Der Rabe war Paul Floras liebstes Tier, der Stift sein liebstes Arbeitsgerät. Flora war Zeichner, Grafiker, Illustrator und ein international bekannter Karikaturist; letzteres ließ er in späteren Jahren gerne unter den Schreibtisch fallen. Fürchtete er doch, seine Karikaturen würden sein künstlerisches Schaffen überlagern.

Porträt mit Rabe: Flora war Zeichner, Grafiker Illustrator, Karikaturist. Foto: Rolf Karrer-Kharberg

Porträt mit Rabe: Flora war Zeichner, Grafiker Illustrator, Karikaturist. Foto: Rolf Karrer-Kharberg

Das Atelier

Dass diese Sorge unberechtigt war, zeigt die große Ausstellung „Paul Flora. Karikaturen“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (bis 26.3.2017) mehr als eindrücklich.
Paul Flora, 1922 in Glurns in Südtirol geboren, übersiedelte 1927 mit seiner Familie nach Innsbruck, wo er bis zu seinem Tod lebte und zwar auf der Hungerburg, der Sonnenterrasse nördlich der Stadt. Er war Mitbegründer der Galerie im Taxispalais, in der er eine Zeit lang auch als Kurator wirkte, sowie Initiator des heute noch durchgeführten, renommierten „Österreichischen Grafikwettbewerbs“. Parallel machte er international Karriere als freischaffender Künstler mit Ausstellungen u. a. in der Schweiz, Deutschland, Italien, in Holland – und natürlich in Innsbruck und Wien. Neben eigenen Büchern illustrierte er literarische Werke von Erich Kästner, Hans Weigel oder Wolfgang Hildesheimer, zudem war er ein gefragter Grafiker.

Die Szenografin Juliette Israël entwarf die Ausstellungsarchitektur.

Die Szenografin Juliette Israël entwarf die Ausstellungsarchitektur.

Im Zentrum der Ausstellung im Ferdinandeum stehen nun erstmals die großartigen Karikaturen, die er in den 1950er und 1960er Jahren vorwiegend für die deutsche Wochenzeitung „DIE ZEIT“, aber auch für englische oder italienische Blätter zeichnete. Darüber hinaus wird Floras Arbeitsweise ins Licht gerückt, das Ideendepot, aus dem er schöpfte und das er ständig erweiterte. Flora war ein leidenschaftlicher Sammler spezieller Dinge, wie gleich zu Beginn der Ausstellung, im „Atelier“ offensichtlich wird.
Hier findet sich eine Fülle an Materialien, Erinnerungsstücken, die Flora in seinem Atelier verwahrte und die ihm als Anregungen für sein Schaffen dienten: Zeitungsausschnitte, Fotos und Kuriositäten, die er, thematisch sortiert, aufbewahrte.

Die Fantasie anregen: roter Plastikschuh und Bildpaare aus dem Atelier des Künstlers Paul Flora.

Die Fantasie anregen: roter Plastikschuh und Bildpaare aus dem Atelier des Künstlers.

Die Paare

Besonders prägnant die Bildpaare, die Flora auf ein Blatt Papier geklebt hat, und sich so gegenseitig kommentieren – und einem ein Lächeln, wenn nicht Lachen entlocken: das sich küssende Paar zum Beispiel und der Hund, der einem Jungen übers Gesicht schleckt oder der Pudel, dessen fluffige Frisur verblüffende Ähnlichkeiten mit der Kopfbedeckung des Offiziers daneben aufweist.
Ein Eyecatcher auch der rote Plastikschuh, der nobel auf einem Regal thront. Er inspirierte den großartigen Zeichner wohl ebenso, wie der Weisheitszahn, der auf Samt gebettet in einem der Guckkästen zu bewundern ist, wie so manch andere Kuriosität aus dem Nachlass von Paul Flora. Nicht schwer, sich Flora als einen humorvollen, originellen aber auch nachdenklichen Menschen vorzustellen, wie er in seinem Atelier sitzt und sich inspirieren lässt, von den Dingen, die ihn umgeben, oder wie er einen seiner langen Spaziergänge auf der Hungerburg macht, wo er wohnte, und den Gedanken freien Lauf lässt.

Einladung zum Blättern und Lesen: Nachdrucke der deutschen Wochenzeitung „DIE ZEIT“.

Einladung zum Blättern und Lesen: Nachdrucke der deutschen Wochenzeitung „DIE ZEIT“.

Die Zeit

Mit viel Pfiff und mit Augenzwinkern nähern sich die Kuratorin Helena Pereña und ihr Team dem großen Künstler und fordern den Besucher zur Entdeckungsreise ins künstlerische Reich des Paul Flora. Wie wahnsinnig produktiv er als Karikaturist war und wie weit seine Feder reichte, zeigt sich im zweiten Teil der Ausstellung.
Flora zeichnete für Medien international, allen voran die deutsche Wochenzeitung „DIE ZEIT“ zu nennen, die der Künstler zwischen 1957 und 1971 regelmäßig mit seinen aussagekräftigen Kunstwerken belieferte. Die Nachdrucke von Ausgaben aus jener Zeit laden zum Blättern und Schmökern ein, lassen einen eintauchen in jene Jahrzehnte, in das, was die Welt bewegte. So manche Karikatur Floras erweist sich als verblüffend aktuell – etwa wenn es um den Nahostkonflikt geht.

Mit der Deutschen Bahn kamen Floras Karikaturen nach Hamburg in die „ZEIT“-Redaktion.

Mit der Deutschen Bahn kamen Floras Karikaturen nach Hamburg in die „ZEIT“-Redaktion.

Die Kunst

Die Karikatur ist eine eigene Kunstform, betont Pereña. Paul Flora war ohne Zweifel ein Meister darin; die Ausstellung zeigt das auf prägnante und eingängige Weise. Sie lädt dazu ein, sich betrachtend und lesend in das wunderbare karikaturistische Schaffen von Paul Flora zu vertiefen – fad wird einem nicht, ganz im Gegenteil: Es lassen sich Stunden, wenn nicht Tage so verbringen. Ich jedenfalls konnte mich kaum losreißen.
Dazu kommt ein echt dickes Katalogbuch, ein im wahrsten Sinne des Wortes gewichtiger Wälzer: Es sammelt alle in der Ausstellung präsentierten Karikaturen von Paul Flora sowie eine Reihe von hervorragenden Aufsätzen rund um das Thema. Ein fetter Schmöker für daheim.

Schau mit Augenzwinkern: Der Papierkorb Floras steht auf einem Sockel.

Schau mit Augenzwinkern: Der Papierkorb Floras steht auf einem Sockel.

Kurz und gut

Die Ausstellung „Paul Flora. Karikaturen“ ist erfrischend, inspirierend und lässt einen den tiefsinnigen Humor Floras spüren – eine gelungene Würdigung des begnadeten Karikaturisten Paul Flora. Unbedingt anschauen, staunen und schmunzeln.
Zu sehen ist sie bis 26. März 2017 im Ferdinandeum.

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Museumstraße 15
6020 Innsbruck
info@tiroler-landesmuseen.at
Tel.: +43 512 594 89-180
Öffnungszeiten: Di – So 9 – 17 Uhr (geschlossen am 25.12., 1.1.; am 24.12 und 31.12 9 –14 Uhr; 28.2. 9 – 12 Uhr)
Infos zu Eintrittspreisen, Rahmenprogramm und Führungen unter www.tiroler-landesmuseen.at
Zusätzliche Infos unter www.innsbruck.info

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler