Die Heiratspolitik der Habsburger war ein wichtiger Baustein ihrer Macht. Nach dem Motto „bella gerant alii, tu felix Austria nube!” – Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate! – wurden junge Herzoginnen oft schon im Kindesalter versprochen und an jenen Hof geschickt, an dem sie später leben sollten. Zu beneiden waren sie in dieser Rolle nicht. Drei Habsburgerinnen, die den Einfluss der Dynastie sicherten, stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung Frauen. Kunst und Macht auf Schloss Ambras: Margarete von Österreich, Maria von Ungarn und Katharina von Österreich taten sich als Kunstförderinnen und Mäzeninnen hervor.

Die Habsburger–Dynastie war weit verzweigt. Einen Teil ihres Einflusses verdankten sie ihrer Heiratspolitik. Foto: © Susanne Gurschler

Der weiße Pfau

Die schweißtreibende Hitze, die sich Anfang August über Innsbruck legte, forderte geradezu, Abkühlung in einem der Museen in Innsbruck zu suchen, bei der Ausstellung „Cranach natürlich“ im Tiroler Landesmuseum etwa oder bei „Feuer“ im Tiroler Volkskunstmuseum oder eben auf Schloss Ambras, das seit einiger Zeit mit dem „Weißkunig“ – nach dem gleichnamigen Buch Maximilians I. – eine neue Attraktion hat. Und tatsächlich sitzt der weiße Pfau anmutig und stolz auf dem Geländer beim Parkplatz. Er ist das derzeit wohl am häufigsten fotografierte Motiv auf Schloss Ambras. Und er weiß es!

Der neue Star im Park von Schloss Ambras: der weiße Pfau „Weißkunig“, Foto: © Susanne Gurschler

Im zweiten Stock

Die Sonderausstellung wird traditionell im zweiten Stock des Hochschlosses präsentiert. In den Räumlichkeiten herrschen angenehme Temperaturen, an die Verdunkelung muss man sich erst gewöhnen – sie ist den wertvollen Objekten geschuldet, die in „Frauen. Kunst und Macht“ gezeigt werden. Sie stammen aus den Beständen des Kunsthistorischen Museums Schloss Ambras und von bedeutenden internationalen Leihgebern.

„Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!“ – So lautete das Motto der Habsburger. Foto: © Susanne Gurschler

Dass in dieser Ausstellung dezidiert weibliche Mitglieder der Habsburger-Dynastie im Fokus stehen, ist bemerkenswert, immerhin hat sich die Wissenschaft – bis auf die wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen – bis dato vornehmlich mit den Männern des Herrschergeschlechts befasst. Ich überfliege die verzweigten Verwandtschaftsverhältnisse der Habsburger, und wende mich rasch Erzherzogin Margarete von Österreich (1480-1530) zu.

Erzherzogin Margarete von Österreich (1480-1530), Statthalterin der Niederlande, Niederländisch, nach 1506; © KHM-Museumsverband

Statthalterin der Niederlande

Die Tochter von Kaiser Maximilian I. war Statthalterin der Niederlande und der Mechelner Hof ein Ort der Kunst und der Kultur – „die kulturelle Kaderschmiede nachfolgender habsburgischer Generationen“, heißt es in der Ausstellung.

Drei mächtige Frauen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung auf Schloss Ambras. Foto: © Susanne Gurschler

Margarete ist eine der ganz frühen Sammlerinnen und Mäzeninnen. Die Kunstkennerin legte eine große Gemäldesammlung an und richtete im Erdgeschoss ihrer Residenz ein Gartenkabinett ein, das als eine frühe Form der Kunstkammer bezeichnet werden kann. Hier fanden sich die unterschiedlichsten Objekte – von Korallen über Skulpturen bis hin zu exotischen Gefäßen. Zudem verfügte Margarete über eine umfangreiche Bibliothek.

Förderin von Tizian

Sie übte einen großen Einfluss auf ihre Nichte Erzherzogin Maria (1505-1558) aus – auch in künstlerischer Hinsicht. Die Schwester Kaiser Karls V. und spätere Königin von Ungarn förderte große Künstler wie Tizian oder Leone Leoni.

