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ART Walk Innsbruck – neues Format für zeitgenössische Kunst

Beim ersten ART Walk Innsbruck [1] zeigte sich das Innsbrucker Wetter von seiner nasskalten Seite. Hartgesottene Kunstliebhaber hält das nicht ab. Und so fand sich eine den Witterungsverhältnissen trotzende Gruppe in der Tourismus Information von Innsbruck Tourismus am Burggraben ein. Das neue Vermittlungsformat führt in das Taxispalais Kunsthalle Tirol, den Kunstraum Innsbruck und den Kunstpavillon der Tiroler Künstler*innenschaft – und ihre aktuellen Ausstellungen. Es gibt Einblicke in zeitgenössische Kunst, stellt Orte und Akteure vor.

Austria-Guide Alexandra Mairhofer begleitete uns zu den Orten, die mehrere Aspekte vereinen. Darunter: Sie konzentrieren sich bei ihren wechselnden Ausstellungen auf zeitgenössische internationale Kunst und verfügen über keine eigene Sammlung.

Direktorin Nina Tabassomi führt durch die Ausstellung „Corita Kent___Joyful Revolutionary“.

ART-Stopp 1: Taxipalais Kunsthalle Tirol

Bevor wir die Räumlichkeiten im Taxispalais betraten, gab uns Alexandra einen kurzen Einblick in die Geschichte des Gebäudes und der Ausstellungshalle. Im Barockbau, der auch Sitz der Tiroler Landesregierung ist, wurde 1964 eine „Informationsgalerie mit überregionalem Programm“ eröffnet. Vor wenigen Jahren wurde die Galerie im Taxispalais in Taxispalais Kunsthalle Tirol [2] umbenannt.

Corita Kent montierte Alltagsbeobachtungen, Werbeslogans, Texte aus Massenmedien und Illustrationen zu neuen Bilder.

Direktorin Nina Tabassomi schlenderte mit uns durch die aktuelle Ausstellung „Corita Kent___Joyful Revolutionary“. Es handelt sich um die erste Einzelpräsentation der US-amerikanischen Nonne und Künstlerin Corita Kent [3] (1918-1986) in Österreich. Sie betrachtet die Schaffensperiode zwischen 1962 und 1969 und ist noch bis 11. Oktober zu sehen.

Alles bewusst gewählt

Zentral in Kents Werken war stets die Verbindung von Spiritualität und Kunst, politisches Engagement eingeschlossen. Die Künstlerin kombinierte Alltagseindrücke, spirituelle Botschaften, Zitate aus der Werbung und Massenmedien zu vielschichtigen, effektvollen Bildern. „Nichts an ihren Arbeiten ist zufällig, selbst die Schrift ist immer bewusst gewählt“, erklärte Tabassomi.
Schon geht es weiter durch den Nieselregen in den wenige Gehminuten entfernten Kunstraum Innsbruck [4], der von einem Verein betrieben wird.

Die Ausstellung „Un_controlled Territories“ von Siniša Ilić im Kunstraum Innsbruck läuft noch bis 10. Oktober.

ART-Stopp 2: Kunstraum Innsbruck

Die Galerie befindet sich im Arkadenhof. Hier standen früher die Stallungen des herrschaftlichen Haupthauses. Später wurde das Gebäude als Papierlager genutzt. Nach einem Umbau verwandelte sich der erste Stock in einen Ausstellungsraum.
Heute befindet sich links die Galerie Thoman, rechts der Kunstraum Innsbruck. Seit 2019 leitet diesen Ivana Marjanović. Die aktuelle Einzelausstellung „Un_controlled Territories“ widmet sich den jüngsten Arbeiten des Belgrader Künstlers Siniša Ilić.

Orientation in 100 Revolutions

Die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und der damit zusammenhängende Lockdown verhinderten, dass Ilić an der Eröffnung der Ausstellung teilnehmen konnte, erzählt die Galerieleiterin. Die unmittelbaren Folgen der Pandemie, des „Social Distancings“ sind in der Ausstellung mehrfach thematisiert. Gleich zu Beginn mit einer Serie von Zeichnungen an der Wand, mit Masken und mit sehr bewegenden in expressiven Zügen gezeichneten Gesichtern in Nahaufnahme.

