Eines ist klar, noch bevor man die Sonderausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum betritt: Offenes Feuer wird es nicht geben! Zu Recht. Denn Feuer ist eine mächtige, eine aufgeladene Kraft und nur bedingt kontrollierbar – die Sonderausstellung „Feuer“ im zweiten Stock erzählt davon.

Blick in die Sonderausstellung „Feuer“, die bis 4. November im Volkskunstmuseum läuft.

Man könne eine Ausstellung über das Feuer machen, aber nicht mit ihm. Es sei also etwas Besonderes, eine Ausstellung über etwas zu machen, das selbst nicht gezeigt wird oder werden kann, unterstreicht Karl C. Berger, Leiter des Volkskunstmuseums. Er hat zusammen mit seiner Mitarbeiterin Anna Engl die Sonderschau konzipiert.

Zeus erzürnt

Um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, holten die beiden eine Reihe von Objekten aus dem reichen Fundus des Volkskunstmuseums und ergänzten diese um Leihgaben. Die Sonderschau im zweiten Stock des Volkskunstmuseums spricht mehrere Themenbereiche an, die teilweise in einander greifen. Von mythologischen und religiösen Aspekten des Feuers über den Schutz vor dem Feuer bis hin zum Beherrschen des Feuers und zum Feuerkult reichen die Bezüge.

In der jüdisch-christlichen Tradition spielt Feuer als Symbol eine wichtige Rolle.

Am Anfang, so könnte man zuspitzen, war nicht das Wort, sondern das Feuer. Zahlreiche Legenden verweisen auf eine mythische Herkunft dieses Elements: So bringt in der griechischen Mythologie zum Beispiel Prometheus den Menschen das Feuer und zieht damit den Zorn von Zeus auf sich.

Höllische Torturen

Auch in der christlichen Tradition spielt das Feuer eine zentrale Rolle. Denken wir nur an den brennenden Dornbusch, der für das Ewige Licht und damit die Präsenz Gottes steht. Oder an die Bedeutung der Osterkerze, die man am Osterfeuer entzündet, an die Tauf- und Sterbekerze oder das Friedenslicht aus Bethlehem in der Weihnachtszeit.

Lasterbild Höllenstrafen, Navis, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts; Foto: © Johannes Plattner

Nicht minder dominant ist das Bild des Feuers als Feuer der Verdammnis (Hölle) oder der Läuterung (Fegefeuer). Kalte Schauer hat früher wohl das Bild „Höllenqualen“ provoziert. Darauf erleiden Menschen, die einem Laster frönten, alle erdenklichen Torturen. Sie winden sich  vor Schmerz und Qualen. Solche Bilder dienten lange dazu, Menschen dazu zu „animieren“, gottgefällig zu leben, da ansonsten ewige Qualen auf sie warteten. Und nicht zuletzt: Ketzer und Hexen kamen auf den Scheiterhaufen.

Ein Schaff Wasser

Lange galt auch: Katastrophen kann der Mensch nur mit göttlicher Hilfe überstehen. Mit Votivbildern bedankten sich viele dafür, dass sie eine Krankheit, ein Unwetter oder eine Brandkatastrophe überlebten. Eines der bewegendsten Objekte der Schau ist das Bild „Brand der neuen Hofburg zu Innsbruck (Ruhelust)“, das der Künstler Michael Ignaz Mildorfer 1728 malte. Vom 15. auf den 16. März 1728 wurde die Innsbrucker Hofburg ein Raub der Flammen. Nicht nur für Kunsthistoriker interessant, die auf dem Bild dargestellten Löschgerätschaften.

In der Mitte: Michael I. Mildorfers Gemälde „Brand der neuen Hofburg zu Innsbruck (Ruhelust)“ (1728)

Zudem ist der Augenzeugenbericht des Mesners Johann Schennacher erhalten, sodass wir einen detaillierten Einblick in die damaligen Ereignisse bekommen. So schreibt er etwa: „Um den Hauptbrand zu löschen, hätte es einen ganzen Fluss erfordert, denn der Hof brannte an allen Ecken so sehr, dass das Löschen ebenso viel genützt hätte, als ein Schaff Wasser in die Höll schütten, ja als hätte man das Feuer genährt, so wallte die Burg auf einmal in voller Flamme auf.“

Macht über das Element

Bereits in der frühen Neuzeit versuchte man, der Brandgefahr mit Verordnungen und Gesetzen beizukommen, Gefahrenquellen zu minimieren. Gemeinden wurden verpflichtet, Gerätschaften zur Bekämpfung des Feuers anzuschaffen. Freiwillige Feuerwehren sollten im Ernstfall sofort einsatzbereit sein. Zu den ersten Gerätschaften zählten Handdruckspritzen und Kübel, die mit Sand oder Asche gefüllt wurden.

Die etwas dominante Ausstellungsarchitektur symbolisiert Rost und Flammen.

Feuer musste gezähmt werden, erst dann ließ es sich wirklich nutzen. Kurzum: Erst mit der Profanierung wurde das Zündholz möglich, wie Berger erklärt. Macht über das Feuer hieß auch, es jederzeit gefahrlos entzünden zu können. Ab dem 17. Jahrhundert gab es Steinschlossfeuerzeuge, später Streichhölzer.

Herd und Ofen

Von großer Bedeutung war der Schritt von der offenen Feuerstelle im Haus hin zu Öfen, mit denen das Feuer, die Hitze kontrolliert werden konnte. Damit wurde das Feuer aus dem Blickfeld verbannt und in gewisser Weise unsichtbar. An Faszination hat dieses mächtige Element jedoch nichts eingebüßt und auch nicht an seiner Symbolkraft.

Die Herz-Jesu-Feuer haben eine lange Tradition in Tirol, die Darstellungen sind oft politisch aufgeladen.

Alte Feuerbräuche leben fort. So etwa in den Herz-Jesu-Feuern, die jedes Jahr in allen Landesteilen Tirols stattfindenden, oder im olympischen Feuer – das am Ende der Ausstellung in Form der Fackel auf die Austragung der Olympischen Spiele in Innsbruck 1976 verweist.

Zur Ausstellung „Feuer“ gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm sowie einen Katalog mit vertiefenden wissenschaftlichen Beiträgen.
Ausstellungskonzept: Karl C. Berger, Anna Engl; Rosanne Dematté, Hansjörg Rabanser
Ausstellungsarchitektur: Sonja Mitterer und Barbara Lanz

Feuer
Sonderausstellung bis 4.11.2018
Tiroler Volkskunstmuseum
Universitätsstraße 2
Öffnungszeiten. Tägl. 9:00 – 17:00 Uhr
Tel: +43 512 59489-510
Mail: info@tiroler-landesmuseen.at
www.tiroler-landesmuseen.at

Info und Anmeldung für Gruppenführungen: +43 512-59489-111
Infos zu Eintrittspreisen unter www.tiroler-landesmuseen.at

Infos zu weiteren Ausstellungen in Innsbruck www.innsbruck.info

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler