Lois Welzenbacher gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit, als einer der bedeutendsten Tirols sowieso. Die Ausstellung „Über Lois Welzenbacher“ im aut – architektur und tirol sowie im Archiv für Baukunst, beide im Adambräu, widmet sich ihm ausführlich. Unmittelbarer Anlass für die Ausstellung sind der 130. Geburtstag Welzenbachers und 350 Jahre Leopold-Franzens-Universität (LFU) Innsbruck.

Zur Vita

Lois Welzenbacher, geboren 1889 in München, begann 1912 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das er nicht abschloss. Gleich nach dem Krieg eröffnete er sein erstes Atelier in Innsbruck. Von 1922-23 unterrichtete er hier an der Staatsgewerbeschule für Hochbau und Kunstgewerbe. 1926 erfolgte die Zuerkennung der 1. und 2. Staatsprüfung.

Lois Welzenbacher

Architekt Lois Welzenbacher, 1889–1955; Foto: © Archiv für Baukunst/LFU Innsbruck

Nach einer Zwischenstation als Stadtbaudirektor in Plauen (D), eröffnete er 1931 ein Atelier in München, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Welzenbacher übersiedelte nach Absam in der Nähe von Innsbruck. 1947 erhielt er einen Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er starb 1955 in Absam.

Über Lois Welzenbacher

Soweit die Lebensdaten in aller Kürze. Sein Werk lässt sich nicht so knapp umreißen, immerhin war er fast 40 Jahre als Architekt tätig. Die Ausstellung „Über Lois Welzenbacher“ gibt einen hervorragenden Einblick in sein vielseitiges Schaffen. Sie gliedert sich in zwei Teile. Die Präsentation im aut gestalteten der Architekt Rainer Köberl und der Filmemacher und Fotograf Lukas Schaller.

Welzenbacher

Auf einem aktuellen Grundriss der Stadt Innsbruck sind die von Welzenbacher geplanten, noch bestehenden und nicht mehr bestehenden Gebäude eingezeichnet.

Zur Einstimmung sind auf einem aktuellen Grundriss von Innsbruck Bauten und Projekte Welzenbachers eingezeichnet, die er zwischen 1919 und 1951 geplant hat. Gelb markiert die ausgeführten, heute nicht mehr existierenden Projekte, schwarz die noch existierenden (teilweise aber veränderten) und rot, die nicht ausgeführten. Dazu das Modell des im Zweiten Weltkrieg zerstörten mehrstöckigen Wohnhauses Treichl, errichtet in den Jahren 1929 bis 1931.

Filmische Annäherung

Die Untergeschoße des aut wurden für die Ausstellung quasi zu Kinoräumen umfunktioniert. Auf kleinen Bildschirmen und an der Wand laufen Filmporträts über Bauwerke Welzenbachers. Köberl und Schaller besuchten die noch existierenden Bauten und fingen die Ist-Situation ein. Die Dokumentationen erzählen in ruhigen, unaufgeregten Bildern, tasten die Bauwerke und ihr heutiges Umfeld ab.

Welzenbacher

Die Dokumentationen über die Bauten zeigen Details, Umfeld, Beziehungen zwischen Außen- und Innenraum.

Sie spiegeln die Atmosphäre der Gebäude, lenken den Blick auf Details, auf Materialien, besondere Stilelemente. Zu den bekannten in Innsbruck noch existierenden Welzenbacher-Bauten gehören die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) in der Salurner Straße, das Adambräu, in dem die Ausstellung stattfindet, und das Wohnhaus Proxauf im Stadtteil Arzl.

Welzenbacher

Das Gebäude der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) in der Salurner Straße ist einer der Bauten Welzenbachers in Innsbruck.

Gegensätze und Parallelen

Im Archiv für Baukunst wiederum finden sich Pläne, Archivalien, Fotografien und Modelle. Elf Gebäude wählte Archiv-Leiter Christoph Hölz aus, um das umfangreiche Schaffen des Architekten, die Ideen dahinter zu zeigen – die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Bauten herauszuschälen. So reflektierten die Gebäude bei Welzenbacher immer Nutzung und Umfeld.

Das von Lois Welzenbacher geplante Haus Treichl in Innsbruck wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Dabei verfolgte er keine doktrinäre Linie, sondern suchte immer wieder nach neuen Ansätzen. Er war über die Jahrzehnte kreativ, schöpferisch und wandlungsfähig, wie Hölz betont. Nicht zuletzt zeigt sich die Intensität, mit der sich Welzenbacher auf die Bauaufgabe einließ, am Adambräu selbst, das heute als Haus der Architektur fungiert.

Im Adambräu

2004 nach Plänen von Rainer Köberl, Erich Wucherer und Thomas Giner umfassend renoviert, erhielt es eine neue Bestimmung als Archiv und Ausstellungsgebäude.
Auf dem Weg durch Räume hinauf in den obersten Stock des ehemaligen Sudhauses, wird die ehemalige industrielle Nutzung intensiv erlebbar. Die räumlichen Strukturen verschmelzen mit Plänen und Bildern von Elementen der ehemaligen Bierbrauerei.

Welzenbacher

Im zweiten Teil der Ausstellung stehen Modelle, Pläne und Vergleiche zwischen Bauwerken Welzenbachers im Zentrum.

Die Funktion gab die Gebäudestruktur vor, der Architekt lotete die baukünstlerischen Möglichkeiten aus. Oben angekommen, koppelt sich das Modell des Adambräu mit dem – fantastischen – Blick auf die Umgebung, die Berge, den Bahnhof.

Frischer Blick

„Über Welzenbacher“ gelingt es, einen frischen Blick auf einen vermeintlich Bekannten zu werfen. In der Zusammenschau der Arbeiten werden die Sprünge sichtbar, die er stets elegant und aus dem Objekt heraus gemacht hat. Er bediente sich, je nach Bedarf und Umfeld, ohne Scheu auch klassizistischer oder regionaler Elemente. Welzenbacher entwickelte Architekturen, die ihre Nutzung spiegelten, ob im Einfamilienhaus, im Industrie- oder im Kirchenbau.

Welzenbacher

Wo sich heute die Ausstellungsräume des aut befinden, standen früher die großen Kupferkessel der Bierbrauerei.

„Über Welzenbacher“ zeigt: Er war ein wandlungsfähiger Architekt, der sich keiner Strömung eindeutig zuordnen lässt. Spannend, dies in den beiden Ausstellungsteilen anhand der gut aufbereiteten Beispiele zu verfolgen. Wobei die Filmporträts einen unmittelbaren Zugang zur Architektur Welzenbachers schaffen. Am Ende kann man im obersten Stock des Adambräu Modell und Realität auf sich wirken und die Ausstellung nachwirken lassen. Ein Einkehrschwung wird dringend empfohlen!

Welzenbacher

Zum Abschluss: über das Modell hinweg die fantastische Aussicht auf die Bergwelt und die Stadt Innsbruck genießen.

Über Lois Welzenbacher
Ausstellung bis 18.01.2020
aut – Architektur und Tirol &
Archiv für Baukunst der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Adambräu
Lois-Welzenbacher-Platz 1
6020 Innsbruck
Öffnungszeiten Di–Fr 11:00 bis 18:00 Uhr, Sa 11:00 bis 17:00 Uhr, So, Mo und feiertags geschlossen

Kontakt aut
Tel. +43 512 571567
Mail office@aut.cc
www.aut.cc
Kontakt Archiv für Baukunst
Tel. +43 512 507 33101
Mail archiv.baukunst@uibk.ac.at
www.archiv-baukunst.uibk.ac.at

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler

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