachtsstress aus und staunt, wenn ihr dem Geist der Weihnacht begegnet.