Kindergelächter schallt mir entgegen, als ich das Audioversum im Zentrum von Innsbruck betrete, das interaktive Museum rund ums Hören in Innsbruck. Initiiert wurde es von Med-El (Medical Electronics), dem führenden Hersteller von Hör-Implantaten.

Das Audioversum bietet interaktive Erlebnisse für Jung und Alt. Foto: Tamara Kainz

Das Audioversum bietet interaktive Erlebnisse für Jung und Alt. Foto: Tamara Kainz

An den Tischen beim Café im Eingangsbereich herrscht wildes Gewusel. Gleich wird Lasagne serviert. Für die meisten mit Fleisch, für manche natürlich auch ohne. „Die Schüler hatten heute noch keine Pause“, sagt eine der Begleitpersonen fast ein bisschen entschuldigend. Ok, das erklärt einiges. 🙂

Die Volksschüler aus Salzburg auf Siegerreise bzw. hier beim Siegeressen. Foto: Tamara Kainz

Die Volksschüler aus Salzburg auf Siegerreise bzw. hier beim Siegeressen. Foto: Tamara Kainz

Jonas, David und Johannes – drei Vertreter der Gewinner aus Österreich. Foto: Tamara Kainz

Jonas, David und Johannes – drei Vertreter der Gewinner aus Österreich. Foto: Tamara Kainz

20 Volksschüler aus Uttendorf im Salzburger Pinzgau sind heute die Ehrengäste von Med-El. Am Morgen fand nämlich die Preisverleihung des Ideenwettbewerbs „Ideas for Ears“ statt. Neben anderen Teilnehmern, die von Neuseeland bis Brasilien angereist waren, wurden diese Mädchen und Buben gleich als ganze Klasse mit dem Österreich-Sieg ausgezeichnet.

Gemeinschaftserfolg

„Meine Schüler waren erstaunt, dass es Kinder gibt, die nichts hören – nicht mal das Rauschen der Blätter“, schildert Lehrerin Elisabeth Schett. „Jedes der Kinder wollte helfen. Die Schüler waren so begeistert, dass sie sogar von zu Hause Sachen wie einen Brauseschlauch mitgenommen und wochenlang gesägt, gewerkt und gezeichnet haben. Ich für meinen Teil ließ dem kindlichen Denken dabei freien Lauf.“

Die ganze Klasse hat sich überlegt, wie sie Menschen mit Hörverlust helfen könnte. Foto: Tamara Kainz

Die ganze Klasse hat sich überlegt, wie sie Menschen mit Hörverlust helfen könnte. Foto: Tamara Kainz

Klassenlehrerin Elisabeth Schett zeigt sich zu Recht stolz auf die Arbeiten ihrer Schützlinge. Foto: Tamara Kainz

Klassenlehrerin Elisabeth Schett zeigt sich zu Recht stolz auf die Arbeiten ihrer Schützlinge. Foto: Tamara Kainz

„Bei uns ist ein super Robo-Hund herausgekommen“, erzählen mir Anna, Magdalena, Lisa, Michael und Jonas B. aufgeregt von ihrem Projekt. „Er ist aus Holz. Er hilft denen, die nicht hören können. Er führt die Leute, die nicht hören können. Er braucht Öl. Er mag Kinder. Er braucht eine Leine. Er frisst spezielles Hundefutter. Er kann die Tür öffnen. Er zeigt seine Pfote, wenn es klingelt.“

Anna, Magdalena, Lisa, Michael und Jonas B. haben sich einen Robo-Hund ausgedacht. Foto: Tamara Kainz

Anna, Magdalena, Lisa, Michael und Jonas B. haben sich einen Robo-Hund ausgedacht. Foto: Tamara Kainz

Stefan, Emil, Jonas H. und Maximilian Sch. wollen mir ihre Erfindung auch gleich vorstellen: „Wir haben eine Spezialbrille entwickelt. Wenn der Anruf durch das Handy reinkommt, wird der Text direkt auf eine spezielle Brille gesendet. Der Gehörlose kann lesen, was der andere sagt und tippt die Antwort ein.“

Zukunftsweisend sind sicher auch die Ideen von Spezialbrillen, die Gesprochenes in Text und Signale umwandeln kann. Foto: Med-El

Zukunftsweisend sind sicher auch die Ideen von Spezialbrillen, die Gesprochenes in Text und Signale umwandeln können. Foto: Med-El

Der Ideenwettbewerb rief junge Talente aus aller Welt zwischen sechs und elf Jahren dazu auf, Erfindungen einzusenden. Foto: Med-El

Der Ideenwettbewerb rief junge Talente aus aller Welt zwischen sechs und elf Jahren dazu auf, Erfindungen einzusenden. Foto: Med-El

Beeindruckend. Finde nicht nur ich, sondern fanden auch die Verantwortlichen von Med-El.

Hohe Qualität der Einsendungen

„Die Ideen der Schüler aus Uttendorf sind genial“, freute sich auch Forscher Geoffrey Ball, technischer Leiter bei Med-El. „Die Kinder haben unglaubliches Engagement gezeigt und keine Mühen gescheut, ihre hervorragenden Ideen auch in aufwändig gebastelten Modellen zu präsentieren. Viele der Ideen könnten gut umsetzbar sein und gehörlosen oder schwerhörigen Menschen wirklich helfen.“

Goeffrey Ball mit Francisco Alexandre Fernandes Batalha, einem weiteren Gewinner aus Brasilien. In Österreich hatten sich 30 Schulen am Wettbewerb beteiligt – weltweit waren Teilnehmer aus sieben Ländern mit dabei. Foto: Med-El

Goeffrey Ball mit Francisco Alexandre Fernandes Batalha, einem weiteren Gewinner aus Brasilien. In Österreich hatten sich 30 Schulen am Wettbewerb beteiligt – weltweit waren Teilnehmer aus sieben Ländern mit dabei. Foto: Med-El

Und nur, damit noch verdeutlicht wird, aus welchem Munde die lobenden Worte stammen: Geoffrey Ball ist Erfinder des Mittelohrimplantats „Vibrant Soundbridge“ und gehört zu jenen Wissenschaftern, die ganz vorne mit dabei waren, als das erste und bisher einzige Gerät entwickelt wurde, mit dem sich ein menschlicher Sinn ersetzen lässt: das Hör-Implantat.

