Früher war es einfacher, gegen den Strom zu schwimmen. Der hatte damals auch noch keine Fiber-Power.

Heute ist „alternativ“ eine Marketingstrategie und die alternative Szene vielfach nur eine Mainstream-Zweitschiene. Wo geht man also hin, wenn man lieber redet als whatsappt und den Flow sucht statt den Stream? Ich halte mich da gern an die langgedienten Pioniere und Sturschädl. Die gibt es, man mag es kaum glauben, in Tirol auch abseits von Skisport und Freiheitskampf. Obwohl: Bergisel ist schon das richtige Stichwort.

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Bühne am Bergisel-Festival. Foto gefunden und bearbeitet von Elmar Schaber/Henner Kröper/Peter Mössmer

Noch heute kursieren Legenden (und TOLLE Fotos!) über das Jazzfestival, das eine Gruppe rund um das ehemalige Utopia (heute dort: weekender) im Bergiselstadion veranstaltete. Miles Davis war da!

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Miles Davis am Bergisel-Festival. Foto gefunden und bearbeitet von Elmar Schaber/Henner Kröper/Peter Mössmer

Joe Zawinul! John Scolfield, Paco di Lucia, John McLaughlin und Al di Meola. Genaueres darüber ist schwer zu recherchieren, frei nach Falco: „Wer sich an die 80er erinnern kann, der war nicht dabei“. Die Utopia-Leute gingen auch mit dem ersten Tiroler Kulturnetzwerk online und waren Innsbrucks erstes Internet-Cafe. Als sich das Utopia dann zerschlagen hat, zerstreuten sich die kreativen Köpfe über Innsbruck und dort findet man sie teilweise auch heute noch.

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Die Technik. Foto gefunden und bearbeitet von Elmar Schaber/Henner Kröper/Peter Mössmer

 Alternativen gibt es genug – ein Überblick

Ach, die guten, alten Zeiten, die 70er und 80er. Viele Pioniere und Sturschädl von damals sind heute Fixpunkte oder Leitsterne (Werner Pirchner) der Innsbrucker Kulturszene. Das Treibhaus ist eine Insel im Konsumzwang, es gibt „Pizza für Arme“ und man darf auch am Tisch sitzen, ohne alle 5 Minuten was bestellen zu müssen. Immer noch werden dort zarte Pflänzchen gezüchtet, für die das Alpenklima eigentlich zu rauh und kalt ist. Manu Delago, die Pichler Brüder oder Christoph Pepe Auer und andere machten dort ihre ersten Bühnenerfahrungen. Die Idee mit dem Treibhaus-Pass, eine Art Kulturflatrate, finde ich großartig und der Treibhaus-Turm gehört zu meinen Lieblings-Konzertsälen. Einziger Wehrmutstropfen: Das Jazzfrühstück – gehört wieder eingeführt.

Auch die Filmpioniere vom Leo-Kino geben schon lange den Ton an (übrigens nach Papst Leo XIII. benannt, wer hätte das gedacht…): Europäisches Kino ohne Motion Sickness, Lasershow und Popcorn, dafür darf man seinen Wein im Glas mit in den Film nehmen UND hat jederzeit freie Platzwahl. Mit dem IFFI hat Innsbruck nun dank Leo-Kino sein eigenes Filmfestival: heuer vom 2. -7. Juni. Als vor kurzer Zeit das Programm des Leo-Kinos umgestaltet wurde, damit schneller auf Publikumsinteresse reagiert werden kann, sorgte das für ungefähr gleich viel Entrüstung und Verunsicherung, wie das Rauchverbot im Cafe Central.

Aber es gibt auch noch andere Institutionen, die legendär und eindeutig nicht mainstream in Innsbruck sind. Das Kellertheater beispielsweise, oder: die Innsbrucker Ritterspiele. Den „Schurkischen Kuno“ muss man gesehen haben. Ich hab mich immer noch nicht hingetraut, das ist mir echt fast zu schräg. Und wer sind die Pioniere heute? Die Bäckerei gehört eindeutig zu den rührigsten Kulturvermittlern, ich staune immer, was die alles machen (Indie, Handwerk, Workshops, Vorträge und auch: New Folk!). Die pmk (Indie-Noise-Avantgarde-Punk-Rock) ist nicht mehr wegzudenken aus der Bogenmeile. Seit gar nicht allzu langer Zeit gibt es das early bird (Jazz-World-Singer-Songwriter-Locals) und – meinen Favoriten: das Vierundeinzig (Tango-Swing-Konzerte-Zeitgenössisches).

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