Die Textilarbeit „Orientation in 100 Revolutions“ brachte der Belgrader Künstler auch auf den Kaunertaler Gletscher.

Die große, raumdominierende Arbeit „Orientation in 100 Revolutions“ transportierte der Künstler auf den Kaunertaler Gletscher, der aufgrund der Erderwärmung schwindet. „Siniša Ilić wirft die Frage auf, wie revolutionäre politische Geschichte und aktuelle ökologische Bewegungen in Beziehung zueinander gesetzt werden können“, erklärt Marjanović.

ART-Stopp 3: Kunstpavillon im Hofgarten

Zügig stapfen wir durch die Maria-Theresien-Straße über den Franziskaner Platz und vorbei am Tiroler Landestheater zum Kunstpavillon [5]. Er wird, neben der Neuen Galerie in der Hofburg und dem Künstlerhaus Büchsenhausen, von der Tiroler Künstler*innenschaft betrieben. 1951 zog die Vereinigung der Tiroler Künstler in dieses Gebäude. Davor hatte es als Teehaus gedient. Nach einem Umbau, bei dem auch eine Oberlichte eingebaut wurde, konnte er für Ausstellungen genutzt werden.

Für die Videoinstallation „Faces of Athen“ porträtierte Bernhard Hetzenauer Patienten und Volontäre dreier Sozialkliniken in Athen.

Die Tiroler Künstler*innenschaft zählt aktuell rund 340 Mitglieder. Den jüngsten ist die derzeitige Schau „Convergence“ (bis 17. Oktober) gewidmet. Insgesamt 19 sind zwischen 2017 und 2019 in die Interessensgemeinschaft aufgenommen worden. 19 spannende Positionen, zu denen Geschäftsführerin Petra Poelzl viel zu erzählen weiß.

19 Positionen

Schon die vor dem Eingang zum Pavillon situierten Arbeiten von Jürgen Bauer, eine Fahne mit der Aufschrift „Stay in – freak out“, und Richard Schwarz’ Holzkisten, die ein erstaunliches Eigenleben führen, zeugen von der Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen.

Das Artensterben steht im Zentrum von Kontriners Arbeit zwischen wissenschaftlicher Dokumentation und Kunstprojekt.

Mir sticht besonders Alexandra Kontriners „Perikularium“ ins Auge. 29 zarte Zeichnungen von Schmetterlingen und Insekten, die bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Zu einer anbetungswürdigen Gesamtkomposition inszeniert Kata Hinterlechners Naturobjekte in „Setting 9 aus dem Palast der blühenden Natur“. Die Ausstellung „Convergence“ erstreckt sich auch auf die Neue Galerie, dazu kommen Veranstaltungen im Künstlerhaus Büchsenhausen und an mehreren Orten in Tirol – das gesamte Programm ist hier [6] zu finden.
Ein umfangreiches Angebot, das, wie die anderen Ausstellungen, zu einer intensiveren Auseinandersetzung auffordert.

Ausschnitt von „Setting 9 aus dem Palast der blühenden Natur“ der Künstlerin Kata Hinterlechner (Experimental Setup).

Und genau das ist das Ziel der ART Walks Innsbruck: Als Appetitanreger Gusto auf mehr Kunst, auf zeitgenössische Kunst zu machen, gleichzeitig Ort und Akteure vorzustellen. Ist gelungen, würde ich sagen!
Die nächste Führung findet bereits am 9. Oktober statt.

Infos zum ART Walk Innsbruck

Guide: Alexandra Mairhofer
Dauer: 2 Stunden
Ticketpreis: 15 €/Person (freier Eintritt in den Ausstellungshäusern)
Termine 2020: 9.10., 20.11., 18.12.2020
Termine 2021: 29.01., 19.03., 02.04., 16.04.2021
(weitere Termine werden noch bekanntgegeben)
Treffpunkt jeweils um 15:30 Uhr bei der Tourismus Information Innsbruck, Burggraben 3
Anmeldung erforderlich bis 16:00 Uhr am Vortag der Tour unter taxispalais@tirol.gv.at oder telefonisch unter +43 512 5083171
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Zusätzliche Infos und den Veranstaltungskalender zu allen Events in Innsbruck gibt es hier [1].

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler

[7]