Aha, was ist hier los? Ein Menschenkreis mitten in einem Geschäft. Ein Wühltisch? 2+1 gratis oder nimm 5 zahl 3?  Wo hab ich jetzt die Rabattmarkerln …

Nein – ein Konzert, mitten am Nachmittag! Wer geht da hin? Das ist eigentlich gar nicht wichtig, denn die Aktion des Osterfestivals ist eine „Aktivität ohne Einschaltquote“. Es geht darum, ahnungslose Passanten mit spontanen Konzerten zu erschrecken. Naja, im Programmheft steht natürlich nicht „erschrecken“, aber so mancher reagiert ziemlich verdutzt, wenn er statt mit Kaufhausmusik per Live-Band beschallt wird.

Gratis-Konzerte im Vorfeld des Osterfestivals in Innsbruck.

Gratis-Konzerte im Vorfeld des Osterfestivals in Innsbruck.

Gratis, aber alles andere als umsonst

Die Aktion des Osterfestivals Tirol heißt 15 Orte 2015. An 15 Tagen (ab dem 10. März) findet man täglich ab 15 Uhr musikalische Inseln im Stadtleben – ein halbstündiges Gratis- Konzert im öffentlichen Raum: In Geschäften, Museen, auf Bahnhöfen und in Büchereien. Der Überraschungsmoment trägt erheblich zum Vergnügen bei, Spielverderber können das genaue Programm mit Ort und Musikern hier studieren. Für Schnitzeljäger gibt’s eine Liste nur mit den jeweiligen Adressen des Geschehens:

Das erste Konzert  fand am 10. März im Innsbrucker Weltladen statt und bezog sich durch eine kleine Pausen-Lesung auch inhaltlich auf den dortigen Schwerpunkt. Zwei junge Cellistinnen ließen 30 Minuten lang aufhorchen und es gibt ja wirklich kaum etwas Attraktiveres als Frauen mit Cello (nicht umsonst lange verboten, weil zu “unsittlich”). Das Motto des diesjährigen Osterfestivals ist „Mut“ und den müssen die jungen Musikerinnen wirklich aufbringen, um sich mitten im Geschäft einen Platz zu suchen und drauflos zu spielen. Da entsteht dann schon mal ein ungewolltes Stilleben „Cellokasten mit merkwürdigem Sticker vor Schalregal“.

Zwischen Regalen und Kleiderständern findet man bei 15 Orte 2015 (Osterfestival Innsbruck) auch schon mal ungewollte Performance-Kunst.

Zwischen Regalen und Kleiderständern findet man bei 15 Orte 2015 (Osterfestival Innsbruck) auch schon mal ungewollte Performance-Kunst.

 

Von Konservatoriums-Studenten bis zu Stars ist bei dem Projekt alles dabei, auch von Tuba bis zu Toy-Piano. Da spielen etwa Barbara Romen und Gunter Schneider, die sonst eher im Wiener Jazzclub “Porgy und Bess” anzutreffen sind, oder Isolde Jordan und Harald Oberlechner, die sich seit Jahren für das Zitherspielen in Tirol stark machen. Die Aktion 15 Orte 2015 ist eine Einstimmung auf das Hauptprogramm des Festivals, das vom 20. März bis zum 5. April 2015 stattfindet. In Innsbruck wird der Tanz im Mittelpunkt stehen. In der Dogana des Innsbrucker Congress werden am 24. März mit „Souls“ sechs Tänzer aus unterschiedlichen Teilen Afrikas auf und mit Sand tanzen. Etwas für ÄsthetInnen. Am 29. März geht es in „Democracy“ um eine Gruppe von Künstlern im energiegeladenen Wettstreit mit Live-Schlagzeug. Etwas für Progressive. Schließlich für Asien-Fans am 5. April „Kaash“: Ein Tanzprojekt inspiriert von hinduistischen Elementen vor einem großartigen Bühnenbild des weltberühmten Künstlers Anish Kapoor.

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