Ästhetik: Körper als Instrument der Sprache

40.000 Karten pro Jahr. Die angesehensten Tanzfirmen der Welt. Das Beste ist nur möglich, wenn Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft gemeinsam etwas machen. Sie vermitteln ein positives Lebensgefühl und sprechen die einzige gemeinsame Sprache der Welt: Tanz.

Von Polydor nach Innsbruck

Geschäftsführer des Tanzsommers ist Josef Resch: Er bringt seit 1995 berühmte Tanzfirmen in die Alpenstadt und schuf so den Innsbrucker Tanzsommer, das größte Festival in Tirol. „Die Tiroler haben zwar ein wenig länger gebraucht, bis ihnen der Tanzsommer gefallen hat, aber heute sind sie ihm sehr treu und interessiert – ein großartiges Publikum“, schwärmt Resch.

Er war immer im Kulturbereich tätig und arbeitete für Polydor, eine deutsche Plattenfirma. Nostalgiker bekommen jetzt wahrscheinlich funkelnde Augen. „Als ich nach Tirol gezogen bin, habe ich Veranstaltungen organisiert – am Anfang noch im Auftrag der Stadt.“ 1995, beim ersten Tanzsommer, waren es um die 3.000 Besucher; heute sind es jedes Jahr 40.000, die Hälfte der Karten ist meist zu Weihnachten ausverkauft.

Frauensache

„Die Damen sind es, die bestimmen, was in Sachen Kultur gemacht wird – sie haben mehr Sinn für Ästhetik und tanzen gerne“, schmunzelt Resch.  Fürs Protokoll: Frau entscheidet, was Mann macht und wie viel Geld dafür ausgegeben wird; zumindest was das Kulturprogramm der Familie betrifft. Über diese Entscheidungen bin ich sehr froh, muss ich gestehen und Resch hat recht: Letztes Mal war es meine Liebste, die Karten organisiert hat. Gezahlt hat meiner einer. Ich mische mich aber jedes Jahr unters Publikum.

Dance Theater of Harlem

Das Dance Theater of Harlem wurde 1969 im New Yorker Viertel Harlem gründete. Es war die Geburtsstunde eines der weltweit berühmtesten Tanzensembles aller Zeiten.
45 Jahre später ist das Dance Theater of Harlem Inbegriff für Perfektion und formvollendeten Tanz, und sein Gründer Arthur Mitchell eine Legende. © Innsbrucker Tanzsommer

Neu im Tanzsommer

Dieses Jahr wird es einen langen Tag des Tanzes geben, an dem Tanzschulen und Leute, die gerne tanzen, einen ganzen Tag in der Stadt ausschmücken werden: Im Halbstundentackt treten überall Künstler auf; vor dem Goldenen Dachl, in der Rathauspassage oder im Kaufhaus Tyrol. „Auch Behindertentanz wird es geben“, betont Resch. Sehr schön! „Unter dem Motto ‘Mitmachen!’ wollen wir den Innsbruckern zeigen, wie viele Möglichkeiten es während des Jahres zum Tanzen gibt.“ Noch schöner!

Tanz als Sprache

Ich frage mich, warum jemand zum Tanzsommer kommen solle? „Sollen muss niemand“ meint Resch. „Tanz ist aber die gemeinsame Sprache der Menschen, Tanz ist das verbindende Element der Welt – nicht die Musik. Jene aus China oder Arabien verstehen wir nicht.“ Umgekehrt könnten sich Chinesen und Araber wohl mit Mozart schwer tun. „Das Instrument unserer Sprache ist der eigene Körper und Bewegungsdrang hat ein Eskimo gleich wie ein Tiroler.“ Erst jetzt wird mir klar, was Mohana Rapin, Tänzerin des Tiroler Landestheaters, meinte: Mit Tanz könne sie sich auszudrücken.

Sao Paulo Dance Company

Brasilien steht für Lebensfreude, schöne Körper und pulsierendes Leben. Und genau das spürt und sieht man, wenn die Tänzer die Bühne kommen, auch wenn es hier ein wenig surreal aussieht. © Innsbrucker Tanzsommer

 

Als musikinteressierter Tanzfreund fasse ich es für mich so auf: Wer losgelöst vom Alltagsstress in die Welt des Tanzes eintreten möchte, sollte ruhig den Tanzsommer besuchen. Dort gibt es keine Differenzen, kein Draußen und Drinnen, kein Wir und Ihr, also keine Exklusion. Hier gehört jeder dazu, der einen Sinn für Ästhetik und Kommunikation mit dem Körper hat. Bitte eintreten!

Besucher des Tanzsommers kommen in den Genuss von Tänzern, die man sonst nie zu sehen bekäme. Dieses Jahr sind es unter anderem das Dance Theatre of Harlem oder die Sao Paolo Dance Company. Die erste Aufführung ist am 27. Juni 2014 und erfreut Besucher bis 12. Juli 2014. Termine und das Programm gibt’s auf der Homepage des Innsbrucker Tanzsommers.

 

Josef Resch

Josef Resch ist Geschäftsführer des Innsbrucker Tanzsommers. Er wurde am 9. Jänner 1950 in Opponitz im niederösterreichischen Mostviertel geboren. 1976 übersiedelte er nach Innsbruck und ist seit 1980 als Kulturvermittler tätig. 1995 gründete er den Innsbrucker Tanzsommer. © Innsbrucker Tanzsommer

 

TANZSOMMER Veranstaltungs GmbH
Burggraben 3
A-6020 Innsbruck
Karten- und Infohotline: +43 (0) 512 561 561
Tanzsommerbüro (keine Kartenreservierungen): +43 (0) 512 577 677

Bildnachweis: Innsbrucker Tanzsommer