Wer nicht gern ins Museum geht, ist hier richtig. Denn im Museum der Träume im Schloss Ambras, werden Ausstellungsstücke mit Geschichten hinterlegt und belebt. Live und nur wenige Meter vom Publikum entfernt. Da kann es schon mal passieren, dass man als Requisite mit einbezogen wird in die kleinen Theaterstücke und Performances.

Ebenso sind alle, die gerne ins Museum gehen, hier richtig. Denn jetzt haben sie die Chance, das Museum einmal bei Nacht zu erleben und die Werke aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Die Produktion „Wenn es soweit ist“ ist noch bis 8. Juli im Schloss Ambras zu Gast. 

Museum der Träume Museum der Träume, Schloss Ambras

Für mich ist zum Beispiel ein Raum gefüllt mit Rüstungen 16. Jahrhundert extrem langweilig. Ich finde weder die blank polierten Rüstungen auf den Puppen spannend, noch die spitzen Pfeile und sonstige Waffen. Wenn dann aber der Schauspieler (und Produzent der Veranstaltung) Peter Wolf das Stück von Viktor Martinowitsch “Der Harnisch der Gerechtigkeit” spielt, bekommen die Ritterrüstungen eine komplett neue Bedeutung für mich.

Peter Wolf, Foto: Museum der Träume.

Peter Wolf, Foto: Museum der Träume.

»Je fester der Panzer, desto zarter das Fleisch, deshalb weinen Soldaten auch so oft sagt der furchteinflößend gekleidete Schauspieler und zieht dann einen Vergleich zu Krebsen und Rüstungen. Auch sie haben einen harten Panzer und innen liegt das weiche, rosa Fleisch. Wie auch beim Menschen. Zack, da hat er mir doch tatsächlich ins Knie gekniffen! Jetzt bin ich hellwach und höre gespannt zu.

Der Text, den David Oberkogler vorträgt ist leichter, das Publikum darf lachen. Er spricht über und als Boccaccio.

»Sie da hinten, Sie schauen mich schon die ganze Zeit so skeptisch an. Gefällt Ihnen meine Nase nicht? Heute würde man sie vermutlich begradigen. Man ließe sich jedenfalls mit so einem Zinken nicht im Profil porträtieren. erinnern Sie sich – dieser Berlusconi hatte eigene Kameraleute, die ihn nur aus einem ganz bestimmten Blickwinkel aufnehmen durften.« 

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Mutig ist der Text von Thomas Glavinic, den Vivien Löschner im Bad der Philippine Welser – einer gemütlichen Holzstube, so etwas wie dem ersten Nobel-Spa Tirols im 16. Jahrhundert – vorträgt. Splitternackt steht sie in dem kleinen Raum und fordert die Besucher auf sich ihren Körper ganz genau anzusehen: „Sehen sie nicht weg!“ Und wer will, darf anschließend ihren Platz einnehmen. Will wer? Ja, eine junge Frau will, aber lieber angezogen. Erst letzte Woche hat bei einer Aufführung ein junger Mann sich ausgezogen, erzählt die Schauspielerin.

Vivien Löschner im Bad der Philippine Welser. Foto: Museum der Träume

Vivien Löschner im Bad der Philippine Welser. Foto: Museum der Träume

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Insgesamt sind es neun Szenen, die gespielt, getanzt oder gesungen werden. Zusätzlich werden in der Grotte noch Filme von Träumen gezeigt, zu denen sich Interessierte im Vorfeld melden konnten.  Jede Szene wird gleichzeitig und mehrmals hintereinander gespielt, so hat jeder Besucher die Chance alle Stücke zu sehen. Das Konzept dahinter ist in Wien als “Ganymed Boarding”, oder “Ganymed Dreaming” im Kunsthistorischen Museum bereits erprobt und sehr erfolgreich – die Aufführungen im Herbst waren stets ausverkauft.

Hier hat es sich noch nicht so gut herumgesprochen, schade eigentlich. Wer also, was Tolles, Neues entdecken will, bevor es überlaufen ist: Jetzt wäre es soweit.

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Museum der Träume in Ambras

Tickets: 34€ Erwachsene regulär
Ermäßigte Tickets: 19€

Studenten Sonderdeal: 2 zum Preis von einem! Alle Studenten dürfen also “gratis” einen Studienkollegen einpacken. Also nur mehr 10€ pro Person. Die Aktion gilt allerdings nur an der Museumskassa vor Ort.

Weitere Aufführungen: Sa 11. Juni, Fr 17. Juni, Sa 25. Juni, Sa 2. Juli, Fr 8. Juli 2016
jeweils Einlass ab 18.15 Uhr, Vorstellungsbeginn 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr

 

 

Alle Fotos (sofern nicht anders gekennzeichnet): Lea Hajner