Schleicher, Laninger und Muller: das sind die Gestalten, die einem nur in der Fasnacht – in Tirol auch liebevoll die fünfte Jahreszeit genannt – über den Weg laufen. Zurückzuführen sind diese Bräuche, Feste und Umzüge auf alte Traditionen, die heute sogar teilweise zum UNESCO Kulturerbe gehören. Eines haben sie alle gemeinsam: Mit viel Lärm soll der Winter vertrieben werden. Die farbenprächtigen Fasnachts-Figuren sollte man nicht verpassen. Wer allerdings – so wie wir – kleine Kinder hat, die sich vor den teils doch recht wilden Masken fürchten, muss auf eine ausgelassene Faschingsfeier nicht verzichten. Zum einen finden in fast allen Gemeinden Kinderfaschingsfeste statt und zum anderen stand der Faschingsdienstag in Innsbruck heuer wieder ganz im Zeichen der Familien. Ich war mit meinem Sohn dort und wir zwei haben ausgelassen gefeiert!

Zuckerwatte statt Alkohol

Die letzten Male, als ich in der Stadt gefeiert habe, war ich noch kinderlos. Faschingsdienstag war der Tag, an dem man früher Schulschluss hatte und schon zu Mittag mit der Party anfing. Heute steht die Innsbrucker Altstadt am Faschingsdienstag aber ganz im Zeichen der Familie. Das wollte ich mir mal anschauen. Da mein Kleiner  krank wurde, waren dann nur der Große und ich am Start. Wir beschlossen aus der Situation das Beste zu machen, ließen den kleinen Bruder beim Papa und warfen uns in unsere äußerst kreativen Kostüme. Mein Sohn ging als Pirat und ich setzte meine obligatorischen Katzenohren auf. Kind mit Zuckerwatte

Zuckerwatte, bekomm ich auf keinen Fall runter, aber meinem Sohnemann scheint’s zu schmecken.

Unterhaltung in der ganzen Altstadt

Das Kinderprogramm startete um 14:00 Uhr und ging bis 17:00 Uhr. An vier in der Altstadt verteilten Stationen konnten die Kleinen sich austoben und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. „Mama ich will tanzen!“ Also gut, wir starteten unseren Partynachmittag daher beim Goldenen Dachl, wo DJ George & Friends und Alpen Sperrmüll für Musik und gute Stimmung sorgten. Da ich nicht die begnadetste Tänzerin bin und mir das ohne Alkoholeinfluss auch durchaus bewusst ist, wechselten wir die Location nach ein paar Liedern und spazierten zur Ottoburg, dort gab es eine Mitmach-Schmink- und Kreativstation. Mein Sohn hatte großen Spaß und vermisste das Tanzen nicht.

Kinderfasching vor der Ottoburg

Bälle und Rohre… wer hätte gedacht, dass man sich damit so lange beschäftigen kann.

Kinderfasching vor der Ottoburg

Vor der Ottoburg unterhalten verschiedene Mitmach-Schmink- und Kreativstationen die Kleinen.

Ich glaube, er hätte den ganzen Nachmittag hier verbringen können, aber ich war neugierig auf den Faschingszirkus am Domplatz. Auch hier waren wir ganz begeistert. Die Kinder konnten sich als Artisten versuchen und kleine Kunststücke ausprobieren.

Kinderfasching am Domplatz

Das Riesen-Hamsterrad am Domplatz

Kinderfasching am Domplatz

Am Domplatz kann man seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen.

Kinderfasching am Domplatz

Egal ob Pirat, Katze, oder Prinzessin,,… Jenga mag jeder.

Kinderfasching am Domplatz

Manege frei für die kleinen Artisten!

Die vierte Station befand sich am Köhleplatz und stand ganz im Zeichen der Clowns. Man konnte sich lustige Theaterstücke ansehen, ganz nach dem Motto: „Ein Clown beherrscht nichts, das dafür richtig!“ (Johannes Galli).

Kinderfasching am Köhleplatz

„Ein Clown beherrscht nichts, das dafür aber richtig“ (Johannes Galli)

Platz für den Frühling

Unser Fazit: Es ist der Stadt Innsbruck wirklich gut gelungen, ein wunderbares, lustiges Spektakel für Familien zu organisieren. Wir haben gelacht, gespielt, getanzt und uns prächtig amüsiert. Es gab keine Sekunde, in der wir uns unwohl oder fehl am Platz gefühlt hätten. Gegen 17:00 Uhr wurden wir müde und haben den Heimweg angetreten. Ich denke, das war genau der richtige Zeitpunkt, denn langsam aber doch, räumten die kleinen Partytiger das Feld für die Größeren und es wurde etwas wilder. Und mal ehrlich, das darf am Faschingsdienstag ja auch so sein.

Den eingangs erwähnten, ursprünglichen Wunsch den Winter zu vertreiben und Platz für den Frühling zu machen, kann ich gut verstehen. Auch wenn es mir nicht, wie den Bauern damals, um eine gute Ernte geht, freue ich mich schon wieder sehr auf wärmere Temperaturen. Seit Wochen hangelt sich meine Familie von einem Infekt zum nächsten und spielt Viren-Ping-Pong. Ich hoffe also wirklich, dass wir und all die Narren, Schleicher und Muller laut genug gefeiert und den Winter vertrieben haben. Wer übrigens sehen will, wie die Fasnacht sonst noch so gefeiert wurde, sollte sich diesen Beitrag ansehen.