Maria von Ungarn (1505–1558), Hans Maler, Innsbruck; © Kunstsammlungen der Veste Coburg, Stadt Coburg und Bundesrepublik Deutschland

Ab 1531 agierte sie als Statthalterin der Niederlande und wusste ihre Interessen politisch durchzusetzen. Gleichzeitig war sie ein vielseitig interessierter Mensch und machte ihren Hof in Brüssel zu einem Zentrum von Kunst und Kultur.

Wappentapisserie, Henri van Lacke, Seide und Wolle; © Iparművészeti Múzeum, Budapest

Große Künstler wie Tizian beauftragte sie damit, Porträts herzustellen, in Binche ließ sie ein Schloss im Renaissancestil erbauen. Als Maria 1556 nach Spanien übersiedelte, nahm sie ihre wertvolle Sammlung mit. Eine besondere Freude bereiteten ihr – wie ihrer Tante Margarete – Tapisserien.

Auf dem Wappenteppich

Unübersehbar im dritten Raum eine Wappentapisserie von Henri von Lacke. Margarete von Österreich hatte bei ihm gleich eine Reihe solcher Wappenteppiche in Auftrag gegeben. Sie sollten die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Regentin quer durch Europa widerspiegeln und damit ihren herrschaftlichen Anspruch und ihre Bedeutung unterstreichen.

Katharina von Österreich, Königin von Portugal (1507–1578), Cristóvão Lopes (Kopie nach Anthonis Mor); © Museu de São Roque/Santa Casa da Misericórdia de Lisboa

Erzherzogin Katharina von Österreich (1507-1578) wiederum, jüngste Schwester Karls V., wirkte als Königin von Portugal. Das Land verfügte über Handelsniederlassungen rund um den Globus und Katharina besorgte ihrer verzweigten Verwandtschaft kostbare Raritäten und Besonderheiten aus aller Welt: Tiere und Pflanzen ebenso wie Mineralien und Artefakte.
„Katharinas Kunstkammer enthält um 1550 mehr außereuropäische Objekte als jede andere europäische Sammlung“, ist in der Ausstellung zu lesen. Einige exquisite Exotica sind zu sehen.

In der Ausstellung sind wertvolle Objekte aus internationalen Sammlungen zu sehen. Foto: © Susanne Gurschler

Exotische Waren

So etwa jener wertvolle Elfenbeinfächer, der das Plakat und den Katalog zur Ausstellung ziert – und zu den Schätzen der Kunst- und Wunderkammer auf Schloss Ambras gehört. Die sollte man im Anschluss an die Sonderausstellung unbedingt aufsuchen. Jedes Mal aufs Neue ein Traum, dieses Sammelsurium an Wundern, Kuriositäten, Artefakten, Naturalien und Mineralien aus der damals bekannten Welt.

Faltbarer Fächer aus Elfenbein, Ceylon (Sri Lanka); © KHM-Museumsverband

Die Ausstellung „Frauen. Kunst und Macht“ läuft bis 7. Oktober – noch genügend Zeit also, um sich die Ausstellung anzuschauen und durch das herrliche Ensemble und die hochkarätigen Sammlungen zu flanieren.

„Frauen. Kunst und Macht“ gilt auch als „Präludium“ zum 500. Todestag Kaiser Maximilians I. 2019. Foto: © Susanne Gurschler

 

Frauen. Kunst und Macht
Drei Frauen aus dem Hause Habsburg
Kuratiert von: Dagmar Eichberger und Annemarie Jordan Gschwend
Bis 7. Oktober 2018

Schloss Ambras
Schlossstraße 20
6020 Innsbruck/Amras
Öffnungszeiten: tägl. 10 – 17 Uhr
Mail: info@schlossambras-innsbruck.at
Tel.: +43 1 52524 – 4802
Infos unter www.schlossambras-innsbruck.at
Infos zu Ausstellungen in Innsbruck unter www.innsbruck.info