Vom 2. bis zum 7. Juni ist wieder IFFI-Time. Sechs Tage lang bringt das Internationale Filmfestival Innsbruck geballt wunderbares Filmschaffen jenseits des Mainstreams. Ein Muss für alle Cineasten und solche, die es werden wollen. Meine Empfehlung: gleich reinschnuppern ins Programm und dann …

GRIGRIS – von Mahamat Saleh Haroun (Fotocredit: M. S. Haroun)

GRIGRIS – von Mahamat Saleh Haroun (Fotocredit: M. S. Haroun)

44 Filme sind es, die dieses Jahr beim Internationalen Filmfestival Innsbruck (IFFI) laufen – im Leokino in der Anichstraße und im Cinematograph in der Museumstraße. Als echter Cineast, als echte Cineastin könnte man den ganzen Tag im Kinosaal verbringen. Und manche tun das auch.

Das Programm, das Helmut Groschup und sein Team zusammengestellt haben, ist keine popkornig leichte Kost à la Hollywood.
Es entführt in andere Welten, auf andere Kontinente, nach Südamerika und Afrika, nach Asien und Südosteuropa. Es lässt Neues entdecken, ist überraschend und herausfordern. Spiel- und Dokumentarfilme gemacht von hervorragenden Filmemachern, die auf den Roten Teppich gehören. Hier in Innsbruck sind sie es.

Weltpremiere

Da wären einmal zwei Uraufführungen. Die Münchner Regisseurin Tina Leisch kommt mit „Nur die Toten kehren heim“ ins Herz der Alpen. Es geht darin um Menschen kurdischer Abstammung und ihren Kampf um Eigenständigkeit, Sprache und Kultur. Dem gebürtigen Kufsteiner Hubert Sauper ist 2015 ein „Tribute“ gewidmet. Neben der Rohfassung seines neuesten Films „We come as Friends“ zeigt das IFFI die Oscar-nominierte Dokumentation „Darwin’s Nightmare“ aus dem Jahre 2004 und „Kisangani Diary“.

WE COME AS FRIENDS – von Hubert Sauper (Fotocredit: H. Sauper)

WE COME AS FRIENDS – von Hubert Sauper (Fotocredit: H. Sauper)

Junges Leben

In gleich fünf Filmen stehen die Erfahrungen Jugendlicher im Zentrum – von Äthiopien bis Venezuela. „Conducta“ des Kubaners Ernesto Daranas stellt den jungen, aufmüpfigen Chala in den Mittelpunkt, der in einem Erziehungsheim landet. Das Drama „Difret“ widmet sich dem traurigen Schicksal junger äthiopischer Mädchen, die vergewaltigt und zur Heirat gezwungen werden (Regie: Zeresenay Berhane Mehari).

In „Horizon Beautiful“ von Stefan Jäger begibt sich ein korrupter Schweizer Fußballfunktionär auf Talentesuche nach Äthiopien und trifft auf einen jungen Messi. Der venezolanische Film „Pelo Malo“ erzählt die Geschichte eines Jungen, dessen Mutter ihn davor bewahren will, ein Gangster zu werden wie sein Vater (Regie: Mariana Rondón). Und dann ist da noch „Shana“, eine junge Violinistin, die mit ihrem Vater in einem Indianerdorf in Kanada lebt von Nino Jacusso.

CONDUCTA – von Ernesto Daranas (Fotocredit: E. Daranas)

CONDUCTA – von Ernesto Daranas (Fotocredit: E. Daranas)

Werkschau

Ein Highlight ist mit Sicherheit auch die Teboho Edkins gewidmete Werkschau. Der junge Regisseur befasst sich in seinen Dokumentarfilmen intensiv mit dem Leben am Rande der (südafrikanischen) Gesellschaft. Vor zehn Jahren war Edkins erstmals beim IFFI: 2005 erhielt er für „Ask Me I’m Positive“ den IFFI-Dokumentarfilmpreis, im Jahr darauf für „True Love“. Die Werkschau präsentiert „Coming of Age“, „Gangster Backstage“ und „Gangster Project“.

GANGSTER PROJEKT BACKSTAGE – von Teboho Edkins (Fotocredit: T. Edkins)

GANGSTER PROJEKT BACKSTAGE – von Teboho Edkins (Fotocredit: T. Edkins)

Retrospektive

„Wenn Sie etwas über die jüngste Geschichte Serbiens wissen wollen, schauen Sie seine Filme an“, sagt der Münchner Filmkritiker Klaus Eder und meint Goran Paskaljevic. Die heurige Retrospektive widmet sich dem Schaffen des vielfach ausgezeichneten Belgrader Regisseurs und IFFI-Ehrenpreisträgers 2015. Acht seiner Werke sind im Rahmen der IFFI-Retrospektive zu sehen, darunter „Powder Keg“, „Midwinter Night’s Dreams“ und „Honeymoons“. Alle setzen sich mit den Auswirkungen der Politik auf die Menschen auseinander.

Und weiter

Natürlich wäre jetzt noch eine ganze Reihe von Filmen zu nennen – 28, wenn ich richtig gezählt habe, etwa „Parabellum“ oder „Die Akte Pasolini“, „Grigris“. Oder „Omega 3“ des langjährigen IFFI-Gastes Eduardo del Llano, ein Film, in dem übrigens die Nordkette, Innsbrucks hochalpine Augenweide, eine Rolle spielt.

Natürlich wäre noch herauszustreichen, welche der vielen tollen Filme im Internationalen Spielfilm- und welche im Dokumentarfilmwettbewerb laufen, welche im Rennen sind um den Südwind-Filmpreis, den Preis der Universität Innsbruck (Ja, der ist nigelnagelneu!) oder den Afrika-Schwerpunkt. Und: Welche Filme antreten, um den Publikumspreis zu erhalten.
Es wäre noch anzumerken, dass „Global Warning“ und „Der Stille Berg“ des Tirolers Ernst Gossner laufen.

Allein: Was soll ich noch lange aufzählen?

Das IFFI bietet einfach die einmalige Gelegenheit, sich Perlen des afrikanischen, südamerikanischen, asiatischen und südosteuropäischen Filmschaffens anzuschauen, die internationalen Gäste hautnah zu erleben und einzutauchen in eine cineastische Welt, jenseits von Mainstream und Hollywood-Glitter aber von höchster Qualität.
Und unter www.iffi.at ist alles Weitere zu finden.

IFFI – Internationales Filmfestival Innsbruck
Otto-Preminger-Institut
Innrain 37a
A-6020 Innsbruck
Tel: +43 512 571262
E-Mail info@iffi.at
www.iffi.at

Informationen auch unter: www.innsbruck.info