Bei der Preisverleihung anwesend waren auch Med-El-Gründerin Ingeborg Hochmair (r.), Fr. Häusler und Prof. Häusler. Foto: Med-El

Bei der Preisverleihung anwesend waren auch Med-El-Gründerin Ingeborg Hochmair (r.), Fr. Häusler und Prof. Häusler. Foto: Med-El

Gratuliert wurde den findigen Köpfen eben mit einer Einladung nach Innsbruck und einem Besuch im Audioversum. Dort konnten sich die Kids nach Lust und Laune austoben und erfuhren selbstverständlich auch viel Wissenswertes zum Thema. Oder wo sonst darf man schreien, so laut man kann – im besten Fall sogar lauter als ein Elefant? … was aber nebenbei bemerkt nicht mal in der Gruppe geglückt ist.

Darüber, dass der Schreiraum eine Tür hat, war ich dann doch froh … Foto: Tamara Kainz

Darüber, dass der Schreiraum eine Tür hat, war ich dann doch froh … Foto: Tamara Kainz

105 Dezibel. Lauter kann erstaunlicherweise auch keine Gruppe lärmen. Gemessen an der Natur lagen die Schüler da irgendwo zwischen Affe und Elefant. Foto: Tamara Kainz

105 Dezibel. Lauter kann erstaunlicherweise auch keine Gruppe lärmen. Gemessen an der Natur lagen die Schüler da irgendwo zwischen Affe und Elefant. Foto: Tamara Kainz

Wenn die Treppe klingt, wird noch lieber auf- und abgehüpft. Foto: Tamara Kainz

Wenn die Treppe klingt, wird noch lieber auf- und abgehüpft. Foto: Tamara Kainz

Eingetaucht in die Welt des Hörens ... Foto: Tamara Kainz

Eingetaucht in die Welt des Hörens … Foto: Tamara Kainz

Klingende Treppen übermütig auf und ab hüpfen oder fühlen, wie Kirchenglocken und Flugzeugtriebwerke vor Schall vibrieren? Mit staunenden Gesichtern verfolgten die Mädchen und Burschen die Ausführungen von Audioversum-Guide Wolfgang und experimentierten übermütig mit den vielen Exponaten zum Anfassen und Mitmachen.

Dialektgeschichten

Wobei: Eingangs galt es mit den Kindern noch eine andere Frage zu klären. Die sprachen nämlich dauernd von den „Eling“ oder „Ehling“ – ja, die Lehrerinnen waren sich sogar bei der Schreibweise uneinig! – wie die Ohren in ihrer Heimat genannt werden. Wir in Tirol hingegen würden die Lauscher maximal als „Oahrn“ bezeichnen. Nicht zu verwechseln mit „Oare“ – die haben wir zu Ostern gesucht …

Über Med-El

Med-El hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroleketronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats führte.

Zukunftsweisende Medizintechnik: Die Dauerausstellung Med-El World im Audioversum liefert auch spannende Einblicke in die Welt der Hörimplantate. Foto: Tamara Kainz

Zukunftsweisende Medizintechnik: Die Dauerausstellung Med-El World im Audioversum liefert auch spannende Einblicke in die Welt der Hörimplantate. Foto: Tamara Kainz

Heute beschäftigt Med-El weltweit mehr als 1.900 Personen in 30 Niederlassungen und bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust. Menschen in 121 Ländern hören mithilfe eines Produkts von Med-El.

Über das Audioversum

„Höre und staune“, so der Slogan der für jeden Interessierten zugänglichen „Abteilung“ – das Audioversum von Med-El. Die interaktive Erlebniswelt in Innsbruck lässt auf jeden Fall aufhorchen!

Auf Wunsch kann man auch an Führungen durch das Audioversum teilnehmen. Foto: Tamara Kainz

Auf Wunsch kann man auch an Führungen durch das Audioversum teilnehmen. Foto: Tamara Kainz

Was ist 360-Grad-Hören und wie funktioniert Knochenschall? Schon einmal durch ein Ohr in 3D gesurft oder überdimensionale Sinneszellen gefühlt? Im Audioversum ist all das und noch viel mehr möglich, wie auch nachstehendes Imagevideo veranschaulicht.

Als ScienceCenter verbindet es Medizin, Technik, Bildung und Kunst. Das in Europa einzigartige Ausstellungskonzept wird jährlich um wechselnde Sonderausstellungen – wie derzeit die „Geruchswelten“ und „Abenteuer Erde“ erweitert.

Sonderausstellungen, wie derzeit die der Geruchswelten, sorgen für Abwechslung. Foto: Tamara Kainz

Sonderausstellungen, wie derzeit die der Geruchswelten, sorgen für Abwechslung. Foto: Tamara Kainz

Bis zum nächsten Mal! Foto: Tamara Kainz

Bis zum nächsten Mal! Foto: Tamara Kainz